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Viele Schweizer Firmen sind auf Grenzgänger angewiesen

Die geschlossenen Grenzen zu Deutschland und Frankreich stellen die Personalplanung im Inland vor Probleme.

Diese Grenze bleibt vorerst geschlossen, sofern Reisende keine triftigen Gründe für die Einreise nach Deutschland vorzuweisen haben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Diese Grenze bleibt vorerst geschlossen, sofern Reisende keine triftigen Gründe für die Einreise nach Deutschland vorzuweisen haben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Personalverantwortlichen in Regionen wie der Nordwestschweiz dürften gestern Hitzeflecken im Gesicht gehabt haben, als die Nachricht über die Ticker lief, dass Deutschland seine Grenzen dichtmacht. Denn nicht nur das Tessin, sondern auch der Grossraum Basel ist stark von Grenzgängern abhängig. Laut den deutschen Behörden sollen die Arbeitspendler aber weiter in die Schweiz fahren dürfen.

Allein im Kanton Basel-Stadt, wo die Pharmariesen Roche und Novartis ihren Sitz haben, ­strömen laut dem Kantonalen Statistikamt jeden Tag rund 34’400 Menschen aus Frankreich und Deutschland zur Arbeit. ­Roche beschäftigt in der Region nach eigenen Angaben rund 11’000 Menschen, «30 Prozent davon sind Grenzgänger», erklärt ein Mediensprecher. Bei Novartis sind sogar über 30 Prozent der 12’200 in der Schweiz Beschäftigten Grenzgänger.

Auch wenn die Grenzen für die Berufspendler offen bleiben sollten, so stellt allein schon die allgemeine Schulschliessung in allen drei Ländern eine Herausforderung für die Personalplanung dar. ­Roche und Novartis haben daher allen Beschäftigten, bei denen das möglich ist, Home­office ­angeordnet.

Roche: Kein Engpass

Doch wer im Labor oder in der Fertigung arbeitet, kann seinen Job nicht von zu Hause erledigen. Drohen nun Produktionsunterbrüche wegen Personalmangel? Roche beruhigt: «Die Lieferfähig­keit ist gewährleistet», erklärte ein Sprecher am Sonntag.

Wenn Schulen und Kitas in Deutschland, Frankreich und der Schweiz schliessen, müssen sich viele selbst organisieren. Roche zum Beispiel bietet seinen Beschäftigten keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten. Hier seien die jeweiligen Gemeinden gefordert, wer Probleme habe, für den müssten individuelle Lösun­gen gefunden werden, hiess es.

Besonders exponiert in der Region Nordwestschweiz ist auch der Detailhändler Coop, der seinen Hauptsitz in Basel hat. Er beschäftigt in der Region knapp 12’600 Mitarbeitende. Laut Angaben einer Sprecherin sei nur ein «kleiner Teil» davon Grenzgänger.

Auch Coop-Mitarbeitende in den Supermärkten und Logistikcentern können ihren Job nicht von zu Hause erledigen. Eine definitive Grenzschliessung würde den Detailhändler daher treffen.

Darauf angesprochen, erklärt eine Sprecherin: «Wir haben einen Pandemieplan und sind auf derartige Szenarien vorbereitet.» Wie der genau aussieht und wie die Personallücken gefüllt werden könnten, die eine vollkommene Grenzschliessung mit sich brächte, dazu macht Coop keine Angaben.

Die UBS erklärt, sie prüfe die Auswirkungen möglicher Grenzschliessungen auf ihre Standorte in Schaffhausen und Basel. «Dort werden wir alle Massnahmen treffen, um den Betrieb reibungs­los weiterzuführen.»

Auch Industriefirmen wie Georg Fischer sind auf die Anwesenheit ihrer Beschäftigten in der Produktion angewiesen. «Wir haben eine grosse Zahl von Grenzgängern im Tessin und in Schaffhausen», erklärt ein Sprecher. «Wenn all unsere Grenzgänger nicht mehr kommen würden, dann hätte dies natürlich starke Auswirkungen auf die Produktionswerke.»