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Corona-Medienkonferenz«Ansteckende Corona-Mutation breitet sich in der Schweiz aus»

Was die britische Variante für die Corona-Lage bedeutet und wie es an der Impffront weitergeht: Die Experten des Bundes informierten — wir berichten live.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Impfstoff des US-Pharmaunternehmens Moderna hat die Zulassung von Swissmedic erhalten.

  • Alle Schweizer Kantone haben mit der Corona-Impfung begonnen.

  • Der Bundesrat wird morgen Mittwoch über schärfere Massnahmen entscheiden.

  • Weil die ansteckendere britische Variante bereits in der Schweiz kursiert, zeigt sich der Bundesrat besorgt, dass es zu mehr Ansteckungen kommen könnte.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

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Zusammenfassung

Der Bund hat weiterhin wenig positive Nachrichten zur epidemiologischen Lage in der Schweiz. Zwar scheinen die Zahlen der Hospitalisationen und der Todesfälle etwas abzunehmen, jedoch bereitet die mutierte Virusform den Behörden grosse Sorgen.

Mittlerweile seien in der Schweiz 127 Fälle von Mutationen bekannt, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Bundeshausmedien. 86 betreffen demnach die Virusform aus Grossbritannien, 5 diejenige aus Südafrika. In 36 Fällen konnte die Mutation bisher nicht einem der beiden Firmen zugeschrieben werden.

Es sei «nicht ausgeschlossen», dass neue Mutationen dazukämen, sagte Mathys. Wahrscheinlich sei es aber, dass es sich bei den 36 Fällen um Mutationen aus Grossbritannien oder Südafrika handle. Die Sequentierung werde dies zeigen.

Mathys stellte klar, dass viele der registrierten Varianten keinen Link zu Reisen in die betroffenen Länder hätten. «Die Übertragung hat in der Schweiz stattgefunden.» Nicht mehr alle Übertragungsketten seien nachweisbar. Es sei nicht zu verhindern, dass sich das mutierte Virus weiter ausbreite. «Das Ziel muss es sein, dass die Ausbreitung so langsam wie möglich passiert.»

Es sei «nicht unwahrscheinlich», dass aktuell bereits 6 Prozent der positiven Proben das mutierte Virus betreffen, sagte Mathys. Breite sich die Mutation weiter aus, habe dies eine rasante Zunahme der Fallzahlen zur Folge. Das zeige ein Blick auf die meistbetroffenen Länder wie Irland.

Ende

Die Pressekonferenz ist beendet. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Frage: Wann kommen die Dosen der Initiative Covax?

Die Schweiz hat sich laut einem Journalist über die Initiative Covax zusätzlich drei Millionen Impfdosen gesichert. Wann werden diese Dosen geliefert? «Die Situation bei der Initiative Covax ist sehr komplex», antwortet Nora Kronig. «Bei der Initiative geht es auch darum, eine faire Verteilung des Impfstoffs weltweit zu garantieren. Wir rechnen daher nicht mit einer baldigen Lieferung.»

Frage: Können Hausärzte den Moderna-Impfstoff verabreichen?

Ein Journalist wirft ein, dass die Kühlung des Impfstoffs von Moderna weniger heikel sei bei der Kühlung als jener von Biontech und Pfinzer. Kann dieser deswegen auch in Arztpraxen verabreicht werden? «Die beiden Impfstoffe haben ähnliche Eigenschaften betreffend Lagerung», erläutert Nora Kronig.

Es gebe bereits Arztpraxen, die sich mit der Lagerung der Impfstoffe beschäftigen. «Eine Ausbreitung auf Arztpraxen wird es aber erst zu einem späteren Zeitpunkt geben.»

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Mit der Spritze wird ein digitaler Impfausweis ausgestellt. Das alte Papier wird auf Wunsch eingelesen. Was kostet das? Warum geht das Geld an eine Stiftung? Und gibt es das Vakzin nur mit E-Ausweis?
Millionen Schweizer bekommen ein digitales Impfbüchlein
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Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Frage: Sind flächendeckendere Tests in Altersheimen geplant?

«Wir sehen eine gewisse Möglichkeite, in Alters- und Pflegeheimen auch flächendeckender zu testen», sagt Patrick Mathys. Schnelltests seien in den Heimen ja bereits im Einsatz. «Pläne für flächendeckende Tests sind noch nicht spruchreif. Wir möchten jedoch künftig Infizierte ohne Symptome mit Screening-Methoden erkennen.»

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Die Mehrheit der Menschen, die in der Schweiz an Corona sterben, haben in einem Heim gelebt. Ist das Virus einmal eingeschleppt, sind die Bewohner nicht mehr sicher.
Die Vulnerabelsten leben im Heim
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Foto: Christian Pfander

Frage: Wieso gibt es noch kein Impfmonitoring?

«Der nationale Impfstart war erst am 4. Januar. Der letzte Kanton hat erst gestern mit dem Impfen begonnen», antwortet Nora Kronig. «Das ist erst eine kurze Phase für das Monitoring.»

Der Bund lege grossen Wert darauf, dass die Datensicherheit gegeben sei. «Die Datenerhebung muss sich nun erst aufbauen.»

Frage: Was möchte Mathys den Gastronomen sagen?

«Wenn wir die Massnahmen lockern würden, würden die Fallzahlen wieder zunehmen», erklärt Patrick Mathys. Dies sei momentan also nicht sinnvoll. «Vor allem mit Hinblick auf die neue Varianten.»

Laut Mathys sind verschärfte oder weitere Massnahmen nun realistischer.

Frage: Wann wird der nächste Impfstoff zugelassen?

«Es ist sehr schwierig eine Prognose zu stellen. Es kann Wochen dauern», sagt Philippe Girard. Der Prozess sehr stark davon abhängig, was für Daten man von den Pharmaunternehmen erhalte.

Foto: Keystone
Frage: Sind Kantone aufs Impfen vorbereitet?

«Es wird nicht überall gleichzeitig und gleich schnell geimpft werden können», gibt Linda Nartey zu.

Die Kantonsärztin wird erneut auf die Situation in Wengen angesprochen. «Die Ausbreitung im Skiort konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den einen Fall der Mutation zurückgeführt werden», antwortet Nartey. Man sei aber noch dran, die epidemiologischen Daten aufzuarbeiten.

Frage: Sind die Fallzahlen über die Feiertage gestiegen?

«Bisher können wir anhand der aktuell verfügbaren Daten keinen Anstieg über die Feiertage erkennen», antwortet Mathys. Er erwarte, dass die Zahlen vergleichbar mit diesen vor Weihnachten sein werden. «Aber wie sich der Jahreswechsel ausgewirkt hat, können wir noch nicht sagen.» Deswegen sei er noch nicht wirklich optimistisch.

Frage: Gibt es eine weitere Virus-Variante in der Schweiz?

Laut Patrick Mathys wurden bisher 36 Mutation entdeckt, die bislang weder der Variante aus Grossbritannien noch der Variante aus Südafrika zugewiesen werden konnten. Dabei handle es sich jedoch nicht um eine neue Variante, sagt Mathys. «Das angewendete Verfahren konnte die Proben lediglich noch nicht abschliessend einer Variante zuordnen

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Foto: Keystone

Frage: Sucht der Bund gezielt nach den Mutationen?

«Die Überwachung und die Suche der Infektionen mit einer mutierten Virus-Variante basiert auf zwei Ansätzen», erklärt Patrick Mathys. «Einerseits ist es wirklich ein Stochern im Heuhaufen mit Stichproben. Andererseits suchen wir aber auch da, wo eine Verlinkung der Fälle zu erkennen ist.» Dort könnte dann beispielsweise mit dem Contact-Tracing angesetzt werden.

Frage: Wieso gibt es in den Kantonen unterschiedliche Impfkriterien?

Einer Journalistin zufolge gibt es in den Kantonen unterschiedliche Impfkriterien. So sei das Alter für gefährdete Personen unterschiedlich definiert. «Dafür könnten logistische Gründe verantwortlich sein», sagt Linda Nartey. Abschliessend könne sie diese Frage jedoch nicht beantworten.

Frage: Welchen Impfstoff erhalten die Patienten?

Laut Berger sind sich die beiden Impfstoffe von Biontech/Pfinzer und Moderna sehr ähnlich. «Es hat nun Priorität, dass die gefährdeten Personen geimpft werden. Welchen Impfstoff man dabei erhält ist unwichtig.»

Berger erwähnt dabei auch die logistischen Herausforderungen.

Frage: Wieso erwähnt Mathys den sinkenden 7-Tages-Wert nicht?

Gemäss einem Journalist ist der 7-Tages-Wert der Infektionen in der Schweiz um 6 Prozent gesunden. Patrick Mathys sagt dazu, dass die Zahlen nach wie vor mit Vorsicht zu geniessen seien. «Das Ziel ist, die Fallzahlen deutlich zu senken. Das ist bisher nicht geschehen.»

Auch im Hinblick auf die neuen Varianten könne man noch nicht positiv gestimmt sein. «Die gute Nachricht ist aber der sichtbare Rückgang bei den Spitaleinweisungen und bei den Todeszahlen», sagt Mathys.

Frage: Ist der Impfstoff auch gegen die Virus-Mutationen wirksam?

«Dazu haben wir noch nicht ausreichend Daten», antwortet Philippe Girard von Swissmedic.

Frage: Was bedeutet die Zulassung des Impfstoffs von Moderna?

Nun können die anwesenden Journalisten Fragen stellen. «Diese Zulassung ist extrem willkommen», antwortet Christoph Berger. Es sei nun möglich, die Impfdosen stark zu erhöhen und die Bevölkerung rascher zu impfen.

Laut Girard ist die Kritik, dass die Schweiz die Zulassung des Impfstoff verschleppt habe, nicht gerechtfertigt.

«Der Druck auf das Gesundheitspersonal ist nach wie vor hoch»

Abschliessend spricht Linda Nartey. «Der Druck auf das Gesundheitspersonal ist nach wie vor hoch», sagt Nartey. «Es ist daher wichtig, dass man sich weiterhin an die Massnahmen des Bundes hält.» Auch die Kantone wurden aufgerufen, das Contact-Tracing weiterhin eng zu verfolgen.

Die Übertragung der Mutationen gehe schnell vor sich, was eine beunruhigende Situation kreiere. Dies zeige sich auch an der Situation in Wengen.

Foto: PD
«Es ist sehr wichtig, dass jetzt die gefährdeten Personen geimpft werden.»

In der neuen Impfempfehlung zum Impfstoff von Moderna hat das BAG laut Christoph Berger detaillierte Informationen für Schwangere, Allergiker festgehalten. Dies hat jedoch keine Auswirkung auf die Impfstrategie und die definierten Zielgruppen, die als erstes den Impfstoff erhalten sollen. «Es ist sehr wichtig, dass jetzt möglichst rasch die gefährdeten Personen geimpft werden.», sagt Berger.

Die restliche Bevölkerung bittet er um Geduld. Sie soll den Risikogruppen den Vorrang lassen.

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Foto: Frank Hoermann und Sven Simon (Keystone)

«Im Februar erhalten wir eine Million Impfdosen.»

«Zu Beginn werden wir sicherlich zu wenig Impfstoff haben», sagt nun Nora Kronig vom BAG. «Morgen werden aber bereits 200'000 weitere Impfdosen in der Schweiz ankommen. Im Februar erhalten wir zusätzlich eine Million Dosen.»

Das Impfen ist die Aufgabe der Kantone. Das BAG wartet laut Kronig noch auf die genauen Angaben, wie viele Personen in den Kantonen bisher tatsächlich geimpft werden konnten. «Es ist aber positiv, dass sich so viele Personen gegen das Coronavirus impfen lassen möchten.»

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SDA

130 Kommentare
    Johannes Iberias

    In Europa hat die Schweiz seit Wochen die höchsten Ansteckungen pro 100 000 Ew und die Zweithöchste Todesarten. Doch es wird geredet, debattiert bis zum „Gehtnichtmehr“ und die Politik hält es nicht für zumutbar wirksame Maßnahmen umzusetzen, die vielerorts in Europa mit Erfolg zum Schutz der Bevölkerung, Wirtschaft und zur Stabilisierung der sozialen Situation eingesetzt wurden.