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Einer der «Buben» sticht immer

In der Swiss-Ski-Trainingsgruppe von Sepp Brunner ist vieles nicht plangemäss verlaufen. Trotzdem geht es tendenziell aufwärts.

Gut drei Jahre sind vergangen, seit die damals fünf Athleten in der Trainingsgruppe von Sepp Brunner intern nicht ohne Häme als «Slalomfahrer» bezeichnet wurden, weil sie sich auf die technischen Sparten konzentrierten. Sobald der erste «meiner Buben» den Durchbruch geschafft habe, werde «immer einer stechen», prophezeite der 51-jährige Österreicher im Herbst 2006. Den Anfang machte Marc Berthod 2007 im Slalom von Adelboden, es folgte Daniel Albrecht mit dem WM-Titel in der Super-Kombination. Ohne Verletzungen wäre die Erfolgskurve vermutlich exponentiell gestiegen. Doch auch so geht es aufwärts, wie folgende Übersicht vor den Lauberhornrennen zeigt.

Albrecht feilt derzeit zu Hause im Goms an seiner physischen Verfassung. Die Wettkämpfe im Berner Oberland vor Ort zu verfolgen, sei für den 26-Jährigen kein Thema gewesen, sagt Brunner. «Dani verspürt einen unheimlichen Drang, wieder zurückzukehren – aber nicht als Tourist.» Laut seinem Mentor befindet sich der Älteste des Quintetts gegenwärtig auf dem Niveau eines «sehr guten Europacup-Fahrers». Fehler habe er zuletzt «wahnsinnig gut korrigiert». In dieser Saison ist ein Comeback trotz schöner Worte und guter Werte unwahrscheinlich. Albrecht sei sehr wohl in der Lage, ein Rennen zu bestreiten, konstatiert Brunner. «Aber für das zweite und das dritte würde ihm noch die Kraft fehlen.»

Ein Traum

Berthod hat es bisher nur in der letzten Trainingseinheit vor dem (abgebrochenen) Riesenslalom in Adelboden geschafft, die Handbremse zu lösen. Laut Brunner ist er zu lange rückenschonend gefahren. «Ich sagte ihm, er sei nicht mehr sich selbst. Mir ist es lieber, er scheidet aus, als dass er 35. wird.» Im Frühling war der Engadiner am Boden zerstört gewesen. Die genetisch bedingten Rückenbeschwerden akzentuierten sich gar bei Alltagsbewegungen. Er habe etwas verändern müssen, hält der 26-Jährige fest. Berthod erwarb ein Wohnmobil, engagierte einen Konditionstrainer und verabschiedete sich von den schnellen Disziplinen. Dem Rücken geht es besser, seit er auf einer speziellen Matratze schläft, alternative Aufbau- und Aufwärmeinheiten absolviert und generell weniger trainiert. Die optische Veränderung – er sieht aus wie ein kanadischer Holzfäller – sei nicht als Ausdruck seiner Individualität zu verstehen; «mir gefällt es so.» Was die Zukunft betrifft, behält er seine Gedanken lieber für sich. Als «Traum» bezeichnet er, nochmals gemeinsam mit dem langjährigen Gefährten Albrecht auf dem Podest zu stehen.

Im Frühling 2007 hatte Brunner Marc Gini den schnellsten Slalomschwung im Skizirkus attestiert, im November desselben Jahres gewann der heute 25-Jährige auf der Reiteralm sein erstes und bis anhin einziges Weltcup-Rennen. Fortan wurde der Bündner an diesem Auftritt gemessen – und drohte daran zu zerbrechen. Schnellen Schwüngen folgen nicht automatisch gute Ergebnisse, im letzten Winter lief auch wegen Materialproblemen fast alles schief. In Adelboden liess er mit Rang 6 aufhorchen, in Wengen scheint nach erfüllter Olympianorm alles möglich.

und eine Prognose

Sandro Viletta leidet seit Jugendzeiten an einer Überfunktion der Schilddrüse. Sport auf höchstem Level kann er nur dank täglicher medikamentöser Behandlung betreiben. Brunner bezeichnet ihn als angenehmen, dankbaren Schüler. Im Training glänzt der am 23.Januar 24 Jahre alt werdende Engadiner oft mit Spitzenwerten, im Weltcup steht der Sprung aufs Podest noch aus. Teamleader Didier Cuche prognostiziert, Viletta werde bald «regelmässig ganz vorne hineinfahren».

Carlo Janka hatte sich im Schatten von Albrecht und Berthod auf leisen Sohlen herangetastet, ehe er vor Jahresfrist mit Lichtgeschwindigkeit auf die grosse Bühne stürmte, unter anderem die Super-Kombination am Lauberhorn gewann und sich im WM-Riesenslalom von Val d’Isère die Goldmedaille sicherte. In der laufenden Saison liegt der 23-jährige Obersaxer im Gesamtweltcup auf Platz 2, obwohl er wegen einer Virusinfektion nur ein bescheidenes Sommertraining absolvieren konnte. Im Moment ist es der Jüngste von Brunners «Buben», welcher die gegnerischen Asse übersticht.

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