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Verbot von GrosseventsSternenmarkt abgesagt – und die anderen?

Wegen der neuen Corona-Regeln stehen diverse Grossevents in der Stadt Bern auf der Kippe. Die Veranstalter des Sternenmarkts geben nun auf.

So wird die Kleine Schanze dieses Jahr nicht aussehen: Der Sternenmarkt, der zum dritten Mal durchgeführt worden wäre, ist abgesagt.
So wird die Kleine Schanze dieses Jahr nicht aussehen: Der Sternenmarkt, der zum dritten Mal durchgeführt worden wäre, ist abgesagt.
Foto: Nicole Philipp

Rund 200’000 Personen haben letztes Jahr den fünfwöchigen Sternenmarkt auf der Kleinen Schanze besucht. Sie schlenderten durch den Park, kauften hier was, hielten dort einen Schwatz, und viele trafen sich fürs Abendessen und den obligaten Glühwein oben beim Pavillon. Oder sie kehrten im Gstaader Fondue-Chalet beim Restaurant Milchbar ein.

Den Organisatoren Tom Weingart und Markus Arnold war stets klar, dass sie den Sternenmarkt wegen der Corona-Pandemie nicht wie bisher würden durchführen können. «Wir haben ein Konzept unter neuem Namen und mit einem massiv reduzierten Angebot und einem aufwendigen Schutzkonzept für Gäste und Mitarbeiter eingereicht», sagt Weingart. Den Einlass jedes Besuchenden wollten sie kontrollieren und Personalien aufnehmen. Das Essen hätte man über eine App auf dem Smartphone bestellt, um sich nicht in der Warteschlange unnötigen Risiken auszusetzen.

Doch nach den neuesten Entwicklungen entschieden sie sich für eine Absage: «Die Lage ist zu ungewiss, und wir haben null Planungssicherheit. Was ist, wenn wir aufbauen und plötzlich nicht mehr öffnen dürfen?» Allein die Installation der Verkaufsstände hätte mehrere Wochen gedauert.

Mehr Raum auf dem Waisenhausplatz

Das heisst jedoch nicht, dass es in der Stadt Bern keine Märkte geben wird: «Diese sind gemäss Covid-Verordnung des Bundes weiterhin zulässig», sagt Reto Nause, CVP-Gemeinderat und Berns Sicherheitsdirektor. Die aktuellen Schutzkonzepte der Märkte auf dem Waisenhaus- und Münsterplatz sehen separate Zu- und Ausgänge sowie eine Maskenpflicht vor. Der Weihnachtsmärit auf dem Waisenhausplatz soll zudem mehr Platz erhalten, sodass der Glühweinstand Platzhirsch beim Oppenheim-Brunnen zu stehen kommt.

Der traditionelle und stets gut besuchte Glühweinstand muss jedoch arg redimensioniert werden. Nur Sitzplätze sind vorgesehen. «Eine Bar, vor der sich über hundert Leute ansammeln, wird es dieses Jahr nicht geben», so Nause. Dies sei schon lange klar gewesen.

Der doppelstöckige Glühweinstand Platzhirsch des Berner Weihnachtsmärits wird heuer beim Oppenheim-Brunnen aufgebaut. Stehplätze wird es keine geben.
Der doppelstöckige Glühweinstand Platzhirsch des Berner Weihnachtsmärits wird heuer beim Oppenheim-Brunnen aufgebaut. Stehplätze wird es keine geben.
Foto: Susanne Keller

Olivier Jaggy, Inhaber der Platzhirsch-Bar, weiss sich zu helfen: «Wir werden die Gäste an Hochtischen bedienen.» Die Anzahl der Sitzplätze sei auf 200 in zwei Sektoren beschränkt und alle befänden sich an der frischen Luft. Auch bei den Marktständen dünnt er aus: Die mittlere Reihe werde man nicht aufstellen, um zu gewährleisten, dass die Leute genug Platz zum Schlendern hätten. Und der 48-jährige Jaggy rechnet damit, dass viele Besucher freiwillig eine Schutzmaske tragen werden. Traditionell eröffnet er den Markt mit einem «Fondue fürs Volk». Das lässt er heuer bleiben und spendet den Betrag der Notschlafstelle Sleeper. Schlechte Neuigkeiten hat er bei den Arbeitsplätzen: Er rechnet damit, dass er gerade mal für die Hälfte Personal Arbeit haben wird.

Konsternierter Nause

Ein Haufen Fragezeichen kommen für die Veranstalter seit Sonntagnachmittag hinzu. Kaum war die Medienkonferenz des Bundesrates zu den neuen Corona-Schutzmassnahmen vorbei, preschte der Kanton Bern vor und verkündete: Ab heute Montag gilt im Kanton ein Verbot von Veranstaltungen ab 1000 Personen. Namentlich die grossen Sportvereine äusserten umgehend ihren Unmut. Doch nicht nur sie wurden von dem Beschluss überrumpelt.

«Wir hängen im luftleeren Raum.»

Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause

«Ich bin überrascht und leicht konsterniert», sagt Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause am Montagmittag auf Anfrage. Wie die Sportvereine bemängelt er, dass die Stadt zu keinem Zeitpunkt darüber vorinformiert worden sei. «Nun hängen wir etwas im luftleeren Raum», meint er und kann dabei den Ärger kaum kaschieren.

Eisbahn-Betreiber warten noch

Neben den Märkten gehen in Bern in den Wintermonaten weitere Veranstaltungen über die Bühne, bei denen man nun nochmals über die Bücher muss, obwohl deren Schutzkonzepte laut Nause den aktuellen Beschlüssen des Bundesrates entsprechen würden. Bezüglich dem seit Ende letzter Woche laufenden Rendez-vous Bundesplatz glaubt Nause, dass das beliebte Lichtspiel nicht von den neuerlichen Einschränkungen tangiert sei. Denn pro Vorstellung sind nicht mehr als 900 Zuschauer zugelassen. Diese teilen sich in drei Sektoren auf. Zudem herrscht eine Masken- und Registrierpflicht. Das strikte Schutzkonzept bewähre sich, so Nause.

Selbst auf den Schlittschuhen herrscht in diesem Jahr Maskenpflicht.
Selbst auf den Schlittschuhen herrscht in diesem Jahr Maskenpflicht.
Foto: Susanne Keller

Eine weitere Veranstaltung ist die Kunsteisbahn auf dem Bundesplatz, die ab Mitte Dezember öffnen soll. «Ein Verbot der Eisbahn würde sämtliche Eisflächen betreffen», meint Nause. Bei dem dazugehörigen Festzelt würden laut dem Sicherheitsdirektor die gleichen Regeln gelten wie in allen Restaurants. Mario Imhof, einer der drei Veranstalter, will Mitte November definitiv entscheiden. «Wir möchten den Event auch dieses Jahr wieder durchführen, auch wenn wir sicher nicht 9000 Fondues verkaufen können und es weniger lustig wird», sagt Imhof. Im Festzelt sind Schutzwände zwischen den Tischen geplant, Stehtische draussen wird es keine geben. Vieles sei noch unklar, aber aufgeben will Imhof noch nicht.

«Die Stadt will diese Anlässe durchführen», bekräftigt Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause zum Schluss. Er empfindet die Schutzkonzepte der Veranstalter als ausreichend. Die Voraussetzungen bei den Weihnachtsmärkten etwa seien anders als beim Zibelemärit. Diesen hatte die Stadt bereits im August abgesagt. «Für den Zibelemärit hätte es aufgrund der fehlenden Ein- und Ausgangssituation kein taugliches Schutzkonzept gegeben. Auch hätten wir auf dem ganzen Gebiet der Innenstadt eine Maskenpflicht ausrufen müssen», meint Nause.