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Video und Bilder: Unruhen in Ägypten

Tausende Ägypter demonstrieren gegen Präsident Mubarak. Im Land herrscht Chaos. Die Zentrale der Regierungspartei wurde in Brand gesetzt. Die Armee zeigt sich zurückhaltend.

Trotz der bereits geltenden nächtlichen Ausgangssperre in Ägyptens Hauptstadt Kairo haben sich am Freitagabend weiterhin tausende Menschen auf den Strassen aufgehalten. Wie ein AFP-Journalist vor Ort beobachtete, zeigten mehrere Soldaten den Demonstranten das Friedenszeichen, diese wiederum reagierten mit Applaus. Die Armee war auch mit Panzern in Kairo unterwegs. Viele Demonstranten kletterten auf die Militärfahrzeuge, jedoch ohne, dass es zu Zwischenfällen kam. «Wir wissen noch nicht, auf welcher Seite die Armee steht», sagte ein junger Demonstrant, der mit tausenden Menschen durch den Bezirk Dokki marschierte. «Aber wir alle respektieren die Armee.»

Demonstranten haben am Freitagabend versucht, das Aussenministerium und das Gebäude des Staatsfernsehens zu stürmen. Selbst das Hauptquartier der Regierungspartei in Kairo, in der Nähe des Ägyptischen Museums, steht in Flammen. Hunderte plündern den brennenden Gebäudekomplex der Staatspartei, holen Fernsehgeräte und Ventilatoren heraus. Der Zorn ist übergekocht, die Verbitterung und die tiefe Enttäuschung über das korrupte Regime, das sich nicht um die bittere Armut der halben Bevölkerung kümmert. Niemand kümmert sich um die landesweit verhängte Ausgangssperre. Die Proteste erfassen am Freitag fast die Hälfte der Provinzen des Landes. Ein Demonstrant wird getötet. Damit sind in vier Tagen des Protests mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt oder festgenommen.

Präsident Hosni Mubarak hat sich bislang noch nicht zu den Massenprotesten geäussert, obwohl die Regierung eine Rede angekündigt hatte. Der 82-jährige ist seit den ersten Demonstrationen am vergangenen Dienstag nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten. Damals gingen in Kairo und anderen Städten Zehntausende gegen den Präsidenten auf die Strasse.

Polizisten wechseln die Seite

«Ich fasse es nicht, dass unsere eigene Polizei, unsere eigene Regierung so auf uns draufhauen», sagt der 26-jährige Ahmad Salah, der in Kairo demonstriert. «Ich bin seit Stunden hier, werde mit Tränengas eingenebelt und gehe weiter, und sie werden uns weiter einnebeln, und ich werde weiter gehen. Das ist eine feige Regierung, sie muss stürzen. Wir werden dafür sorgen.»

Internet und Mobilfunk sind seit der vorigen Nacht weitgehend blockiert. Das hat Zehntausende nicht hindern können, motiviert vom Umsturz in Tunesien auf die Strasse zu gehen. «Es ist Zeit, dass dieser Staat sich ändert», sagt der 22-jährige Amal Ahmed. «Ich will ein besseres Leben für mich und meine Familie haben, wenn ich heirate.»

Al-Baradei unter Hausarrest

Friedensnobelpreisträger Mohammed Al-Baradei, der erst am Vorabend von einem Auslandsaufenthalt zurückkehrt war und sich bereit erklärt hatte, die Opposition zu einem Regierungswechsel zu führen, wird bei der Demonstration nach dem Freitagsgebet von Wasserwerfern durchnässt. Klatschnass sitzt er in einer Moschee fest, die von der Polizei mit Tränengas umzingelt wird. Als er nach Hause zurückkehrt, steht draussen die Polizei und stellt ihn unter Hausarrest.

Angesichts der zunehmend gewalttätigeren Proteste senkte die Ratingagentur Fitch ihren Ausblick für Ägypten am Freitag auf «negativ». Der überarbeitete Ausblick gebe die jüngste Zunahme der Demonstrationen wieder und die damit verbundene Unsicherheit für die weitere politische und wirtschaftliche Perspektive vor den Wahlen im September wieder, sagte der unter anderem für den Nahen Osten und Afrika zuständige Richard Fox von Fitch.

Muslimbruderschaft unterstützt Oppositionsbewegung

Unterstützt wurden die Proteste auch von der grössten Oppositionsbewegung, der Muslimbruderschaft. Die Gruppe erklärte, fünf ihrer Führer und fünf frühere Abgeordnete, aber auch viele normale Mitglieder seien festgenommen worden. Vier französische Journalisten, die während der Unruhen festgenommen worden waren, kamen nach Mitteilung des französischen Aussenministeriums wieder frei. Die Vier würden für die Tageszeitung «Le Monde», das Magazin «Paris Match», die Zeitung «Le Journal du Dimanche» und die Fotoagentur Sipa Press arbeiten, sagte Aussenamtssprecher Bernard Valero.

SDA/jak

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