Verliert der Hassprediger seine Niederlassungsbewilligung?
Der mutmassliche Bieler Hassprediger hat seinen Asylstatus Anfang August verloren, da er mehrmals in sein Heimatland Libyen gereist war. Nun prüft der Kanton Bern dessen Niederlassungsbewillligung.
Im Falle eines Libyers, der in einer Bieler Moschee Hassbotschaften gepredigt haben soll, prüfen die Behörden Massnahmen. Dem Mann ist der Asylstatus Anfang August entzogen worden. Sobald der Entscheid rechtskräftig ist, nimmt der Kanton Bern die Niederlassungsbewilligung ins Visier.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) habe Asyl und Flüchtlingseigenschaft am 3. August widerrufen, teilte der Kanton Bern am Mittwochabend mit. Grund für den Widerruf sei, dass der Mann angeblich im Besitze eines libyschen Passes sei und bereits mehrmals in sein Heimatland zurückgereist sei.
Der Entscheid des SEM kann aber noch angefochten werden. Sobald der Widerruf rechtskräftig sei, unterstehe der Mann nicht mehr dem Asylgesetz, sondern den ausländerrechtlichen Bestimmungen. Dies ermöglicht dem Kanton Bern, die Niederlassungsbewilligung zu überprüfen. Gemeint ist ein allfälliger Widerruf des Ausweises C.
Der Kanton Bern reagierte damit auf Berichte, wonach der heute 64-jährige Mann in der Bieler Ar'Rahman-Moschee gegen Andersgläubige hetze. Der Mann reiste im Oktober 1998 als Flüchtling in die Schweiz ein. Den Asylstatus erhielt er 2001. Heute hat er den Ausweis C.
Auch die Bieler Stadtbehörden haben Abklärungen zu möglichen Massnahmen eingeleitet, wie der Bieler Sicherheitsdirektor Beat Feurer (SVP) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. Geprüft werde nebst einer direkten Intervention in der Moschee auch die Möglichkeit einer Strafklage.
Die Bieler Behörden hätten am 11. August vom konkreten Fall Kenntnis erhalten, erklärte Feurer. Er habe die städtische Fachgruppe Extremismus- und Gewaltprävention beauftragt, die notwendigen Abklärungen vorzunehmen und konkrete Massnahmen vorzuschlagen.
Ansprechstelle ab 1. September
Laut Feurer beschäftigt sich die Fachgruppe bereits seit Anfang 2016 mit der Erarbeitung von Massnahmen, um Fälle wie den des mutmasslichen Hasspredigers zu verhindern. Ab 1. September nimmt eine neue Ansprechstelle Extremismus- und Gewaltprävention ihre Arbeit auf.
«Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Angebot einen Beitrag leisten können zur Entdeckung von risikobelasteten Personen», erklärte Feurer weiter. Mit der Ansprechstelle sollen Direktbetroffene Unterstützung und Rat erhalten. Das neue Angebot soll am Freitag an einer Medienkonferenz vorgestellt werden.
Als Sozialhilfebezüger in Nidau
Die Stadt Nidau, in welcher der Moschee-Prediger wohnhaft ist, bestätigte per Communiqué, dass der Mann ein langjähriger Klient der Sozialen Dienste sei. Laut SRF soll der heute 64-jährige Libyer während 13 Jahren insgesamt 600'000 Franken an Sozialhilfe bezogen haben.
Die Nidauer Behörden unterstützen eine «unverzügliche Untersuchung der schweren Vorwürfe», wonach der Mann als Hassprediger auftrete. Unabhängig vom Ausgang der Untersuchungen verurteile die Stadt «jegliche radikale Mobilisierung sowie den Missbrauch von rechtsstaatlichen Strukturen und sozialen Institutionen.»
Grundsätzlich werde Sozialhilfe unabhängig von persönlichen Überzeugungen ausgerichtet, «solange diese Überzeugungen strafrechtlich nicht relevant sind», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Sozialen Dienste hätten aber weder den Auftrag noch die Möglichkeiten, «staatsschützerische Abklärungen» zu führen.
Anonymer Hinweis löste Recherche aus
Der Journalist Kurt Pelda, Autor der Zeitungsberichte, wurde durch einen anonymen Hinweis auf den Fall des Predigers aufmerksam gemacht. Die Ar'Rahman-Moschee sei ihm bereits als «relativ radikal» bekannt gewesen, sagte Pelda in einem online publizierten Interview.
Als Person sei der Prediger nicht gefährlich, er sei «sehr schlau» und rufe nicht direkt dazu auf, «Leute umzubringen oder ein Attentat zu verüben.» Aber mit seiner Hassideologie bereite er den Nährboden für Leute, «die hören wollen, dass sich Gewalt gegen Ungläubige rechtfertigen lässt.»für Leute, «die hören wollen, dass sich Gewalt gegen Ungläubige rechtfertigen lässt.»
SDA/tag
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