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Die neue Hierarchie

Sportredaktor Micha Jegge über das Ski Alpin Frauenteam

Hans Flatscher hatte es geahnt – oder zumindest gehofft. Womöglich führe die Konstellation zu einem leistungsfördernden Klima, erwiderte der Frauen-Cheftrainer Ende Oktober in Sölden auf die Frage, ob er der Rücktrittswelle in seiner Equipe auchetwas Positives abgewinnen könne.

Zwölf Weltcuprennen später stehen die Schweizerinnen mit drei Siegen und drei zweiten Plätzen da. Ebenfalls erfreulich sind die Geschehnisse in der zweiten Reihe. Corinne Suter, seit Jahren als Riesentalent gehandelt, ist im Weltcup angekommen.

Simone Wild und Charlotte Chable haben zumindest einmal gezeigt, was in ihnen steckt. Und der einen oder anderen Kollegin mit vergleichbaren Fähigkeiten vor Augen geführt, dass sich Differenz zur erweiterten Spitze überwinden lässt, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.

Hinter der vorweihnächtlichen Zwischenbilanz findet sich die neue Hierarchie – in Verbindung mit der Beziehung zwischen Flatscher und Lara Gut. Er gewährt ihr jene Freiheiten, die sie sich wünscht. Sie verdankt es mit verstärkter Präsenz im Kollektiv.

Für die Arrivierten war die Tessinerin nicht zuletzt die Konkurrentin aus dem Privatteam, die Kleine mit der Extrawurst, welche allen um die Ohren fährt. Für die Jungen ist die 24-Jährige Inspiration, Vorbild und Leitfigur. Gut drängt sich nicht auf, hilft jedoch mit Rat und Tat, wenn sie darum gebeten wird.

Die Jungen mögen sie, ihr behagt die Rolle der natürlichen Leaderin. Flatscher sagt, es gebe derzeit nichts, was sie belaste. Selbst Fabienne Suters Rückkehr in die Weltspitze lässt sich mit dem Klima erklären.

Die zurückhaltende wie sensible Schwyzerin ist glücklich, marschiert die selbstbewusste Gut voraus. In deren Schatten vermag Suter an die Leistungen ihrer besten Tage anzuknüpfen. Die Strecken, die auf ihre Qualitäten zugeschnitten sind, kommen erst noch.

Der oft zu vernehmende Einwand, wonach die Aussichten auf den Durchbruch im Weltcup noch nie so gut gewesen seien wie in diesem Winter, lässt sich nicht wegreden. Anna Fenninger und Mikaela Shiffrin sind verletzt, Kathrin Zettel und Nicole Hosp zurückgetreten; Tina Maze pausiert.

Es gibt viel Raum, sich zu entfalten; Gutes sieht auch mal sehr gut aus. Schweizerseits jedoch darf selbst unter diesen Vorzeichen von einem erfreulichen Saisonbeginn geschrieben werden. Wer Ende Oktober ein vergleichbares Gesamtbild prognostiziert hätte, wäre mitleidig belächelt worden.micha.jegge@bernerzeitung.ch

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