Versandhandel will Massnahmen gegen chinesische Paketflut

Zu schaffen machen dem Handel unter anderem die unterschiedliche Behandlung von in- und ausländischen Firmen in Bezug auf die Formate.

Ein Mitarbeiter der Post sortieren Pakete im Paketzentrum in Härkingen. (Archiv)

Ein Mitarbeiter der Post sortieren Pakete im Paketzentrum in Härkingen. (Archiv)

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Das Einkaufen im Internet wird bei Schweizer Konsumenten immer beliebter – insbesondere auch auf chinesischen Handelsplattformen. Dies führt dazu, dass immer mehr sogenannte Kleinwarensendungen aus China in der Schweiz eintreffen. Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) fordert daher ein Eingreifen des Gesetzgebers.

2018 bestellten Schweizer Konsumenten online Waren im Wert von 9,5 Milliarden Franken. Das sind laut VSV 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders beliebt waren mit total 2,1 Milliarden Franken erneut elektronische Geräte für den Heimgebrauch.

Im Bereich Heimelektronik werde mittlerweile jeder dritte Umsatzfranken online umgesetzt, wie eine Studie des VSV gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen GfK und der Post zeigt. Bei Bekleidung ist es jeder fünfte.

Bis 2020 ein Fünftel

Im Gegensatz zum gesamten Schweizer Detailhandel, der insgesamt seit Jahren rückläufig ist, wächst der Umsatz im Online-Versandhandel seit Jahren rasant. Vor allem der so genannte Non-Food-Bereich. Von den total 52,3 Milliarden Franken, die darin umgesetzt werden, erreichen mittlerweile 16 Prozent oder Waren im Wert von rund 8,4 Milliarden Franken den Endkunden auf dem Postweg.

«Es ist gut möglich, dass es im nächsten Jahr, also 2020, bereits 20 Prozent sein werden», sagte der VSV-Präsident Patrick Kessler am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Zu diesem rasanten Wachstum tragen mittlerweile auch vormals eher weniger übers Internet bestellte Artikel wie Haushaltswaren, Möbel und seit 2017 auch wieder Bücher und andere Medien bei, erklärte Kessler.

Kleinwarensendungen aus China

Immer beliebter wird zudem das Online-Shopping im Ausland: Seit 2010 haben sich die Internet-Einkäufe ausserhalb der Schweiz vervierfacht. «Alleine im letzten Jahr wuchs der Cross-Border-Versand nochmals um 20 Prozent», sagte der VSV-Präsident. Dieser Trend, den Kessler als «Wermutstropfen» für den Schweizer Handel bezeichnete, führe zu einer wahren Flut an kleinen Paketen aus Asien.

Gemäss der Studie sind im Jahr 2018 rund 33 Millionen Kleinwarensendungen, zumeist ohne Mehrwertsteuer- und Zollabgaben, in die Schweiz eingeführt worden. Mit 23 Millionen Kleinpaketen stamme die grosse Mehrheit davon aus Asien – speziell aus China.

Ungleichbehandlung stösst auf

Zu schaffen machen dem Handel laut Kessler etwa die unterschiedliche Behandlung von inländischen und ausländischen Händlern in Bezug auf die Formate. Hierzulande gelte jede Sendung ab zwei Zentimetern Dicke und einem Gewicht von einem Kilogramm als Paket. Ein aufgepumpter Fussball mit einem Umfang von 36 Zentimetern gehe hingegen international als Brief durch, wie der VSV-Präsident am Rande der Veranstaltung gegenüber AWP erläuterte.

Dies habe einen substanziellen Einfluss auf die Versandkosten und somit auf die Konkurrenzfähigkeit, betonte Kessler. Aber auch die teils mutwillige Umgehung der Mehrwertsteuer oder die Verschleierung des Absenders sind dem Verband ein Dorn im Auge.

Daher sei nun endlich ein Eingreifen des Gesetzgebers notwendig. Der Verband fordert vor allem Massnahmen zur Einhaltung der Mehrwertsteuer-Richtlinien und der Deklarationspflichten sowie die Gewährleistung von Schweizer Sicherheitsstandards.

nag/sda

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