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Die ganz schön hässlichen Topmodels

Keine Modelmasse? Kein Problem! Dank der «Ugly Model Agency» schaffen es auch Durchschnittsgesichter auf Titelseiten von Hochglanzmagazinen.

Uncle Sam als Frau: Model Ginger Rich.
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UGLY NY
Hässlicher Hip-Hopper: Terrence Exodus.
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UGLY NY
Zum Schreien, dieses Oberteil: Sheila Mart.
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UGLY NY
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Sie sehen nicht aus wie Heidi Klum oder Gisèle Bündchen, sondern bestenfalls wie die Putzfrau von nebenan. Und doch verdienen einzelne von ihnen fast so gut wie ihre Top-Model-Kolleginnen: die Rede ist von den Models der «Ugly Model Agency».

Die Model-Agentur der etwas anderen Art hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Makeln zu vermarkten. Ob krumme Nase, schiefe Zähne oder riesige Ohren, was normalerweise als hässlich gilt, ist «Ugly Models» gerade gut genug.

«Normal sells»

1969 gründeten zwei Modefotografen die Agentur in London, weil sie sich einig waren, dass es in der Branche an unkonventionellen Looks mangle. Heute hat die Firma über 1000 Models unter Vertrag – dicke, tätowierte, bärtige, vernarbte, ganz normale Menschen halt.

Und das Geschäft mit den nicht ganz so hübschen Normalos läuft ausgezeichnet. Die Nachfrage nach Makel-Models hat in den letzten fünf Jahren stark zugenommen. Immer mehr Kunden verzichten auf schöne Gesichter in ihren Werbespots und Anzeigen, sie wollen authentische, glaubwürdige Menschen wie du und ich. Firmen wie Dove, Apple oder Migros haben bewusst – und mit Erfolg – auf 0815-Models gesetzt.

«Ein Querschnitt von Amerika»

Die meisten «Ugly Models» arbeiten als Freelancer und haben neben dem Modeln normale Jobs. In der Regel verdienen sie zwischen 200 und 700 Dollar pro Auftrag. Doch offenbar kann es vorkommen, dass die meistgebuchten unter ihnen auch mal einen Tageslohn von 75'000 Dollar einsacken.

«Es ist ein einziger Schmelztiegel», sagt Simon Rogers, der die US-Dependance der Agentur in New York im Juni 2007 gründete und seitdem leitet, «wir zeigen einen ehrlichen Querschnitt von dem, was Amerika ist.»

Menschen von der Strasse

Die Models «ugly», also hässlich, zu nennen, ist reines Kalkül: Es lockt schlicht mehr Kunden an, als wenn von «normalen» Models die Rede wäre. «Ich halte niemanden für hässlich», sagt denn auch Simon Rogers, «Hasenzähne hin oder her – das macht jemanden doch gerade einzigartig.»

Rogers findet seine Models auf den Strassen New Yorks: «Entschuldigen Sie, ich habe eine Model Agentur und ich denke, Sie würden sich gut dafür eignen: Sie haben etwas Einzigartiges», pflegt er potenzielle Kandidaten anzusprechen.

Ein übergewichtiger Hawaianer, der von einem Angebot Rogers überrascht wurde, lachte diesem zuerst ins Gesicht – wenig später fand er sich jedoch auf der Titelseite eines Magazins wieder. Es kann eben doch jeder Model sein – oder um es mit den Worten eines Scouts der Agentur zu sagen: «Du bist vielleicht nicht Gisèle, aber du kannst trotzdem glitzern.»

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