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Starke BernerinnenUngleiches Berner Duo sprintet schnell über die Hürden

Ditaji Kambundji und Noemi Zbären haben an der Hallen-SM überzeugt. Kambundji steht am Anfang ihrer Karriere, Zbären hat sich zurückgekämpft.

Ditaji Kambundji (links) und Noemi Zbären (rechts) liefern sich ein Duell auf hohem Niveau. Kambundji gewinnt es um 6 Tausendstelsekunden.
Ditaji Kambundji (links) und Noemi Zbären (rechts) liefern sich ein Duell auf hohem Niveau. Kambundji gewinnt es um 6 Tausendstelsekunden.
Foto; Keystone

Ein spontaner Freudenschrei, ein Jubelsprung. Die Zeit von 8,10 Sekunden sieht Noemi Zbären nach dem packenden 60-m-Hürden-Final an der Hallen-SM in Magglingen auf der Anzeigetafel aufleuchten. Eine Klassezeit. Um eine Steigerung der persönlichen Bestleistung um zwei Hundertstel handelt es sich – und die alte Bestzeit liegt bei der routinierten Athletin sechs Jahre und eine langwierige Verletzungsgeschichte zurück.

Doch als Siegerin tanzt die bald 27-jährige Emmentalerin nicht. Wie die Auswertung des Zielfilms ergibt, war Ditaji Kambundji um die Winzigkeit von 6 Tausendstelsekunden schneller – ebenso mit der offiziellen Zeit von 8,10 Sekunden. Das Verdikt tut der Freude Zbärens aber keinen Abbruch. Und auch nicht, dass es wohl umgekehrt gelautet hätte, wenn die Distanz des Rennens nur einen halben Meter länger gewesen wäre. Zbären war es, die Schnellstarterin Kambundji bis zur Ziellinie immer nähergekommen war. Doch die Unterlegene hält fest: «Bei dieser Zeit spielt Gold oder Silber keine Rolle, die Freude ist so oder so unbeschreiblich.» In ihren Worten und Gesten widerspiegelt sich, dass diese Frau weit untendurch musste.

Immenses Talent

Ditaji Kambundji benötigt etwas länger, bis sie den Ausgang des Rennens einordnen kann: «Alles ist schnell gegangen. Erste Gedanken an den Titel kamen auf, als Noemi im Ziel sofort auf mich zeigte.» Sicher aber fühlte sie sich noch längst nicht. Nach dem «Raketenstart» – so nennt sie ihre hervorragende Reaktionszeit und das impulsive Schnellen aus dem Startblock – habe sie «nicht mehr viel gedacht». Realisiert aber hatte sie: Am Schluss wurde es «mega eng».

Die jüngste der Kambundji-Schwestern – von Mujinga Kambundji trennen sie zehn Jahre Altersunterschied – bestätigte ihr immenses Talent. Erst auf 2020 hin hatte sich die Finalistin an der Jugend-Olympiade und U-18-EM-Siebte (beides 2018) vom Mehrkampf verabschiedet und sich ganz dem Hürdensprint verschrieben. Letztes Jahr wurde sie mit 18 bereits Schweizer Meisterin bei der Elite – in einer der hartumkämpftesten Disziplinen.

Trainiert wird Kambundji weiterhin von Adrian Rothenbühler, dem einstigen Mehrkampf-Nationalcoach. Im Herbst und in diesen Winter investierte sie viel ins Techniktraining. «Vieles hat heute schon funktioniert, aber ich weiss: Ich kann noch schneller laufen», sagt sie. Die Premiere bei der Elite an der Hallen-EM in Torun (POL) am ersten März-Wochenende bietet sich dafür an.

«Die Geduld hat sich bezahlt gemacht»

Zu diesen Titelkämpfen wird Kambundji zusammen mit Zbären reisen. Der letzte internationale Grossanlass der einstigen WM-Sechsten im Freien und Junioren- wie U-23-Europameisterin liegt bald sechs Jahre zurück. Zbären hat harte und schwierige Jahre hinter sich. Ein Kreuzbandriss (2016), zwei Muskelfaserrisse (2017 und 18) sowie Disbalancen im Hüftbereich warfen die Athletin der SK Langnau weit zurück. Ihrem Willen, der Geduld und den behutsamen Entwicklungsschritten mit ihrem neuen, breit und international abgestützten Umfeld verdankt sie ihr Comeback.

Viel investierte Zbären zuletzt vor allem in die Ausdauer und das Stehvermögen. «Seit dem letzten Sommer läuft es. Wir haben herausgefunden, was ich brauche. Wir befinden uns auf dem richtigen Weg», sagt sie. Die Bestzeit vom Wochenende überrascht sie dennoch. Folgerichtig macht sie «Lust auf mehr». Die Konkurrenzsituation «mit de junge Schnuufer» im Schweizer Frauen-Hürdensprint sorgt dabei für eine motivierende Zusatzkomponente. Neben Ditaji Kambundji präsentieren sich auch Mehrkämpferin Annik Kälin (8,14) und Selina von Jackowski praktisch auf Augenhöhe.