Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur Abstimmung in LangnauUm Aldi geht es doch gar nicht

Mit einem Nein zur Planungsvorlage «Am Ilfiskreisel» lösen die Gegner weder Verkehrsprobleme noch verhindern sie den deutschen Discounter.

Egal, wie die Abstimmung ausfällt: Ein Parkplatz wird das Areal neben dem Ilfiskreisel nicht bleiben.
Egal, wie die Abstimmung ausfällt: Ein Parkplatz wird das Areal neben dem Ilfiskreisel nicht bleiben.
Foto: Raphael Moser

Niemand freut sich über mehr Verkehr. Von daher ist verständlich, dass sich die Bewohner um den Ilfiskreisel gegen die Überbauung des heute leer stehenden Areals wehren. Aber ebenso nachvollziehbar ist es, wenn die Befürworter darauf hinweisen, dass Aldi so oder so kommt. Und dass der Verkehr somit ohnehin zunehmen wird.

Wer die Vorlage ablehnt, verhindert ein Projekt, das laut Experten zum Ortsbild passt, städtebaulichen Anforderungen genügt und – nicht unbedeutend heutzutage – das vorhandene Bauland optimal ausnützt. Wer die Vorlage ablehnt, eröffnet Aldi die Möglichkeit, auf dem Areal einen eingeschossigen Laden mit oberirdischen Parkplätzen zu realisieren. Denn das ist laut den aktuell geltenden Bauvorschriften möglich und müsste von der Gemeinde bewilligt werden. Ein zweites Mal kann sie den Discounter nicht dazu verpflichten, über das hinauszudenken, was der gültige Zonenplan am Ilfiskreisel heute zulässt.

Aldi kommt also so oder so. Aber um Aldi geht es im Grunde gar nicht. Eigentlich streiten Befürworter und Gegner der Planungsvorlage über eine Grundsatzfrage: Braucht Langnau mehr Wachstum? Oder ist das Dorf gross genug und darf bleiben, wie es ist? Solche Diskussionen müssten allerdings jeweils bei Ortsplanungsrevisionen geführt werden und nicht erst, wenn ein Investor das konkretisieren will, was in den Zonenplänen vorgesehen wurde.

Jene am Ilfiskreisel ist die erste in einer Reihe von weiteren Überbauungen, die in den nächsten Jahren realisiert werden und dem Dorf ein neues Gesicht geben sollen: Am Bärenplatz, auf dem Stämpfli-Areal, im Gebiet südlich des Bahnhofs und auch am Gerbekreisel sind grosse Planungen im Gang. Nicht zu Unrecht spricht Bernhard Gerber vom Pro-Komitee, es handle sich beim Urnengang vom 27. September 2020 um eine «zukunftsweisende Abstimmung». Das Ergebnis wird einen Hinweis liefern darauf, wie steinig der Weg für die anderen Vorhaben ist.