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So hilft die Stadt den Sportvereinen«Bei uns sind Mobbing und verbale Gewalt täglich präsent»

Radikalisierung und Gewalt in Sportvereinen? Genau das will die Stadt Bern verhindern. Deswegen hat sie ein neues Angebot ins Leben gerufen. YB und den SC Bern freuts.

Beispielsweise im Fussballtraining der Junioren sollen Trainer gegen Radikalisierungstendenzen vorgehen können. (Symbolbild)
Beispielsweise im Fussballtraining der Junioren sollen Trainer gegen Radikalisierungstendenzen vorgehen können. (Symbolbild)
Foto: iStock

Was tun, wenn der 15-jährige Sohn im Eishockeytraining gemobbt wird? Die Tochter in der YB-Garderobe ungefragt von Kolleginnen fotografiert wird? Oder wenn nach einem verlorenen Spiel einem Unihockeyaner von seinem Team die Schuld daran gegeben wird? Jetzt will die Stadt Bern in solchen Situationen helfen.

Diese Zwischenfälle können dazu führen, dass sich Jugendliche ausgeschlossen fühlen und ihnen die Chance auf ein Teilhaben an der Gesellschaft verwehrt wird. Im schlimmsten Fall könnte dies zu einer Radikalisierung führen. Dem will die Stadt Bern mit der Kampagne «Bärestarch» entgegenwirken. Diese wurde am Montag in der Postfinance-Arena vorgestellt. Zugegen war auch Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). «In einer Zeit, in der komische Ideen herumgeistern und fixe Werte verloren gehen, ist diese Kampagne umso wichtiger», sagt er. Hätte man sich vor zehn Jahren vorgestellt, dass Schweizer Jugendliche aus dem «gemachten Nest in den Heiligen Krieg» ziehen würden, hätte das niemand geglaubt.

120’000 Franken vom Bund

Während im Schulbetrieb Stellen von Sozialarbeitern an der Tagesordnung sind, sieht es bei Sportvereinen anders aus. 450 Vereine gibt es auf Stadtboden. Gemeinderat Reto Nause ist selber Vater zweier Kinder, die in der Juniorenabteilung des SC Berns mittrainieren. «Gerade in diesem Alter sind Jugendliche empfänglich für Einflüsse von aussen», sagt er. Die Stadt Bern bezeichnet er als Schmelztiegel unterschiedlicher Weltanschauungen. Man müsse frühzeitig erkennen, wenn sich jemand in eine «komische Richtung» entwickle.

Mit diesem Plakat will die Stadt Bern für das Angebot werben.
Mit diesem Plakat will die Stadt Bern für das Angebot werben.
Abbildung: Stadt Bern

Vor drei Jahren genehmigte der Gemeinderat ein Budget für die Fachstelle Radikalisierung und Gewaltprävention, jetzt sprach auch der Bund 120’000 Franken. Auf der Fachstelle, die ans Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz angegliedert ist, sind der Politologe und Islamwissenschaftler Laurent Luks und Sozialarbeiterin Bettina Feddern angestellt. «Wir arbeiten in Netzwerken und wollen den Trainern und Eltern eine Anlaufstelle bieten, wenn sie Fragen haben», sagt Luks. Er relativiert den Kampagnennamen ein wenig: Nicht aus jeder Krise entwickle sich eine Radikalisierung.

Mehr Kontakt als die Lehrer

Von den 450 Sportvereinen hat die Stadt bereits die zwei grössten an Bord: nebst dem BSC Young Boys auch den SC Bern. Man habe zwei Identitäten, diejenige auf dem Eis und die neben dem Eis, erklärt Marc Weber, Managing Director SCB Future. «Eine unserer Regeln verlangt von den Eltern, sich bei uns zu melden, wenn etwas auffallen sollte.» Oder auch wenn etwas vorgefallen sei, ein Todesfall innerhalb der Familie könne zu einem auffälligen Verhalten bei den Kindern und Jugendlichen führen. «Aber das müssen wir zuerst wissen», sagt er.

Eine tragende Rolle haben auch die Trainer und Betreuer: Beim SCB Future trainieren in der Nachwuchsabteilung 200 Kinder mit. Diese werden von rund 80 Personen betreut, präzisiert Weber. «Sie verbringen sieben bis acht Trainings pro Woche mit den Jugendlichen, das ist teilweise mehr als ihre Lehrer.» Dennoch bräuchten die Trainer Experten an ihrer Seite, auch weil sie nicht immer Polizist spielen wollen. Genau diese Hilfe bekommen sie nun bei «Bärestarch».

Die Pubertät

Erste Workshops hat er in Zusammenarbeit mit der städtischen Fachstelle bei den U-15-Betreuern durchgeführt. Ein Thema sei dort beispielsweise die körperliche Veränderung, die bei manchen schneller gehe als bei anderen. «Das könnte zu verbaler Gewalt oder sozialer Ausgrenzung führen», sagt Weber.

Das unterschreibt auch Christian Franke, der technische Leiter des YB-Nachwuchs. «Auch bei uns sind Mobbing und verbale Gewalt täglich präsent, weshalb wir froh sind, Unterstützung von Experten zu bekommen.» Die Kampagne setzt auf Prävention und auf Intervention. «Wir wollen, dass man uns vor der Krise anruft», sagt Laurent Luks von der Fachstelle. Doch er räumt ein: «Öfter kommt auch zuerst die Krise.»

1 Kommentar
    Thomas D.

    Die Eltern sind in der Pflicht. Dort wird vieles versäumt.