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«Das Spannendste ist das Fahren gegeneinander»

Noah, Nicola und Luca Lubasch sind Wintersportler auf hohem Niveau. Die drei Brüder pflegen ähnliche Interessen – und doch verfolgen sie unterschiedliche Ziele in verschiedenen Sportarten.

Noah, Nicola und Luca Lubasch (von links) sind extrem sportbegeistert.
Noah, Nicola und Luca Lubasch (von links) sind extrem sportbegeistert.
Christian Pfander

Die Familie Lubasch aus Meiringen ist sportverrückt. Noah (19) – der Jüngste – fährt seit drei Jahren Skicross und geht ans Gymnasium. Ebenfalls als Skicrosser unterwegs ist Luca (24). Der Älteste hat aber noch am wenigsten Cross-Erfahrung von den dreien. Nicola (21) fühlt sich dagegen wohler auf dem Snowboard, ist aber wie alle zuerst normal Ski gefahren. Und da fehlt noch der vierte Bruder, Mischa (22), der den «normalen» Weg einschlägt, an der Uni Bern studiert und dazu OL treibt.

Sport ja, Konsole nein

Das grosse Sportinteresse haben Vater und Mutter ihren Söhnen mitgegeben, obwohl sie selber nie Leistungssport betrieben haben. «Die Eltern haben uns bei Outdoor-Aktivitäten schon immer unterstützt, egal welche Sportart wir ausüben wollten», sagt Nicola. Wer jedoch beispielsweise eine Spielkonsole haben wollte, musste diese aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen.

Die drei begannen beim Skiclub Unterbach zuerst alpin zu fahren. Später entdeckten dann alle eine noch grössere Leidenschaft – und zwar das Cross. Nicola wechselte als 10-Jähriger aufs Brett, als ihm der Jüngste schon um die Ohren fuhr. «Schlussendlich habe ich gemerkt, dass mir das Boarden mehr liegt», sagt Nicola.

«Der Mix aus Sprüngen, verschiedenen Elementen und Speed, macht es aus», erklärt Luca. «Das Spannendste ist aber das Fahren gegeneinander», ergänzt Noah. Ein Duell zwischen dem Jüngsten und dem Ältesten auf der Strecke wäre also möglich. «Dann wären wir halt für 30 Sekunden Gegner», sagt Luca und lacht. Bisher ist ein Bruderduell aber noch nicht zustande gekommen.

Während Noah und Luca den ganzen Winter zusammen im Europacup unterwegs sind, sieht Nicola die beiden eher selten. Die Boardercrosser seien nie zur gleichen Zeit am selben Ort wie die Skicrosser. Nicola gehört neu zum B-Kader von Swiss Snowboard und durfte im letzten Winter schon Weltcup-Luft schnuppern. Diese Saison will er sich in der Gesamtwertung des Europacups unter den besten zwölf etablieren.

«Innerhalb der nächsten zwei Jahren möchte ich zum Weltcup-Team gehören», sagt der 21-Jährige, der nebenbei am Bahnhof Bern im Verkauf arbeitet. Luca, der eine Lehre zum Zimmermann absolvierte und danach die Berufsmatura abgeschlossen hat, ist seit letztem Jahr im Nationalen Sichtungskader von Swiss Ski und hätte deshalb die Vorbereitung auf die Saison mit dem Weltcup-Team bestreiten dürfen.

Er verletzte sich jedoch und trainiert erst seit Ende Oktober wieder. Der 24-Jährige entdeckte das Skicross, als er einmal seinen jüngsten Bruder zu einem Rennen chauffierte und dort dann selber teilnahm. «Zunächst noch ohne Ambitionen, aber dann habe ich schnell gemerkt, dass mir Cross grossen Spass bereitet», erzählt der langjährige Alpinfahrer.

Noah fährt in der laufenden Saison zum ersten Mal fix im Skicross-Europacup mit. Der 19-Jährige, der in Münchenbuchsee in einer WG mit den Brüdern Nicola und Mischa lebt, hat aber hohe Ziele: «Längerfristig möchte ich im Weltcup fahren, und ja, eine Teilnahme an den Olympischen Spielen wäre ein Traum.»

Elfstündige Autofahrten

Um an die Rennen zu gelangen, erhält Boardercrosser Nicola jeweils ein Aufgebot, wo er wann bereit sein muss. Die Skicrosser mit Noah und Luca bilden Fahrgemeinschaften, können aber das Material dem Trainer mitgeben. So fahren sie auch mal elf Stunden ins tschechische Dolni Morava und ein paar Tage später wieder zurück. Skicross fahren ist im Verhältnis relativ günstig.

«Früher hat mich eine Alpin-Saison fast 20'000 Franken gekostet. Im Skicross sind es etwa 9000 Franken», sagt Luca. Dennoch sind solche Beträge nicht einfach zu stemmen, vor allem für die jüngeren Brüder, die noch nicht richtig Geld verdient haben. «Die Stiftung Passion Schneesport, unsere Eltern sowie der Lebenspartner unserer Mutter unterstützen uns sehr», erklärt Noah.

Beim Thema Vorbilder kommt Luca schnell jemand in den Sinn: «Mike Schmid ist wie ein Pionier für unseren Sport.» Heute ist der 35-jährige Olympiasieger als Trainer tätig. «Vor ein paar Jahren habe ich von ihm eine Unterschrift erhalten. Nun nimmt er uns ab und zu am Start mit seiner ruhigen Art die Nervosität ein bisschen», sagt Noah mit einem Schmunzeln.

Die Wege der beiden Skicrosser sowie des Snowboardcrossers haben sich nach dem Treffen mit dieser Zeitung getrennt. Das nächste Mal werden sie wahrscheinlich erst wieder am 25. Dezember unter dem Weihnachtsbaum vereint sein.

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