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Thuner Stadtwanderung Etappe 4Von Amerika durch Auen zur Burg

Von Allmendingen führt die vierte Etappe der Thuner Grenzwanderung durch das zauberhafte Glütschbachtal bis zur stolzen Strättligburg. Zu bestaunen gibt es Natur pur – aber nicht nur.

Naturschützerin Suzanne Albrecht mit Terrier Roony: «Das Glütschbachtal ist ein wertvolles Naherholungsgebiet.»
Naturschützerin Suzanne Albrecht mit Terrier Roony: «Das Glütschbachtal ist ein wertvolles Naherholungsgebiet.»
Foto: Godi Huber

Amerika in Allmendingen? In der Landeskarte steht das so, und der Name gibt zu Beginn der vierten Etappe der Umrundung von Thun Rätsel auf. Jon Keller, ehemaliger Stadtarchivar, hat eine Erklärung. Man gehe davon aus, dass seinerzeit Allmendinger ins ferne Amerika ausgewandert seien, worauf das Gebiet die Ortsbezeichnung «Amerika» erhalten habe. Aus dem gleichen Grund gebe es auch ein «Kaliforni» in Heimberg.

Rätsel gelöst; los geht es entlang der Gemeindegrenze ins Glütschbachtal. Hier erwarten uns eine mystische Landschaft und ein spannendes Stück Thuner Geschichte. Mit dabei Suzanne Albrecht, Landschaftsarchitektin und Präsidentin von Pro Natura Region Thun.

Die Tropfsteinhöhle im Glütschbachtal gilt als Kraftort.
Die Tropfsteinhöhle im Glütschbachtal gilt als Kraftort.
Foto: Godi Huber

Ein leichter Nebel schwebt über den Gräsern und Sträuchern, das Grün der Bäume spiegelt sich im Wasser. «Idyllisch», findet Naturschützerin Albrecht, und entdeckt gleich neben der Strasse im Glütschbach einen Damm aus Ästen. Davor staut sich der Bach zu einer zauberhaften Auenlandschaft.

Da waren Biber am Werk. Diese Nagetiere seien ausgezeichnete Naturschützer, erklärt Albrecht. Wo der Biber lebt, sind auch Amphibien, Libellen, Fische und Eisvögel nicht weit.

Die Kander im Glütschbachtal

Geschaffen wurde die Auenlandschaft im Glütschbachtal vor über 300 Jahren durch die Kander. Damals floss die Kander hinter dem Strättlighügel über die Thuner Allmend in die Aare. Mit dem Durchstich im Jahr 1714 wurde der Lauf der Kander von Menschenhand in Richtung Thunersee abgelenkt. Zurück blieb ein kleines Tal, das sich in eine Märchenlandschaft verwandelte und in dem bis heute der Glütschbach als kleiner Bruder der grossen Kander plätschert.

Der Unterlauf der Kander bildet die Grenze zwischen Thun und Spiez.
Der Unterlauf der Kander bildet die Grenze zwischen Thun und Spiez.
Foto: Godi Huber

Bumm – gedämpfter Kanonendonner schreckt uns aus der Reise in die Vergangenheit auf. Geschossen wird im Schiesstunnel, den das Verteidigungsdepartement zur Eindämmung des Schiesslärms ins Glütschbachtal gebaut hatte. Kurz darauf knallt es auch in der Schiessanlage Guntelsey. Auch sie wurde an den Rand der Stadt in den Wald gebaut.

Natürlich wäre ihr ein in allen Teilen intaktes Glütschbachtal lieber, sagt Suzanne Albrecht. Aber als Naherholungsraum sei das Gebiet nach wie vor sehr wertvoll und auch interessant.

Wir machen vor den Tropfsteinhöhlen Wässerliloch halt. Wasser tropft aus der Nagelfluh, und die Kalkablagerungen bilden geheimnisvolle Figuren. Es darf davon ausgegangen werden, dass auch diese Höhlen einst von der hochgehenden Kander ausgewaschen wurden. Für nicht wenige ist es ein Kraftort. Und für Familien hat es Grillplätze gleich daneben.

Schneckentempo neben der Autobahn

Ein aufgescheuchter Hase jagt durchs Unterholz, und Suzanne Albrecht bückt sich ins Gras. Eine Orchidee, unscheinbar am Wegrand, wartet darauf, fotografiert zu werden. Der Glütschbachwald sei ein Hotspot für Orchideen, weiss die Pro-Natura-Präsidentin. Sieben verschiedene Arten an rund 30 Standorten seien bislang registriert worden.

Der Schiesslärm verhallt, und die Geräusche der Autobahn nehmen zu. Als die Menschen zunehmend automobiler wurden, bauten sie auch die Nationalstrasse in dieses Tal, weil es noch Platz hatte. Ich spaziere im Tempo einer Schnecke neben den vorbeidüsenden Fahrzeugen her und erreiche das Hani. Dort gehts nach links über die A6, und wenig später steige ich ein Stück zum «neuen» Lauf der Kander ab.

In der Kander, beim Durchstich, verläuft die Grenze zwischen Thun und Spiez, womit auch dieser spezielle Grenzverlauf erkundet wäre.

Die Strättligburg – einst ein Bollwerk, heute ein Eventlokal.
Die Strättligburg – einst ein Bollwerk, heute ein Eventlokal.
Foto: Godi Huber

Burg wird Eventlokal

Zurück geht es zur Strättligburg. Stolz steht sie auf dem Strättlighügel und bietet einen prächtigen Ausblick auf See und Stadt. In alter Zeit war die Burg der Mittelpunkt der Herrschaft Strättligen. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bern und Habsburgern wurde die Burg arg in Mitleidenschaft gezogen. 1699 erfolgte der Wiederaufbau und die Nutzung als Pulverturm.

2014 hat die Stadt Thun die Strättligburg saniert, und heute kann das mittelalterliche Bollwerk beim Amt für Stadtliegenschaften für Events verschiedenster Art gemietet werden.

Tipp: Das Glütschbachtal bietet sich auch für eine kurze Wanderung in Stadtnähe an. Empfohlene Strecke: Allmendingen Wendeplatz – Guntelsey – Strättlighügel Gwatt. Länge 7 km. Gehzeit 2:10 Stunden.

Serie Rund um Thun: In fünf Etappen umrundet Autor Godi Huber die Gemeinde Thun entlang ihrer Grenze. Gestern Mittwoch war er von Allmendingen zur Strättligburg unterwegs. Heute Donnerstag marschiert er zum Abschluss von der Strättligburg in die Schadau. Wir berichten täglich über die Etappen der Grenzwanderung.