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Gut-Behrami hat Geduld verdient

Nicht so schlecht, wie sie gemacht wird: Die Tessinerin ist noch immer so erfolgreich, dass ihr eigener Weg gerechtfertigt ist.

Eine Ausnahmeerscheinung: Lara Gut-Behrami. Bild: Keystone.
Eine Ausnahmeerscheinung: Lara Gut-Behrami. Bild: Keystone.

Sturz, schwere Prellungen am Rücken. Ein harter Schlag nicht nur auf den rechten Fuss, sondern überhaupt für Lara Gut-Behrami. Sie muss die Saison vor dem Finale in Andorra beenden, das am Mittwoch mit den Abfahrten beginnt. Es ist ein abruptes Ende eines schwachen Winters – deshalb passt es ganz gut ins Bild. So zumindest denken einige.

Ob sie denn noch rechtfertigen könne, dass sie in einem Privatteam unterwegs sei? Dass ihr Vater Pauli Trainer und weiter vom Verband auf Mandatsbasis angestellt sei? Dass sie eine eigene Medienbetreuerin habe? Diese Fragen wurden gegen Ende der WM in Are in manchen Medien aufgeworfen. Das Konzept Gut-Behrami müsse infrage gestellt werden, derart im Kriechgang befinde sie sich. Ist der ganze Aufwand für sie noch gerechtfertigt?

Die Antwort muss lauten: ja. Gut-Behrami mag eine durchzogene Saison hinter sich haben. Vielleicht war es auch die davor – nur ist sie damals von einer schweren Knieverletzung zurückgekehrt, von einem Kreuzbandriss mit Meniskusschaden, die Auswirkungen hallen lange nach. Zudem ist sie, und daran hat sich nichts geändert, eine Ausnahmeerscheinung, die diesen Aufwand rechtfertigt. Neben der Piste zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich, zuletzt im Sommer, als sie den Fussballer Valon Behrami heiratete. Und sie ist auch als Skifahrerin noch immer eine Ausnahmeerscheinung.

Ihre Ausbeute ist – rational gesehen – beeindruckend. Nur wird über sie selten rational geredet.

Wird bei ihr von Kriechgang gesprochen, bedeutet das: fünf Podestplätze in den zwei Saisons nach der Verletzung, drei im letzten Winter mit dem Sieg in Cortina d’Ampezzo, zwei in diesem. Besser als sie war genau eine Schweizerin: Wendy Holdener. Gut-Behrami war diese Saison die beste Schweizer Super-G-Fahrerin und die fünftbeste überhaupt.

Natürlich ist das zu wenig für eine Athletin mit ihrem Können; fand sie im Riesenslalom und der Abfahrt den Anschluss noch nicht wieder; ist sie in alte Muster verfallen wie dem Andriften der Kurven; sucht sie nach der Verletzung und der Heirat das Gleichgewicht, wie es ihr Vater sagt; und wartet sie noch auf eine Goldmedaille an einem Grossanlass. Nur ist ihre Ausbeute – rational gesehen – auch so beeindruckend.

Die Tessinerin gehörte zum Auftakt der Titelkämpfe in Are zu den Favoritinnen im Super-G. Was sagen Wegbegleiter?
Die Tessinerin gehörte zum Auftakt der Titelkämpfe in Are zu den Favoritinnen im Super-G. Was sagen Wegbegleiter?
Keystone
«Ich spürte zuletzt, dass sie noch mehr tun wollte, fast zu viel.»
«Ich spürte zuletzt, dass sie noch mehr tun wollte, fast zu viel.»
Reto Oeschger
«An der Ski-WM kann sie mehr gewinnen als verlieren.»
«An der Ski-WM kann sie mehr gewinnen als verlieren.»
Keystone
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Doch wird über Gut-Behrami geredet, wird das selten rational getan. Sie polarisiert mit ihrer kompromisslosen und fast schon unschweizerisch selbstbewussten Art, sie sorgt für Emotionen, positive wie negative. Und: Bei ihr wird ein eigener Massstab angewendet.

Das hat mit ihren Erfolgen in der Vergangenheit zu tun. Sie war 2016 die erste Schweizer Gesamtweltcupsiegerin seit Vreni Schneider und 21 Jahren. Sie triumphierte im Weltcup 24-mal, erfolgreicher waren nur vier Schweizerinnen aus einer anderen Epoche: Maria Walliser (25), Michela Figini (26), Erika Hess (31) und Vreni Schneider (55). Und ihr Weg ist noch nicht zu Ende. Gut-Behrami ist – es wird oft vergessen – erst 27. Corinne Suter, die an der WM in Are mit Silber und Bronze zum Shootingstar des Teams wurde, ist nur drei Jahre jünger und stand im Weltcup erst einmal auf dem Podest. Lindsey Vonn beendete ihre von Verletzungen durchsetzte Karriere jüngst im Alter von 34.

Gut-Behrami hat Geduld verdient, gerade jetzt, nach einem weiteren verletzungsbedingten Ausfall. Sie kann noch viel erreichen, bleiben schwere Rückschläge aus und hat sie privat nicht andere Pläne. Ist sie der Meinung, dass der Weg mit Vater Pauli Gut als Trainer noch der richtige ist, gilt es das zu akzeptieren und vom Verband mitzutragen. Zumindest, solange sie sich nicht im Kriechgang befindet – in einem Kriechgang, der den Namen auch verdient.

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