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Weltcupfinal abgesagt – Kugeln für Feuz und Suter

Die Schweizer profitieren vom vorzeitigen Saisonende. Aber es sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gesamtweltcup Männer: noch offen.Zwischenstand:1. Aleksander Aamodt Kilde, 1202 Punkte.2. Alexis Pinturault, 1148 Punkte.3. Henrik Kristoffersen, 1041 Punkte.
Gesamtweltcup Männer: noch offen.Zwischenstand:1. Aleksander Aamodt Kilde, 1202 Punkte.2. Alexis Pinturault, 1148 Punkte.3. Henrik Kristoffersen, 1041 Punkte.
APA/Georg Hochmuth
Gesamtweltcup Frauen: noch offen.Zwischenstand:1. Federica Brignone, 1378 Punkte.2. Mikaela Shiffrin, 1225 Punkte.3. Petra Vlhova, 1189 Punkte.
Gesamtweltcup Frauen: noch offen.Zwischenstand:1. Federica Brignone, 1378 Punkte.2. Mikaela Shiffrin, 1225 Punkte.3. Petra Vlhova, 1189 Punkte.
EPA/Andrea Solero
Parallelrennen Frauen: noch offen.Zwischenstand:1. Petra Vlhova, 113 Punkte.2. Clara Direz, 100 Punkte.3. Federica Brignone, 90 Punkte.
Parallelrennen Frauen: noch offen.Zwischenstand:1. Petra Vlhova, 113 Punkte.2. Clara Direz, 100 Punkte.3. Federica Brignone, 90 Punkte.
APA/Georg Hochmuth
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Sie waren schon sehr flexibel in dieser Saison, die Orte, die gerne Skirennen austragen. Meist lags am Wetter: Für die Rennen in China sprang Saalbach ein, Crans-Montana nahm spontan eine zusätzliche Abfahrt ins Programm, Bormio ebenso. Auch für Val-d’Isère gab es einen Ersatz, und als in Hinterstoder an einem Freitag kein Riesenslalom durchgeführt werden konnte, fand er halt am Montag darauf statt.

Jetzt aber nützt alle Flexibilität nichts mehr. Wie der italienische Verband Fisi am Freitag mitteilt, ist der Weltcupfinal von Cortina (18. bis 22. März) wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Dies sei das Ergebnis einer Krisensitzung des Councils der FIS. Der Weltverband will die Entscheidung erst am Samstagmorgen verkünden.

Es war zu erwarten, und auch wenn der Verband bei der Durchführung geblieben wäre, wären die Rennen ohne Zuschauer ausgetragen worden. So wurde das in Italien bestimmt. Nun entfallen bei den Frauen und den Männern je vier Rennen, dazu der Teamwettbewerb. Damit endet die Saison nächste Woche – für die Männer mit den Rennen in Kranjska Gora, für die Frauen mit jenen in Are. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Entscheid.

Gab es das schon einmal?

Kurz und knapp: Nein, das gab es noch nie in der Geschichte des Weltcups. Die Finals, bei denen die Männer und Frauen in fast allen Disziplinen um die letzten Punkte kämpfen, finden seit 1993 statt. Meist konnten sie wie geplant durchgeführt werden. In der Lenzerheide kam es 2011 und 2013 zu Absagen und Abbrüchen einzelner Rennen, da machte das Wetter nicht mit. Ausserdem wurden in Bormio (2008), Sestriere (2004) und Are (2001) einzelne Rennen gestrichen.

Was passiert mit den Rennen in Are und Kranjska Gora?

Der Entscheid betrifft nur das grosse Finale von Cortina. In Are tragen die Frauen nächstes Wochenende einen Slalom, einen Riesenslalom und ein Parallelrennen aus. Eine Absage ist unwahrscheinlich, einige Athleten sind bereits nach Schweden gereist, um sich vorzubereiten. Allerdings ist das Coronavirus auch in Skandinavien angekommen, Schweden zählt bereits über 100 Infizierte.

Düster sieht es für Kranjska Gora aus. Die Slowenen sollen am kommenden Wochenende ebenfalls noch Rennen in den technischen Disziplinen austragen. Der italienische Norden hat mit dem Virus stark zu kämpfen, Kranjska Gora liegt nur wenige Kilometer weg von der Grenze zu Italien. Gut möglich also, dass eine weitere Absage folgt. Und falls nicht, werden die Rennen ohne Zuschauer vonstatten gehen.

Was bedeutet das für die Schweizer und Schweizerinnen?

Beat Feuz gewinnt die kleine Kristallkugel als bester Abfahrer. Das war schon vor der Absage so gut wie sicher, er hätte in zwei ausstehenden Rennen nur sieben Punkte gebraucht, um den Hattrick zu sichern. Zum dritten Mal in Folge holt er diese Auszeichnung. Mit der Absage Cortinas steht nur noch die Abfahrt vom Samstag in Kvitfjell auf dem Programm.

Hattrick: Beat Feuz ist zum dritten Mal in Folge der beste Abfahrer des Winters. (Bild: Keystone)
Hattrick: Beat Feuz ist zum dritten Mal in Folge der beste Abfahrer des Winters. (Bild: Keystone)

Bei den Männern sind die anderen Entscheidungen noch offen. Mauro Caviezel führt die Wertung im Super-G an, kann aber in Kvitfjell noch von vier Konkurrenten überholt werden. Und Daniel Yule kämpft im Slalom nach wie vor um die kleine Kristallkugel, liegt nun bei nur noch einem ausstehenden Rennen 57 Punkte hinter Henrik Kristoffersen.

Mit der Absage wurde dafür die Super-G-Wertung der Frauen entschieden. In Are werden nur die technischen Disziplinen gefahren. Damit hat Corinne Suter das Speed-Double schon auf sicher. Sie liegt vor Cortina 19 Punkte vor der Italienerin Federica Brignone. In der Abfahrt hätte Suter ohnehin niemand mehr einholen können.

Wie sieht es bei den übrigen Entscheidungen aus?

Die Absage entscheidet neben dem Super-G der Frauen und der Abfahrt der Männer keine weitere Disziplin vorzeitig. Allerdings haben die hartnäckigsten Verfolger der Führenden nur noch eine letzte Chance, um diese zu verdrängen.

Und auch im Gesamtweltcup ist noch nicht alles entschieden. Bei den Männern kämpfen Aleksander Aamodt Kilde, Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault um die höchste Auszeichnung. Der Vorteil liegt da wohl bei Pinturault. Der Franzose führt und ist von allen Fahrern der kompletteste. Doch auch Kilde hat schon bewiesen, dass er Riesenslalom kann.

Im Champagnerregen: Die Ausgangslage von Alexis Pinturault (links) und Aleksander Kilde ist besser als jene von Kristoffersen. (Bild: Keystone)
Im Champagnerregen: Die Ausgangslage von Alexis Pinturault (links) und Aleksander Kilde ist besser als jene von Kristoffersen. (Bild: Keystone)

Auch bei den Frauen sind es noch drei Fahrerinnen: Petra Vlhova, Mikaela Shiffrin und Federica Brignone. Die Italienerin hat einen beachtlichen Vorsprung von 153 Punkten auf Shiffrin, Vlhova liegt weitere 36 zurück. Es müsste in den drei verbleibenden Rennen einiges schieflaufen, damit sie die Kugel noch hergibt.

Wie ist der Stand in der Nationenwertung?

1031 Punkte: So gross ist der Vorsprung der Schweizer auf den ewigen Konkurrenten Österreich. Das wäre auch mit der Ausführung des Weltcup-Finals ein kaum einzuholender Rückstand. Man darf sich also sicher sein, nun einfach ein wenig früher: Die Schweiz holt erstmals seit 31 Jahren die Nationenwertung.

Leisteten mit zwei Doppelsiegen in Crans-Montana einen immensen Beitrag zum Gewinn der Nationenwertung: Lara Gut-Behrami (rechts) und Corinne Suter. (Bild: Keystone)
Leisteten mit zwei Doppelsiegen in Crans-Montana einen immensen Beitrag zum Gewinn der Nationenwertung: Lara Gut-Behrami (rechts) und Corinne Suter. (Bild: Keystone)

Welche Disziplin litt in diesem Winter am meisten?

Vor dem Weltcupfinal ist alles ziemlich fair verteilt. Die Frauen bestreiten keine Speedrennen mehr, ansonsten sollte alles wie geplant durchgeführt werden. Im Lauf der Saison wurden etliche Rennen abgesagt, für die meisten fand sich ein Ersatz. Einzig beim Rennwochenende von Ofterschwang fand sich kein neuer Ausrichter. Damit sind Slalom- und Riesenslalom-Fahrerinnen die Leidtragenden. Von jeweils neun Rennen wurden zwei ersatzlos gestrichen. In der Kombi war es gar die Hälfte, nur zwei von vier Rennen fanden statt.

Wer sind die grössten Verlierer?

Federica Brignone nach einer solchen Saison als Verliererin zu bezeichnen, ist komplett falsch. Allerdings entgeht ihr durch die Absage die Chance auf eine weitere Kristallkugel, im Super-G hätte nur sie Corinne Suter noch gefährlich werden können. Es dürfte Brignone aber nicht allzu wichtig sein, schliesslich geht es bei ihr um den Gesamtweltcup. Und so dürfte Mikaela Shiffrin zur grossen Verliererin werden, weil ihre Rückkehr in den Weltcup – sollte sie denn tatsächlich starten in Are – wohl zu spät erfolgt.

Seltenheit: Mikaela Shiffrin wird die Saison wohl ohne Kristallkugel beenden. (Bild: Keystone)
Seltenheit: Mikaela Shiffrin wird die Saison wohl ohne Kristallkugel beenden. (Bild: Keystone)

Hadern mit dem Entscheid könnte Henrik Kristoffersen. Der Norweger ist im Dreikampf um den Gesamtweltcup eher auf seine stärksten Disziplinen angewiesen als Alexis Pinturault und Aleksander Kilde. Es ist davon auszugehen, dass Kilde im Riesenslalom und Pinturault im Super-G mehr Punkte holen werden als Kristoffersen in den Speedrennen von Kvitfjell. Er wird wohl den Super-G bestreiten, viele Punkte wären aber eine grosse Überraschung.

Gibt es Ausweichmöglichkeiten?

Kaum. Der schwedische Alpin-Direktor Tommy Eliasson erklärte im nationalen TV, Are wäre bereit, mehr Rennen auszutragen. Und mit dem norwegischen Verband (Kvitfjell) sei man in Kontakt. Allerdings sagte er auch: «Wir wurden von der FIS nicht angefragt.» Würde der Verband ernsthaft daran denken, das Finale kurzerhand nach Schweden zu verlegen, wäre das wohl schon passiert. Und es blieben auch noch finanzielle Fragen zu klären.

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