Vier private Partner für SBB Cargo

Mehr Kooperation statt Konkurrenz: Im Güterverkehr kommt es zu einer neuen grossen Partnerschaft.

Neuer Impuls: Die Partnerschaft soll «Zuverlässigkeit und Effizienz weiter verbessern». (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)

Neuer Impuls: Die Partnerschaft soll «Zuverlässigkeit und Effizienz weiter verbessern». (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)

Neu beteiligen sich vier private Transportunternehmen an SBB Cargo: Die Strassentransportunternehmen Planzer, Camion Transport, Galliker und Bertschi haben sich zu einer finanziellen Beteiligung an der Firma entschlossen.

Die Kooperation erfolgt via die gemeinsame Swiss Combi. Das Konsortium übernimmt ein Aktienpaket von 35 Prozent an SBB Cargo, wie es in einer Mitteilung der SBB vom Freitag heisst. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Partnerschaft hat keinen zusätzlichen Stellenabbau zur Folge.

SBB Cargo ist aber bereits seit längerem daran, das Unternehmen schlanker aufzustellen. Beispielsweise werden Rangiermitarbeitende, die in den nächsten Jahren in Pension gehen, nicht mehr ersetzt, sondern «durch Automation kompensiert».

Verwaltungsrat wird neu bestellt

Mit der neuen Partnerin Swiss Combi will das Bahnunternehmen «Zuverlässigkeit und Effizienz weiter verbessern», wie es schreibt. Die künftige Minderheitsaktionärin besteht aus den Logistikdienstleistern Planzer (40 Prozent), Camion Transport (40 Prozent), Bertschi (10 Prozent) und Galliker (10 Prozent). Mehrheitsaktionärin bleiben die SBB mit einem Anteil von 65 Prozent.

Die Beteiligung bedarf noch der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden. Der Entscheid wird im ersten Quartal 2020 erwartet.

Nach erfolgreicher Prüfung wird der Verwaltungsrat von SBB Cargo aus maximal sieben Mitgliedern bestehen. Davon stellen die SBB mindestens zwei Vertreter, weitere zwei kommen von Swiss Combi, nämlich Nils Planzer sowie Josef Jäger. Dazu kommt per viertes Quartal 2019 Eric Grob als unabhängiger Verwaltungsrat.

Internationales Geschäft nicht betroffen

Die an Swiss Combi beteiligten Unternehmen wollen künftig mehr Mengen auf der Schiene transportieren statt auf der Strasse, wie die SBB schreiben. SBB Cargo wolle zusätzlich neue Kunden gewinnen und die Auslastung erhöhen. Die Bahn sei für lange Distanzen zwischen Wirtschaftsräumen vorgesehen, die Strasse für die Feinverteilung zum Endkunden.

Heute transportiert SBB Cargo rund 30 Millionen Nettotonnen Güter imWagenladungs-, Ganzzugs- und im kombinierten Verkehr innerhalb der Schweiz - dies entspricht knapp 10'000 Lastwagenfahrten pro Tag.

Keine Auswirkungen hat die Teilprivatisierung auf das internationale Geschäft. Dieses war nicht Teil des Angebots. Im Frühjahr 2020 wird deshalb SBB Cargo International aus SBB Cargo herausgelöst und direkt der SBB unterstellt.

Von langer Hand geplant

Der Bundesrat hatte bereits im November 2017 in einem Bericht eine Teilprivatisierung von SBB Cargo angestossen. In den strategischen Zielen für die SBB für 2019 bis 2022 schrieb er im Dezember 2018, SBB Cargo solle sich für Minderheitsbeteiligungen öffnen. Ganz verselbstständigen will der Bundesrat SBB Cargo nicht. Nach Auffassung der Regierung bergen die vollständige Privatisierung oder eine Mehrheitsbeteiligung von Dritten das Risiko, dass das Angebot von SBB Cargo aus wirtschaftlichen Überlegungen abgebaut wird. Von einer Minderheitsbeteiligung dagegen verspricht sich der Bundesrat unternehmerische Impulse und eine bessere Kundenorientierung.

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) begrüsst die nun gefundene Lösung, wie es mitteilte. Die zum Konsortium gehörenden Schweizer Transportunternehmen brächten viel Erfahrung und Knowhow mit. Das Verkehrsdepartement bereitet mit dem Verlagerungsbericht 2019 ein Massnahmenpaket vor, um die Verlagerung der Güter auf der Schiene weiter zu stärken.

Im Sinne der Konsumenten

Der Schweizer Nutzfahrzeugverband Astag reagierte positiv auf die neue Partnerschaft. Die Beteiligung an SBB Cargo sei «zukunftsgerichtet» und «im Interesse von Wirtschaft, Konsumenten und Umwelt», heisst es in einer Mitteilung. Sie sichere eine zuverlässige und effiziente Versorgung.

«Es bringt der gesamten Branche weit mehr, den Schienenverkehr zu stärken, als den Strassentransport mit immer noch höheren Abgaben zu schwächen», liess sich Astag-Zentralpräsident und Nationalrat Adrian Amstutz (SVP/BE) in einer Mitteilung zitieren. Es brauche Strasse und Schiene, eine sogenannte Co-Modalität sei der Weg, um die Güterbahn zum Erfolg zurück zu bringen.

Klare Forderungen

Auch die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV begrüsste den Einstieg, stellte aber gleich Forderungen an den neuen Minderheitsaktionär. Dieser solle SBB Cargo selber zusätzliche Transportaufträge bringen und sich im Verwaltungsrat für eine Wachstumsstrategie einsetzen.

SEV-Gewerkschaftssekretär und Nationalrat Philipp Hadorn (SP/SO) hofft auf eine gute Sozialpartnerschaft, wie es in einer Mitteilung heisst. Er erwarte, dass das «fantasielose Streichen von Zustellpunkten und Schrumpfen des Einzelwagenladungsverkehrs» aufhöre.

fal/sda

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