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Kandidaten können nicht einreisenSuche nach neuer Clariant-Chefin verzögert sich wegen Corona

Der Spezialchemiekonzern verschiebt seine CEO-Kür auf den Herbst. Auch der Abbau von 600 Jobs ist wegen der Krise ausgesetzt.

Clariant-Präsident Hariolf Kottmann führt wegen der Pandemie länger als geplant auch operativ.
Clariant-Präsident Hariolf Kottmann führt wegen der Pandemie länger als geplant auch operativ.
Foto: Pino Covino

Das Virus bremst das Wirtschaftsleben – bis hin zur Personalsuche. So hat der Spezialchemiekonzern Clariant seine schon weit gediehene Suche nach einer neuen Chefin oder einem neuen Chef sistiert. «Grundsätzlich hat sich an unserem Verfahren nichts geändert, das einzige Problem ist, dass die Kandidaten nicht einreisen können», sagt Verwaltungsratspräsident Hariolf Kottmann in einem Telefongespräch mit dieser Zeitung. «Ich möchte alle Kandidatinnen und Kandidaten in einem 2, 3 Stunden langen, persönlichen Gespräch kennen lernen.»

Das Problem: Auf der Shortlist gibt es Männer und Frauen auch aus dem Ausland, die momentan jedoch nicht in die Schweiz fliegen können. Auch einen Tag im externen Assessment-Center können sie nicht absolvieren.

Clariant wollte den oder die neue CEO im Frühsommer vorstellen, nachdem Ernesto Occhiello vergangenen Juli überraschend abgetreten war. Im Moment wird der Konzern von Kottmann auch operativ geleitet.

Stellenabbau angehalten

Kottmann sistiert jedoch nicht nur die Nachfolgesuche, sondern auch den geplanten Abbau von 600 Stellen weltweit. «Wir haben vor drei Wochen beschlossen, ihn anzuhalten, weil wir nicht Menschen in dieser Krisenphase entlassen wollen.» In der Schweiz ist der Abbau von 20 der hier noch angesiedelten insgesamt 525 Mitarbeitenden vorgesehen. Insgesamt hat der Konzern derzeit rund 17’000 Angestellte. Im September solle neu über die Lage entschieden werden.

Ebenso verschoben sind Gespräche für den geplanten Verkauf des Pigmente-Geschäftes. «Wir hatten erste Treffen für Mai geplant», sagt Kottmann. Vermutlich werde es nun August, September – unter Vorbehalt des weiteren Pandemieverlaufs.

Fabriken im Lockdown

Von der Corona-Krise und dem Lockdown ist natürlich auch das Geschäft von Clariant betroffen. Im ersten Quartal sank der Umsatz um 12 Prozent auf 1,02 Milliarden Franken. Die Hälfte des Rückgangs geht jedoch auf Währungseffekte zurück. Dennoch schaffte es der Konzern, seine operative Marge erstaunlich stabil zu halten, sie sank lediglich um 0,6 Prozentpunkte auf 16 Prozent.

Im zweiten und womöglich auch im dritten Quartal dürften die Bremsspuren dann deutlicher werden. Clariants Fabriken in Indien sind noch immer im Lockdown, und auch in Spanien und der Schweiz musste der Konzern teilweise seine Produktion wegen der Pandemie schliessen. Kottmann erwartet jedoch auch einen Nachfrageeinbruch. «In Nordamerika etwa wird sich die Nachfrage signifikant verlangsamen, das wird jede Branche irgendwann spüren.» Clariant stellt Chemikalien für die Öl- und Minenindustrie, die Autobranche wie auch für Konsumentenprodukte her.