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Kein Glück im AbschlussThuner Sturmlauf wird nicht belohnt

Beim 0:0 gegen den FC Basel erspielt sich der FC Thun zahlreiche Möglichkeiten, bleibt aber ohne Tor. Dank dem Punkt liegen die Berner Oberländer vor dem entscheidenden Spiel am Montag in Zürich wieder vor Sion.

Die tragische Figur: Ridge Munsy vergibt den Matchball gegen Basel-Goalie Djordje Nikolic.
Die tragische Figur: Ridge Munsy vergibt den Matchball gegen Basel-Goalie Djordje Nikolic.
Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Als der Griff an die Hosentasche geht, geht ein erwartungsvolles Raunen durch die Stockhorn-Arena. Die 1000 Zuschauer spüren: Jetzt, nach dem Platzverweis von Schiedsrichter Alain Bieri gegen Omar Alderete, jetzt, mit einem Mann mehr muss dem FC Thun doch ein Tor gelingen. 20 Minuten sind da in der Partie gegen den FC Basel noch zu spielen, und der einzige Makel im Thuner Pflichtenheft steht Weiss auf Rot ganz oben auf der Anzeigetafel: Es steht immer noch 0:0.

13 Abschlüsse haben die Berner Oberländer bis zu diesem Zeitpunkt auf das Tor des ehemaligen Thuner und jetzigen Basler Ersatzgoalies Djordje Nikolic abgefeuert. Da war der Kopfball von Simone Rapp, der von Blas Riveros auf der Linie geklärt wurde. Da war der gefährliche Weitschuss von Leonardo Bertone. Oder die beiden Versuche von Linksverteidiger Nias Hefti, der eine wurde geblockt, der andere klatschte trotz missglückter Verarbeitung an die Latte.

Munsys Selbstkritik

Wäre der Ball am Freitagabend für den FC Thun gerolltdie Equipe von Marc Schneider hätte sich schon in der ersten Halbzeit mindestens eine Drei-Tore-Führung erarbeitet. So muss der Trainer aber nach Spielschluss konstatieren: «Leider waren wir im Abschluss zu wenig konsequent.» Der 40-Jährige denkt da etwa an Ridge Munsy. Dem Stürmer, der mit seinen zehn Toren in der Rückrunde massgeblichen Anteil daran hat, dass sich die Thuner überhaupt noch Hoffnungen auf den direkten Ligaerhalt machen können, bieten sich in der Schlussphase zwei exzellente Möglichkeiten, für späte Jubelstürme zu sorgen. Freistehend, sechs Meter vor dem Tor, kommt er in der 79. Minute zum Kopfballder Ball zischt knapp über die Latte. Dann knapp acht Minuten später. Es ist eigentlich eine typische Munsy-Situation. Ein langer Ball. Munsy nimmt ihn an, nicht perfekt. Der Ball springt ihm vom Fuss, und als Nikolic ungestüm aus dem Tor gerannt kommt und den Ball verfehlt, hat der Stürmer plötzlich das verlassene Gehäuse vor sich. Doch der Ball kullert am rechten Pfosten vorbei. «Mindestens eine dieser Chancen hätte ich nutzen müssen», sagt der 31-Jährige selbstkritisch.

Munsys Chancen bilden das Schlussfurioso eines bemerkenswerten Thuner Sturmlaufs. Es ist heiss. Nach Spielende zeigt das Thermometer immer noch 25 Grad an, und auf dem Kunstrasen dürften während der Partie weit über 30 Grad geherrscht haben. Diese Hitze hindert die Thuner indes nicht daran, die Offensive zu suchen. Mit aggressivem Pressing setzen sie die Basler unter Druck, die trotz Spekulationen über ausgiebige Rotation in Anbetracht der kommenden Herausforderungen in Cup und Europa League mit Ausnahme des gesperrten Fabian Frei in Bestbesetzung angetreten sind. Als die 88. Minute anbricht, ruft FCB-Trainer Koller «noch zwei Minuten» aufs Spielfeld. Wer will, kann in seiner Stimme eine leichte Verzweiflung ausmachen. Er spürt, dass seine Mannschaft längst am Ende ihrer Kräfte angelangt ist. Und er atmet dann erleichtert durch, als die Basler von Schiedsrichter Bieri erlöst werden und sich einen bedeutungslosen Punkt sichern.

Schneiders Kompliment

Sinnbildlich für den forschen Thuner Auftritt sei eine Szene nach einer guten halben Stunde erwähnt: Nicolas Hasler setzt Samuele Campo vor dem FCB-Strafraum unter Druck, stellt seinen Körper in den Weg. Der Basler Mittelfeldspieler versucht es rechts herum, dreht ab, links herum. Als er den Kopf hebt, um sich nach einer Anspielstation umzuschauen, grätscht Hasler und leitet mit dem Ballgewinn eine weitere Thuner Chance ein. Auch wenn der anschliessende Schuss von Leonardo Bertone deutlich am Tor vorbei geht, ist diese Sequenz ein Beleg für die Entschlossenheit, mit der die Thuner dieses letzte Heimspiel der Saison angehen. Der Wille, die Serie von fünf Siegen in Folge vor eigenem Anhang auszubauen, ist in vielen Aktionen offensichtlich. «Ich darf der Mannschaft für diese Leistung ein grosses Kompliment machen», sagt denn auch Schneider.

Dem Trainer ist trotzdem eine leise Enttäuschung anzumerken. Die Zielsetzung war klar: Aus den letzten zwei Spielen wollte er sechs Punkte holen. Nach der 0:1-Niederlage von Sion gegen den neuen und alten Meister YB liegt der FC Thun vor dem letzten Spiel am Montag beim FC Zürich immerhin wieder einen Punkt vor den Wallisern. «Wir haben unser Glück in den eigenen Füssen», sagt Schneider.

Die Finalissima um den Meistertitel wurde also im letzten Moment abgewendet. Um den Barrageplatz bleibt es aber bis zum letzten Moment spannend. Vorteil Thun.