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Schweizer JugendbuchpreisSunil Mann steht auf der Shortlist

Der Oberländer Sunil Mann ist mit seinem Buch «Totsch» über einen schwulen Jugendlichen für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert.

Sunil Mann ist einer der fünf Nominierten für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis.
Sunil Mann ist einer der fünf Nominierten für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis.
Dominique Meienberg

Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem für seine Zürich-Krimis bekannt. Im Februar hat Sunil Mann (47) mit «Der Schwur» bereits seinen achten veröffentlicht. Dabei stammt der Zürich-Kenner ursprünglich aus dem Berner Oberland. Er ist in Zweisimmen als Sohn indischer Einwanderer geboren. In Spiez wuchs er bei Pflegeeltern auf, und in Interlaken besuchte er das Gymnasium. Heute lebt er in Aarau.

«Totsch» ist sein erster Jugendroman

Was deutlich weniger Leserinnen und Leser wissen: Sunil Mann kann nicht nur Erwachsene begeistern, sondern auch Jugendliche. Im vergangenen September ist sein erster Jugendroman «Totsch» erschienen – für Buben und Mädchen ab 12 Jahren. Er handelt von Olaf, der übergewichtig ist und nicht allzu viele Freunde hat. Dafür hat er eine grosse Klappe, die ihn immer wieder mal in Schwierigkeiten bringt und ihm das Gefühl gibt, ein «Totsch» zu sein. Olaf schwärmt für Jannick. Aber wie wird der gut aussehende Knabe auf die Annäherungsversuche reagieren?

Das Buch hat es auf die Shortlist des Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreises geschafft, der dieses Jahr zum ersten Mal verliehen wird, und zwar am 23. Mai im Rahmen der Solothurner Literaturtage. Getragen wird die mit 10’000 Franken dotierte Auszeichnung vom Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband, den Solothurner Literaturtagen und dem Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien. Das Ziel sei es, jährlich «ein ästhetisch herausragendes, inhaltlich innovatives Werk» zu würdigen, heisst es in der Medienmitteilung.

Schwierige Geschichte toll erzählt

Dass «Totsch» nominiert wurde, überrascht nicht: Das Buch ist in einfachen, kurzen Sätzen geschrieben, die auch Jugendliche zum Lesen animieren sollen, die nicht so viel Übung darin haben. Auf solche Werke hat sich der herausgebende Da-bux-Verlag spezialisiert. Auch inhaltlich überzeugt das Buch. Sunil Mann behandelt das schwierige Thema Coming-out, ohne irgendwelche Klischees zu bedienen. Olaf entspricht nicht der typischen, attraktiven Hauptfigur. Aber er weiss, wer er ist, und hat ein gewisses Selbstbewusstsein. So ist er eine Identifikationsfigur, die Mut macht.

Ebenfalls für den Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert sind Laëtitia Bourget und Emmanuelle Houdart für ihr Bilderbuch «Grandir», Francesca Sanna für «Ich und meine Angst», Roberto Piumini und Antoine Déprez für «ll tavolino magico» und Nando von Arb für seine Graphic Novel «3 Väter».