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RückblickViele Ausfälle, viele Gegentore und eine Null, die gefällt

In der abgebrochenen letzten Saison lief bei Wacker wenig nach Wunsch. Wir nennen eine Tatsache, die überrascht, und fünf Punkte, in denen sich die Thuner steigern müssen.

Gejubelt wird 2020 bloss zu Hause: Wacker feiert den Sieg gegen Pfadi Winterthur Anfang Februar in der Lachenhalle.
Gejubelt wird 2020 bloss zu Hause: Wacker feiert den Sieg gegen Pfadi Winterthur Anfang Februar in der Lachenhalle.
Bild: Patric Spahni

Den Freitag, den 13., werden sie so schnell nicht vergessen.

In der Früh erfuhren die Thuner vor einer Woche, dass Lukas von Deschwanden im Sommer zurückkehren wird. Das war so ziemlich die beste Nachricht, die es für sie nur geben konnte, hatte sie der Aufbauer aus Altdorf UR doch zu zwei Meistertiteln und drei Cupsiegen geführt. Clubmitglieder berichteten begeistert davon, zig Rückmeldungen euphorisierter Anhänger gekriegt zu haben.

Am Abend desselben Tages war sie auf einmal vorbei, die laufende Saison. Verband und Liga hatten auf die Entwicklungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus reagieren und den Spielbetrieb einstellen müssen.

Der notorisch klamme Verein wird damit um die Einnahmen aus mindestens vier Heimspielen gebracht. Was das für ihn bedeutet, lässt sich gegenwärtig nicht ermessen.

Klar ist: Befriedigend war die abrupt zu Ende gegangene Saison in jedem Fall nicht. Wird die Platzierung gewertet werden, was unwahrscheinlich ist, beendet Wacker die Spielzeit auf Rang sechs. So schlecht klassiert waren die Thuner zuletzt 2010.

Gerade pausieren die Berner Oberländer – auch weil sie dies tun müssen, sämtliche öffentlichen Sporteinrichtungen sind geschlossen.

Sobald es wieder trainieren kann, wird Martin Rubins Team in vielen Bereichen arbeiten müssen, damit es wieder ganz vorne mittun kann. Die letzte Saison lieferte einige Erkenntnisse:

Es fehlt ein klassischer Shooter

Damien Guignet ist Wackers Aufsteiger der letzten zwei Jahre. Doch der vergleichsweise klein gewachsene Aufbauer muss sich jedes einzelne Tor schwer erarbeiten.
Damien Guignet ist Wackers Aufsteiger der letzten zwei Jahre. Doch der vergleichsweise klein gewachsene Aufbauer muss sich jedes einzelne Tor schwer erarbeiten.
Bild: Christian Pfander

Tore waren oft Ergebnis aus Vorstössen Einzelner. Wacker musste häufig sehr viel investieren, damit ein Angriff erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die sogenannten einfachen Treffer – sie fehlten nahezu gänzlich. Mit dem verletzten Ron Delhees und dem lange verunsicherten Noah Haas beschäftigten die Thuner bloss zwei klassische Shooter, und beide waren nicht in der Lage, dem Team zu helfen.

Am Kreis besteht Handlungsbedarf

Als Verteidiger Sonderklasse, aber im Angriff mit Steigerungspotenzial: Stefan Huwyler.
Als Verteidiger Sonderklasse, aber im Angriff mit Steigerungspotenzial: Stefan Huwyler.
Bild: Markus Grunder

Reto Friedli gefiel nach der Winterpause, er war in den sieben Partien 2020 einer der konstantesten Thuner. Über die ganze Saison betrachtet aber war das Spiel mit den Kreisläufern ungenügend, was nicht nur, aber auch deren Schuld war. Stefan und Simon Huwyler sind primär Verteidiger und im Angriff nicht wirkungsvoll oder nicht effizient genug.

Wacker beschäftigt zu viele verletzungsanfällige Spieler

Pechvogel: Ron Delhees riss sich während zweier Saisons gleich zweimal das Kreuzband.
Pechvogel: Ron Delhees riss sich während zweier Saisons gleich zweimal das Kreuzband.
Bild: Christian Pfander

Mit Nicolas Raemy, Ron Delhees und Luca Linder figurieren gleich drei Akteure im Kader, welche in der jüngeren Vergangenheit oft und vor allen Dingen lange pausieren mussten. Und weil die Thuner weitere verletzungsanfällige Spieler unter Vertrag stehen haben, geht ihnen mitunter das Personal aus – wie im Herbst, als phasenweise acht Leute ausgefallen sind.

Die Thuner kriegen zu viele Tore

Tobias Baumgartner erzielt eines der vielen Tore, welche Wacker Thun in der letzten Saison kassierte.
Tobias Baumgartner erzielt eines der vielen Tore, welche Wacker Thun in der letzten Saison kassierte.
Bild: Christian Pfander

Während vieler Jahre hatten die Berner Oberländer grossen Erfolg, und sie führten dies gerne auf ihre meist funktionierende Deckung zurück. In dieser Saison aber war die Defensive nicht stabil genug. Gerade in den ersten Partien nach der Winterpause kassierte Wacker viel zu viele Treffer. Das lag nicht ausschliesslich an der Verteidigung: Mit Marc Winkler und Flavio Wick kamen heuer beide Keeper nicht nachhaltig auf Touren.

Auswärts ruft die Mannschaft ihr Potenzial nicht ab

Captain Jonas Dähler ärgert sich über die Derbyniederlage von Mitte Februar in Gümligen.
Captain Jonas Dähler ärgert sich über die Derbyniederlage von Mitte Februar in Gümligen.
Bild: Christian Pfander

Spielen die Thuner zu Hause, gewinnen sie; müssen sie in der Fremde ran, verlieren sie: So war das nach der Winterpause, und zwar ausnahmslos. Das bedeutet zwar: In der Lachenhalle ist Wacker 2020 ungeschlagen! Vor allen Dingen aber zeigt die Statistik, dass das Team auswärts seine Leistung oft nicht zu bringen vermag.