Trump will Zölle verdoppeln, Schweizer Börse im Minus

Der US-Präsident kündigte an, die Sonderzölle für Importe aus China auf 25 Prozent zu erhöhen. Die Chinesen wollen die Verhandlungen dennoch nicht platzen lassen.

Macht im Handelskonflikt mit China weiter Druck: US-Präsident Donald Trump. Bild: Keystone

Macht im Handelskonflikt mit China weiter Druck: US-Präsident Donald Trump. Bild: Keystone

An der Schweizer Börse kam es am Montag aufgrund der drohenden Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China zeitweise zu deutlichen Kursverlusten. Marktteilnehmer zeigten sich aber nicht allzu sehr beunruhigt.

Denn die Abgaben fielen keineswegs dramatisch aus und nach dem Rekordlauf der vergangenen Wochen waren laut Händlern ohnehin Gewinnmitnahmen fällig. Mit Gewinnmitnahmen ist gemeint, dass Aktionäre ihre Papiere verkaufen, um aufgelaufene Gewinne zu realisieren.

Trump droht wieder

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag überraschend angekündigt, die Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar schon am kommenden Freitag von 10 auf 25 Prozent zu erhöhen. Ausserdem drohte er mit einer Ausweitung auf alle Importe. Die Verhandlungen mit China kämen zu langsam voran, erklärte Trump.

Diese Ankündigung belastete am Montag zunächst die Börsen in China und dann in Europa und der Schweiz. In China sind die wichtigsten Indizes am Morgen zeitweise um bis zu sechs Prozent eingebrochen. In Deutschland oder in Frankreich büssten der DAX bzw. der CAC 40 1,0 und 1,2 Prozent ein.

Der SMI verlor um die Mittagszeit zeitweise fast 1,9 Prozent. Dann verringerten sich die Abgaben wieder spürbar und mit der nur mässig tieferen Eröffnung an der Wall Street setzte sich die Erholung hierzulande nochmals fort. Zum Handelsschluss blieb beim Schweizer Leitindex SMI ein Minus von rund 0,9 Prozent auf 9'657 Punkten. Am Freitag hatte der Leitindex noch bei 9'785 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht.

Auch der Schweizer Franken, üblicherweise «sicherer Hafen» wenn Krisen-Wolken am Horizont aufziehen, reagierte nicht. Im Gegenteil: Der Euro hielt sich klar über der Marke von 1,14 Franken und auch der Dollar legte auf 1,0189 Franken leicht zu.

Dass zahlreiche Investoren dennoch verunsichert waren, zeigte sich vor allem am Schweizer Volatilitätsindex VSMI. Er quantifiziert das erwartete Risiko am Schweizer Aktienmarkt. Er schnellte zeitweise um mehr als 20 Prozent nach oben und notierte so hoch wie zuletzt Ende März.

Weitere Entwicklung entscheidend

Was die Drohung aus Washington für die in dieser Woche geplanten Handelsgespräche zwischen den beiden Seiten bedeutet, ist bis anhin noch nicht klar. «Wir sammeln auch Informationen über die Lage», sagte Aussenamtssprecher Geng Shuang laut Agenturberichten. Geplant waren ab Mittwoch Gespräche einer chinesischen Delegation in Washington unter der Führung des Chefunterhändlers Liu He.

Händler nahmen die Entwicklung recht gelassen und sprachen von «lautem Säbelgerassel aus Washington». Zeichen einer Panik seien bisher nicht auszumachen. Börsianer schlossen daher nicht aus, dass sich das Geschehen auch wieder beruhigt.

«Entscheidend wird nun sein, ob es tatsächlich zu einer Erhöhung der Strafzölle und zu einem Abbruch der Gespräche kommt, oder ob Trump mit der Drohung lediglich den Druck nochmals erhöhen will, um schliesslich einem Kompromiss doch noch zuzustimmen», kommentierte die Zürcher Kantonalbank.

«Alle haben davon gesprochen, dass das Kursniveau hoch ist und dass eine Kurskorrektur gut tun würde», sagte ein Händler. Möglicherweise seien die Erwartungen an einen schnellen und positiven Ausgang der chinesisch-amerikanischen Handelsgespräche zu hoch gewesen und daher zu viel Positives in die Kursen eingepreist worden.

Zyklische Titel unter Druck - defensive Stützen

Der Markt reagierte wie in Krisenzeiten üblich, sagte ein Börsianer. Zyklische Titel - und dabei vor allem solche mit einer hohen Abhängigkeit vom chinesischen Markt - tendierten negativ. So waren die Aktien des Halbleiterherstellers AMS (-5,3%), des Industriekonzerns ABB (-3,7%) oder Logitech und des Logistikers Kühne Nagel (je -2,6%) in der Spitzengruppe der Verlierer zu finden. Auch die Uhrenhersteller Swatch (-2,4%) und Richemont (-1,2%) gaben ab.

Demgegenüber schlossen die Titel des Pharmariesen Novartis unverändert und Roche gaben mit -0,5 Prozent vergleichsweise wenig ab, ebenso wie Swisscom (-0,3%). Die Titel des Lebensmittelmultis Nestle ( 0,6%) konnten sogar zulegen, ebenso wie Alcon ( 0,5%), Givaudan und Geberit (je 0,2%).

red/sda/Reuters

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