Starbucks, go home!

Zürich ist bald ein bisschen weniger cool und weltläufig. Das ist gut so.

Stil, Klasse und Kaffeekultur? Die gibt es anderswo. <nobr>Foto: Nicola Pitaro</nobr>

Stil, Klasse und Kaffeekultur? Die gibt es anderswo. Foto: Nicola Pitaro

Sandro Benini@BeniniSandro

Es gibt erfreuliche gastronomische Nachrichten aus Zürich: Zwei Filialen der US-Kaffeehauskette Starbucks schliessen. Der Korrektheit halber sei hier erwähnt, dass jeder Geschmack zu respektieren ist und alle das Recht haben, die Lokale aufzusuchen, die ihnen behagen. Es hat aber auch jeder das Recht, seine Abneigung gegen eine Marke kundzutun, und genau das soll hier geschehen.

Starbucks ist ein schlagendes Beispiel dafür, dass sich das Coole in sein Gegenteil verkehrt, wenn es allzu angestrengt daherkommt. Schon diese pseudolockere Marotte, einen an der Kasse zu duzen und den Vornamen mit Filzstift auf den «Kaffeebecher to go» zu schreiben. Ausserdem die logische und linguistische, also doppelte Abstrusität, die kleinste Bestellung «tall», die mittlere «grande» (was dasselbe bedeutet) und die grösste «venti» zu nennen. Venti, italienisch für zwanzig oder für die Winde? WTF?

Und dann ist da diese geniesserische Penetranz der Namen auf der Menükarte, «Signature Hot Chocolate», «Latte Macchiato with Coconut», «Nitro Cold Brew». Die obszön hohen Preise, die einem das selbstgefällige Gefühl vermitteln, es sich leisten zu können, nur für eine Marke extra draufzulegen. Und die meist urban-kosmopolitisch-junglässigen, wichtigtuerisch auf dem Laptop herumtöggelnden Gäste, welche die antielitären Ressentiments eines jeden Trump-Anhängers aus dem Rostgürtel oder eines jeden SVP-Wählers aus dem Muotatal plötzlich irgendwie berechtigt erscheinen lassen.

Kein Wunder, ist Starbucks in jenem Land, das bezüglich Stil, Klasse, Eleganz, Gastronomie und Kaffeekultur weltweit führend ist, bis heute eine Randerscheinung. Viva l’Italia!

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