König ohne Gnade

Marcel Hirscher ist auch in diesem Winter das Mass aller Dinge. Sein ärgster Rivale Henrik Kristoffersen hat in Adelboden zweimal das Nachsehen – und ärgert sich.

Wie auf Schienen: An Marcel Hirscher gibt es im Moment kein Vorbeikommen. Foto: Christian Pfander

Wie auf Schienen: An Marcel Hirscher gibt es im Moment kein Vorbeikommen. Foto: Christian Pfander

Federer gegen Nadal, Senna gegen Prost, Ali gegen Foreman. Packende Duelle gehören zum Einzelsport, sie sind quasi das Salz in der Suppe. Ski alpin stellt da keine Ausnahme dar, man denke nur an Klammer gegen Russi. Jede Generation hat ihre Ausnahmekönner, die am meisten Interesse generieren, das Geschehen fest im Griff haben.

Im aktuellsten Fall heissen sie Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher. An den beiden führt in den technischen Disziplinen kein Weg vorbei. Wobei die Hierarchie klar geregelt ist: Hirscher ist der Dominator, Kristoffersen sein ärgster Herausforderer.

In Adelboden lässt sich der Österreicher die Siege 8 und 9 notieren, es handelt sich um einen neuen Rekord. Keinem anderen Fahrer ist es je gelungen, so oft am selben Ort zu gewinnen. Dem Norweger derweil bleibt mit den Rängen 2 und 3 einmal mehr das Nachsehen.

Ein Glücksgefühl, viel Frust

Hirschers Dominanz ist aussergewöhnlich. Vier von fünf Riesenslaloms und vier von fünf Slaloms hat er in dieser Saison gewonnen, dazu auch im Parallelriesenslalom von Alta Badia reüssiert. Der 29-Jährige aus Salzburg fährt in einer eigenen Liga, das kann für die Konkurrenz sehr zermürbend sein. Gerade wenn man wie Kristoffersen meist derjenige ist, der sich direkt hinter dem Platzhirsch einreiht. In den letzten beiden Wintern schaffte es der 24-Jährige ein einziges Mal, seinen Dauerrivalen zu düpieren.

Als er am Samstag nach dem Riesenslalomklassiker am Chuenisbärgli zur Medienkonferenz anzutreten hatte, gab er sich äusserst zugeknöpft. Freude über den Podestplatz? Fehlanzeige! Dem Journalisten der Schweizerischen Depeschenagentur, der es schliesslich wagte, ihm eine Frage zu stellen, raunte er angesäuert zu: «Es widert mich an, immer auf Marcel und meine zweiten Plätze angesprochen zu werden. Ich habe 50 Podestplätze und 16 Siege.»

Wie eine Maschine

24 Stunden später ist Kristoffersens Laune ungleich besser. Zwar wiederholt sich das Prozedere, ihm bleibt im Slalom hinter Hirscher und dem überraschenden Clément Noël «nur» Rang 3. Doch er reagiert darauf erstaunlich gelassen: «Die Geschwindigkeit ist da, aber mit solchen Fehlern kannst du Marcel im Moment nicht bezwingen.»

Wie recht er hat. Nach dem ersten Lauf belegte Hirscher Rang 3, mit 39 Hundertsteln Rückstand auf den Führenden Marco Schwarz und 5 auf Henrik Kristoffersen. Worauf er im Interview mit ORF meinte: «Ich war ein bisschen träge, nicht so spritzig. Aber das passt schon.» In der Reprise fährt er tatsächlich Laufbestzeit – trotz Schneeregen.

Das spricht für Rennleiter Hans Pieren, der mit seinem Team eine tadellose Piste präparierte. Und das spricht noch viel mehr für Hirscher, der im zweiten Lauf immer eine Schippe drauflegen kann. Und so verlässt der Dominator Adelboden einmal mehr mit zwei Kuhglocken im Gepäck, der Auszeichnung für die besten fünf Fahrer.

Vor elf Jahren hat er hier seinen ersten Top-Ten-Platz erreicht. «Von da an begann eine riesige Erfolgsgeschichte», sagt er. Und fügt dann ganz nüchtern hinzu: «Aber mittlerweile bin ich in der glücklichen Rolle, dass ich fast mit jedem Ort eine erfolgreiche Geschichte verbinde.»

Berner Zeitung

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