Verzögerung bei Wasserkraftwerk kostet die Alpiq Millionen

Millionenverlust, Aktionär macht Stunk und das Prestigeprojekt verspätet sich: Der Stromkonzern liefert keine guten Nachrichten.

Das Pumpspeicherwerk Nant de Dranc soll ab 2021 voll im Betrieb sein. Entgegen der Planung verschiebt sich dieses Datum um 9 Monate.

Das Pumpspeicherwerk Nant de Dranc soll ab 2021 voll im Betrieb sein. Entgegen der Planung verschiebt sich dieses Datum um 9 Monate.

(Bild: Keystone Martin Ruetschi)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Das neue Pumpspeicherwerk Nant de Drance im Wallis ist das Prestigeobjekt der Alpiq. Sie ist mit 39 Prozent die grösste Teilhaberin an dem 2-Milliarden-Franken-Projekt. Nun kommt es zu Verzögerungen. Die kommerzielle Inbetriebnahme verschiebt sich um 9 Monate auf das Jahr 2020. Bis alle Maschinen wirklich laufen, wird es wohl Mitte 2021.

Zudem wird der Bau, an dem auch die SBB mit 36 Prozent beteiligt sind, 200 Millionen Franken teurer. Alpiq-Finanzchef Thomas Bucher sprach an der Präsentation der Halbjahreszahlen von einer «leichten Abweichung von 10 Prozent».

Doch für die ansonsten schon angespannte Finanzlage der Alpiq ist auch eine solche Abweichung brutal. In den Büchern der Alpiq taucht nun ein negativer Sondereinfluss von 39 Millionen Franken auf, der auf das teurere Projekt Nant de Drance zurückzuführen ist.

Unter dem Strich resultierte für die Alpiq im ersten Halbjahr ein Verlust von 206 Millionen Franken. Bis ruhigere Zeiten kommen, dürfte es noch ein wenig dauern. Denn die Alpiq steht unter Beschuss eines aktivistischen Aktionärs.

Ein Rückblick: Seit kurzem hat die Alpiq mit der CSA Energie-InfrastrukturSchweiz, einem Teil der Credit-Suisse-Anlagestiftung, einen neuen Aktionär. Sie hält 25 Prozent an der Alpiq. Nun hat sie ein Kaufangebot an die Aktionäre gemacht. Diese erhalten 70 Franken pro Aktie. Danach soll die Firma von der Börse genommen werden. Viele Aktionäre sind seit langem an der Alpiq beteiligt und haben teilweise zu einem weit höheren Preis ihre Papiere gekauft.

Einer der Aktionäre, der aktivistische Investor Eric Knight, hat letzte Woche Alarm geschlagen. Er will einen Weggang von der Börse verhindern und wandte sich mit einem öffentlichen Brief an die Alpiq.

Jens Alder, CEO und Verwaltungsratspräsident in Personalunion, gibt sich äusserst gelassen, spricht man ihn auf Knight und seine Forderungen an. «Wir waren vorher mit dem Aktionär im Gespräch. Er versucht seine Interessen zu wahren und hat dabei Argumente vorgebracht, die wir nicht teilen. Der Verwaltungsrat wird ihm gelegentlich eine Antwort zukommen lassen», sagt Alder am Rande einer Medienkonferenz.

Man sei auch nicht überrascht gewesen, dass sich Knight äussert. Nur über die Tatsache, wie weit der Brief gestreut wurde. Zur Chance für Knights Pläne, Alpiq an der Börse zu halten, sagt Alder: «Das weiss ich nicht. Wir sind aber völlig entspannt, was die Dinge angeht, die er gegen unser Vorgehen vorgebracht hat», sagt Alder. So kritisiert Knight etwa die Fairness Opinion scharf: In diesem Dokument erläutert die Wirtschaftsprüferin PWC, dass der Preis von 70 Franken pro Aktie angemessen sei.

Aktie bald von der Börse

Vergangene Woche fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt. Einziges Traktandum war die Wahl neuer Verwaltungsräte. Doch es hätten sich überraschend viele Aktionäre angemeldet, sagt Alder. Man ging deshalb davon aus, dass die geplante Dekotierung zu Diskussionen führen wird. «Ich verstehe die Emotionalität der Kleinaktionäre. Ich muss davon ausgehen, dass der grösste Teil bei 70 Franken Verlust macht. Daher haben wir erwartet, dass sie uns deutlich sagen wollen, was sie denken», so Alder. Doch ausser einer Wortmeldung blieb es ruhig.

Dabei hätten die Aktionäre allen Grund, für einen besseren Preis zu kämpfen. Tritt ein, was die Alpiq seit Jahren ankündigt, ist die Talsohle nun erreicht. Das hat mit der Geschäftspraxis bei der Alpiq zu tun. Über Jahre hinweg hat man die Strompreise im Voraus gegen Preis- und Währungsschwankungen abgesichert. Den tiefsten Wert dieser Absicherung hat man nun 2019 erreicht. 2020 steigt er wieder, 2021 und wohl auch 2022 ebenfalls.

Das zeigt: Das Unternehmen wird bald wieder gutes Geld verdienen. Spätestens dann wäre auch der Aktienkurs wieder gestiegen. Doch bis dahin dürfte die Firma von der Börse sein: Das Ziel ist es, die Alpiq noch in diesem Herbst zu dekotieren.

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