Steiner greift Glarner an, Lehrerin leitet rechtliche Schritte ein

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner unterstützt die von Andreas Glarner angeprangerte Lehrerin dabei, juristisch gegen den SVP-Nationalrat vorzugehen.

Verteidigt die Lehrerin und greift Andreas Glarner an: CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner.

Verteidigt die Lehrerin und greift Andreas Glarner an: CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner.

Pascal Unternährer@tagesanzeiger

In der Bundesverfassung ist sowohl die Schulpflicht als auch die Religionsfreiheit verankert. Dass SVP-Nationalrat Andreas Glarner eine sich korrekt verhaltende Lehrerin im Internet diffamiert, ist «inakzeptabel». Das schreibt die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) heute Mittwoch in einer Mitteilung.

Glarner hatte gestern Nachmittag auf seinem Facebook-Profil die Handynummer einer Stadtzürcher Primarlehrerin publiziert und seine Follower aufgefordert, ihr die Meinung zu sagen. Die Lehrerin hatte Eltern in einem Brief darauf aufmerksam gemacht, dass an Bayram, dem Tag des Fastenbrechens, für muslimische Kinder schulfrei ist. Auch müssten diese dafür keinen Jokertag einsetzen. Diese Regelung gilt seit Jahren an allen Zürcher Schulen und ist in der Volksschulverordnung und im Dispensationsreglement festgehalten.

«Mit diesem Verhalten überschreitet Glarner jegliche Form von politischem Anstand und Fairness und verletzt die persönliche Integrität dieser Lehrperson.»Silvia SteinerZürcher Bildungsdirektorin

Nach dem Aufruf des Aargauer Nationalrats läutete es bei der Lehrerin und bei der betroffenen Schule Sturm. Heute Mittwoch hat sich die Primarlehrerin entschieden, rechtliche Schritte gegen Glarner einzuleiten, wie das Portal «watson» meldet und vom städtischen Schuldepartement bestätigt wird. Welche juristischen Schritte, ist noch unklar. Möglich wäre eine Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung. Klar ist aber, dass die Bildungsdirektion, genauer: das kantonale Volksschulamt die Lehrerin juristisch unterstützen wird.

Grenze überschritten

Die Dispensation von Schülerinnen und Schülern aus religiösen Gründen sei rechtlich klar geregelt, schreibt die Bildungsdirektion in der Mitteilung weiter. Früher waren es in erster Linie die katholischen Kinder, die im reformierten Kanton Zürich an gewissen Feiertagen dispensiert wurden. Oder jüdische Kinder.

Dass Andreas Glarner die Lehrerin im Internet anprangert und darüber hinaus auffordert, passiven Widerstand zu leisten, sei ein Aufruf, das Gesetz zu missachten, so Steiner. «Mit diesem Verhalten überschreitet Glarner jegliche Form von politischem Anstand und Fairness und verletzt die persönliche Integrität dieser Lehrperson.»

Auch Leutenegger bietet Lehrerin Hilfe an

Silvia Steiner lässt keinen Zweifel daran, dass sie das Verhalten Glarners verurteilt, und bekräftigt, die Lehrerin rechtlich zu unterstützen.

Auch Filippo Leutenegger (FDP) sichert der Lehrerin «jedwede Unterstützung» zu. Der Stadtzürcher Schulvorsteher gibt sich in einer Mitteilung «befremdet über das Verhalten» Glarners. Die betroffene Schule komme seit dem Facebook-Post nicht mehr zur Ruhe, schreibt Leutenegger.

«Die Lehrerin hat absolut korrekt gehandelt», lässt er sich zitieren. Der Angriff auf die engagierte Lehrerin sei «nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch unhaltbar». Man könne erwarten, dass sich ein Politiker der Wirkung eines solchen Posts bewusst ist.

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