Die problematischen Österreicher

Der Österreichische Skiverband kann sich bei den jüngsten Doping-Fällen nicht aus der Verantwortung ziehen.

Das Langlauf-Team unserer Nachbarn steht nach den jüngsten Ereignissen an der Nordisch-WM nicht gut da: Unter den fünf wegen mutmasslichem Dopingmissbrauchs verhafteten Athleten sind zwei Österreicher.

Das Langlauf-Team unserer Nachbarn steht nach den jüngsten Ereignissen an der Nordisch-WM nicht gut da: Unter den fünf wegen mutmasslichem Dopingmissbrauchs verhafteten Athleten sind zwei Österreicher.

(Bild: Keystone Peter Kneffel)

Christian Brüngger@tagesanzeiger

Wenn sich zwei Athleten des WM-Gastgebers gar am Grossanlass noch Eigenblut verabreichen lassen ? und die Polizei einen von ihnen in flagranti erwischt: Sind diese Sportler dann dumm, dreist oder dumm-dreist? Zumal sie wussten, dass ein überführter Kollege ihres Langlaufteams zuletzt sein Buch bewarb, in dem er darlegte, wie er zum Doper geworden war. Zwar nannte dieser Betrüger, Johannes Dürr, keine Namen. Aber er berichtete, von Polizisten befragt worden zu sein. Dürr legt im Buch auch dar, wie er sich immer mehr unter Druck fühlte, Leistung liefern zu müssen. Gleich muss es nun den beiden Österreichern Dominik Baldauf und Max Hauke gegangen sein, zwei der fünf verhafteten Langläufer. Nur: Baldauf wie Hauke sind Athleten zweiter Klasse, wie auch die erwischten Esten. Einzig der Kasache Alexei Poltoranin ist ein Schneller seines Sports, ­zumindest im Klassisch-Stil.

Insofern könnte man nach den jüngsten Dopingschlagzeilen argumentieren: Kein grosses Langlaufland fiel durch, ergo belegt es, wie relativ gut dieser Sport dasteht. Handkehrum kann man fragen: Wenn schon Lückenbüsser betrügen, was sagt dieses Verhalten über die Lauterkeit der Besten aus?

Und: Österreichs Elitesport hat ein Problem. Fast jährlich fliegt ein Athlet auf. Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes aber behauptet, es handle sich auch im aktuellen Fall um Einzeltäter. Sein Verband soll damit fein raus sein. Ist er nicht. Die Leistungskultur bei den österreichischen Langläufern führt offenbar dazu, dass einige zu Betrügern werden. Diese Athleten mögen also durchaus dumm und/oder dreist sein, sie sind aber auch: verzweifelt.

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