Zum Hauptinhalt springen

Kooperation beendetThierry Carrel verlässt die Insel

Der Starchirurg Thierry Carrel wechselt vom Inselspital zur Privatklinik Hirslanden Gruppe.

Thierry Carrel verlässt nach 25 Jahren das Berner Inselsspital.
Thierry Carrel verlässt nach 25 Jahren das Berner Inselsspital.
Foto: Beat Mathys
Carrel ist bei der Inselgruppe ebenfalls in der Ausbildung junger Ärzte engagiert.
Carrel ist bei der Inselgruppe ebenfalls in der Ausbildung junger Ärzte engagiert.
Foto: Beat Mathys
Im Herbst 2008 operierte der Arzt den damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach dessen Herz-Kreislauf-Stillstand. Carrel legte Merz unter anderem fünf Bypässe.
Im Herbst 2008 operierte der Arzt den damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach dessen Herz-Kreislauf-Stillstand. Carrel legte Merz unter anderem fünf Bypässe.
Foto: Keystone
1 / 6

Starchirurg Thierry Carrel wird das Inselspital und die Universität Bern Ende Januar 2021 verlassen. Das Inselspital hat den gewichtigen Abgang in einer Mitteilung bestätigt. Carrel wirkte 25 Jahre am Inselspital, während 21 Jahren als Direktor der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie.

Hier lesen Sie unsere Analyse zu Carrels Abgang: Weshalb Carrels Weggang für Bern nicht mehr so tragisch ist

Wie Insel-Mediensprecher Alex Josty gegenüber «SRF» sagt, verlasse Carrel das Spital und die Universität Bern auf eigenen Wunsch. Sowohl die Uni als auch die Insel würden Carrel eine Menge verdanken, wovon man auch in Zukunft profitieren könne, ist Josty überzeugt. Natürlich müsse ein Abgang dieses Kalibers zuerst verdaut werden, jedoch könne sich dies auch als Chance entpuppen, da so nicht das gesamte medizinische Wissen von einer Person abhänge.

Nun wechselt Carrel zur Spitalgruppe Hirslanden. Dort baut er als Direktor ein Zentrum für Weiterbildung und Forschung für Herzchirurgie auf. In den vergangenen Jahren hatte Carrel mehrere Berufungen an ausländische Universitäten und an die Universität Zürich abgelehnt.

Schock für Zürcher Unispital

Die Neuigkeiten sorgen auch in Zürich, wo Hirslanden seinen Hauptsitz hat, für Aufsehen: Am Unispital Zürich wird man diesen Wechsel nicht gern sehen. Denn Carrel, der in Zukunft auch in Zürich operieren wird, hat einen guten Ruf – etwas, das die Herzchirurgie am Unispital gerade verloren hat. Der Zürcher Klinikdirektor Francesco Maisano ist freigestellt. Unter anderem waren die Mortalitätsraten in der von ihm geführten Herzklinik ausserordentlich hoch.

Anders im Aargau: Mitte 2019 gab der Kanton Aargau bekannt, das öffentliche Kantonsspital Aarau und die private Hirslanden-Klinik Aarau arbeiteten bei der Herzchirurgie weiterhin eng zusammen.

Ausbildner und Ehrendoktor

Er hat mehr als 12 000 chirurgische Eingriffe als Operateur oder in Lehrassistenz ausgeführt und ist Autor von über 700 wissenschaftlichen Publikationen, wie die Inselgruppe in ihrer Mitteilung schreibt. Zudem begleitete er junge Ärztinnen und Forscher auf ihrem Karriereweg. Ausserdem operierte er im Herbst 2008 den damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach dessen Herz-Kreislauf-Stillstand. Carrel legte Merz unter anderem fünf Bypässe.

Thierry Carrel baute 2001 ein Zentrum zur Behandlung von angeborenen Herzkrankheiten in Perm (Russland) auf und ist seit 2014 Stiftungsratspräsident der Kinderherz-Stiftung Corelina. Sein Engagement für sein Fach wurde unter anderem von der Europäischen Fachgesellschaft für Herz- und Thoraxchirurgie mit dem Da Vinci-Preis ausgezeichnet. 2015 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg.

Insel und Beau-Site trennen sich

Gleichzeitig vermeldete die Insel Gruppe, dass die Zusammenarbeit im Bereich Herzchirurgie zwischen dem Inselspital und der Klinik Beau-Site per 30. Juni aufgelöst wird. Die Zusammenarbeit war vor zwei Jahren gestartet worden, um den Standort Bern im schweizweiten Standortwettkampf im Bereich Herzchirurgie zu stärken. Seither operierten auch Insel-Ärzte in der Klinik Beau-Site. Das sorgte auch für böses Blut. Die Herzspezialisten der Privatklinik wehrten sich dagegen, Carrel als Chef zu bekommen.

Die Hirslanden-Gruppe umfasst 17 Kliniken in zehn Kantonen. Rund 2500 Belegärzte arbeiten für sie; die Gruppe zählt mehr als 10'000 Angestellte. Zur Berner Insel-Spitalgruppe gehören ausser das Universitätsspital Insel auch das Berner Tiefenauspital und mehrere Landspitäler. Auch für diese Institution arbeiten über 10'000 Menschen.