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Suter gute Vierte – Vonn gelingt Revanche

In St. Moritz haben sich die Schweizer Hoffnungen auf einen Podestplatz auch im Super-G knapp nicht erfüllt. Fabienne Suter rettete ihr Team als Vierte. Lindsey Vonn und Tina Maze lieferten sich derweil ein packendes Duell.

Gratulantin: Siegerin Lindsey Vonn wird von ihrer Landsfrau Laurenne Ross beglückwünscht.
Gratulantin: Siegerin Lindsey Vonn wird von ihrer Landsfrau Laurenne Ross beglückwünscht.
Keystone

Für Tina Maze war alles angerichtet gewesen. Durch ihre souveräne Vorstellung in der Super-Kombination vom Freitag avancierte sie definitiv zur Kron-Favoritin für den Super-G – umso mehr, weil am Samstag der Kurssetzer Livio Magoni hiess. Der Italiener gilt in ihrem privaten «Team to aMaze» hinter ihrem Lebensgefährten Andrea Massi als der wichtigste Betreuer. Die slowenische Fahrerin hatte vor diesem Wochenende angekündigt, sie peile in St. Moritz in allen drei Disziplinen Rang 1 an. Ein solcher Hattrick war zuletzt Lindsey Vonn in Lake Louise gelungen.

Der Super-G stand bei Maze speziell im Fokus, weil sie nur in dieser Sparte im Weltcup noch nie gewonnen hat. Ihr hatte die Aufnahme in den erlauchten Kreis jener Athletinnen gewinkt, die in allen fünf aktuellen Disziplinen mindestens einen Weltcup-Sieg auf dem Konto haben. Dem exklusiven Club gehören bei den Frauen bisher Vonn, Anja Pärson, Janica Kostelic, Pernilla Wiberg und Petra Kronberger an.

Maze war drauf und dran, die Lücke im Palmares zu schliessen. Mit deutlicher Bestzeit übernahm sie die Führung im Zwischenklassement. Doch es folgte noch Vonn. Die Amerikanerin war um 37 Hundertstel schneller und vermieste Maze so den Eintrag in die Geschichtsbücher. Vonn revanchierte sich erfolgreich für ihr Out in der Super-Kombination. Im Gesamtweltcup hat sie den Rücktand auf Maze mit ihrem 57. Weltcup-Sieg wieder ein wenig verkleinern können. Die Differenz beträgt 167 Punkte. Mazes Vorteil ist, dass sie sich vielseitiger und konstanter präsentiert.

Zicken-Krieg der Alpha-Tiere

Die beiden Top-Athletinnen dürften in dieser Saison noch so manchen Zweikampf ausfechten. Für Zündstoff ist jedenfalls gesorgt. Denn als Vonn nach ihrer Zieldurchfahrt im Super-G ihrer Freude freien Lauf liess, wollte man im Lager ihrer Rivalin gehört haben, dass sie während ihres emotionalen Ausbruchs negativ über Maze geurteilt habe. Die Slowenin und ihr Staff waren in höchstem Masse irritiert. Sie forderten offenbar von Vonn eine Entschuldigung. Das US-Girl stritt die Vorwürfe ab. Sie begründete ihre Eruption damit, dass halt im Ziel sehr viel Druck von ihr abgefallen sei. Es würde ihr aber nie in den Sinn kommen, sich unmittelbar nach dem Rennen über eine Konkurrentin abfällig zu äussern. Sie könne sich nicht für etwas entschuldigen, was sie nicht begangen habe. Und sie habe grössten Respekt vor Maze und deren Leistungen zu Beginn dieser Saison. Dennoch ist ein weiterer Zicken-Krieg der beiden Alpha-Tiere nicht auszuschliessen. Trotz des Ärgers über Vonns Verhalten zeigte sich Maze mit Platz 2 befriedigt. Wenn man sich so weit vorne klassieren könne, dürfe man nicht jammern.

Gut mit Innenski-Fehler out

Die Schweizer Super-G-Bilanz muss als mässig abgetan werden. Von den acht Gestarteten schafften es nur gerade zwei in die Punkte. Fabienne Suter verpasste das Podest mit 26 Hundertsteln Rückstand auf Julia Mancuso (USA). Dominique Gisin wurde Elfte. Lara Gut konnte nach Platz 5 in der Super-Kombi nicht nachdoppeln. Nach nervösem Start geriet sie aus dem Gleichgewicht und schied nach einem Innenski-Fehler aus. Gut wirkte geknickt, sie trug das Out jedoch mit Fassung: «Es gibt Schlimmeres im Leben.» Die Tessinerin hatte einst in einem Super-G in St. Moritz ihren ersten Weltcup-Sieg realisiert.

Fränzi Aufdenblatten kam ebenfalls nicht ins Ziel. Andrea Dettling (35.), Nadja Kamer (37.), Marianne Kaufmann-Abderhalden (40.) und Mirena Küng (48.) handelten sich beträchtliche Rückstände ein. Gefahren wurde auf verkürzter Strecke. Der Start war wegen düsteren Wetterprognosen nach unten verlegt worden. Diffuses Licht und ein tückischer Wind erschwerten die Aufgabe zusätzlich. Mit den Bedingungen kamen mitunter auch die Österreicherinnen nicht zurecht. Stefanie Köhle war als Achte noch die Stärkste ihrer Equipe.

Suter im Fahrplan – Gisin mit Sorgen

Fabienne Suter war zweifellos die einzige Gewinnerin im Swiss-Ski-Team. Wie Kaufmann-Abderhalden, die in Lake Louise Abfahrts-Dritte geworden war, bewies sie, dass es möglich ist, sich schon kurz nach einer schweren Knie-Verletzung der Spitze wieder anzunähern. Suters Gesundheit war im vergangenen Winter ausgerechnet in St. Moritz in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Schwyzerin meint zu ihrem befriedigenden Comeback: «Ich hatte mir während der Verletzungspause immer vorgenommen, sofort auf das Podest zurückzukehren. Dass es jetzt knapp nicht gereicht hat, wurmt mich schon ein bisschen. Aber unter dem Strich muss ich sicher zufrieden sein, wie es bisher läuft. Körperlich bin ich sehr weit. Die Reha hat zum Glück super funktioniert.»

Ihre Rückkehr ist umso erstaunlicher, weil sie kürzlich unter ihren Grosseltern einen Todesfall zu verkraften hatte. Im Super-G sei es halt einfach noch schwierig zu spüren, wo sich das Limit befinde. Im Rahmen der Super-Kombination hatte sie in dieser Disziplin das Risiko noch gescheut. Am Freitag hatte sie das Rennfieber nicht gepackt, weil sie aufgrund des Slalom-Verzichts keine Ambitionen hegen durfte.

Dominique Gisin bewegt sich im Speed-Bereich noch nicht auf dem gewünschten Niveau. Die Engelbergerin, die einen Teil ihrer Jugend im Engadin verbracht hat, ist in den schnellen Disziplinen auf der Suche nach der absoluten Überzeugung. «In meinen Speed-Fahrten passt aktuell nicht alles zusammen. Es gibt immer mal einen Abschnitt, auf dem ich zu viel Zeit liegen lasse.» Im Super-G verlor sie entscheidendes Terrain im obersten Streckenteil. «Bei aggressiven Schneeverhältnissen, wie sie hier in St. Moritz vorherrschen, tue ich mich schwer.»

Resultate:

St. Moritz (Sz). Weltcup-Super-G der Frauen: 1. Lindsey Vonn (USA) 1:02,71. 2. Tina Maze (Sln) 0,37 zurück. 3. Julia Mancuso (USA) 1,01. 4. Fabienne Suter (Sz) 1,27. 5. Maria Höfl-Riesch (De) 1,31. 6. Viktoria Rebensburg (De) 1,45. 7. Tessa Worley (Fr) 1,64. 8. Stefanie Köhle (Ö) 1,72. 9. Elena Curtoni (It) 1,77. 10. Regina Sterz (Ö) 1,81. 11. Dominique Gisin (Sz) 1,89. 235. Andrea Dettling (Sz) 2,87. 37. Nadja Kamer (Sz) 2,92. 40. Marianne Kaufmann-Abderhalden (Sz) 3,23. 48. Mirena Küng (Sz) 4,09.

Ausgeschieden: Fränzi Aufdenblatten (Sz), Lara Gut (Sz), Anna Fenninger (Ö).

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