Wackers Ankunft in der Parallel-Realität

Gelitten, gewankt, gekämpft: Wacker gewinnt beim 26:26 in Zürich bloss einen Punkt. In der aktuellen Besetzung sind die Thuner nicht der Gigant, für den man sie hält.

Mit Löwenherz im Mammutprogramm: Reto Friedli.

Mit Löwenherz im Mammutprogramm: Reto Friedli.

(Bild: Daniel Teuscher)

Adrian Horn

Rasten können Staff und Akteure Wacker Thuns gegenwärtig maximal an Raststätten. 4 Spiele bestreiten sie gerade innert 10 Tagen, keins davon in ihrer eigentlichen Bleibe, der Lachenhalle. 44 Stunden und ein Training blieben den Berner Oberländern jüngst dafür, sich nach der Champions-League-Partie in Gümligen zu erholen und sich gleichzeitig auf den Meisterschaftsmatch in Zürich vorzubereiten. Das reichte offensichtlich nicht.

Bloss einen Punkt sicherte sich der Tabellenführer am Samstag beim bis dahin als Schlusslicht figurierenden GC. Bemerkenswert sind die Parallelen zwischen jenem Remis und jenem zwei Tage zuvor im Rahmen der Königsklasse gegen Riihimäen Cocks. Wieder endete eine Begegnung 26:26, welche die Thuner als Favoriten in Angriff genommen hatten. Und erneut mussten diese letztlich froh sein, nicht verloren zu haben, waren sie doch lange in Rückstand gelegen.

Im Aufeinandertreffen mit GC deutete 110 Sekunden vor Schluss alles auf einen Coup der Hausherren hin. 26:24 führten diese, Jonas Dähler hatte gerade eine Chance auf den Anschlusstreffer liegen gelassen, genauso wie davor Nicolas Suter, der einen Strafwurf nicht verwertet hatte, womit zum vierten Mal ein Thuner per Penalty gescheitert war.

Wackers Leute aber beweisen ein Löwenherz, während sie das Mammutprogramm bewältigen. In den letzten fünf Minuten in Zürich liessen sie kein Tor zu, was die neuerliche Aufholjagd begünstigte. Thomas Lanz und Simon Huwyler trafen mittels Gegenstoss, und wären die Gäste kurz vor Ablauf der Spielzeit bei einem weiteren Konter nicht auf umstrittene Weise gestoppt worden, hätte sich ihnen gar noch die Möglichkeit zum Sieg geboten.

Überzeugend aber war der Vortrag nicht, auch wenn die Oberländer weit besser verteidigten, als sie dies zuletzt ein paarmal getan hatten. Anzusehen war die Müdigkeit vorab Nicolas Suter, dem Schlüsselspieler, dem vergleichsweise wenig gelang. Unverändert nicht den ganz grossen Einfluss auf das Spiel hat Zuzug Phillip Holm.

Und Marco Giovanelli erwischte einen schlechten Tag, der Linkshänder vermochte die sich ihm gebotene Chance im zweiten Teil der ersten Halbzeit nicht zu nutzen. Werbung in eigener Sache betrieben derweil Lanz, der kein einziges Mal verwarf, und Ivan Wyttenbach, der öfter in den Abschluss ging als aus den Darbietungen davor gewohnt und mit sechs Treffern produktivster Thuner war.

Vier Nationalspieler fehlen

Der Zürcher Punktgewinn wird gemeinhin als Überraschung gewertet, im Teletext etwa war die Schreibe davon, dass GC Wacker einen Zähler abgeknöpft habe, die Nachrichtenagentur SDA berichtete von einem «bemerkenswerten Ergebnis gegen den Branchenprimus».

Meister sind die Oberländer, Tabellenführer und Champions-League-Teilnehmer, und damit sind sie freilich der Club, an dem die Konkurrenz gemessen wird. In der Besetzung vom Samstag aber ist Martin Rubins Team gewiss kein Gigant. Mit Nicolas Raemy, Marc Winkler, Luca Linder und dem sich mit Schulterproblemen her­umschlagenden Stefan Huwyler fehlten vier Nationalspieler.

Und Widersacher GC hat nicht mehr viel mit jenem Ensemble gemein, das letzte Saison um den Ligaerhalt bangen musste. Die Zürcher beschäftigen mit Albin Alili, Sergio Muggli und Mathias Kasapidis Schweizer Handballer von Format und überdies routinierte Kräfte aus dem Ausland, wie etwa Keeper Nikola Marinovic. Sie sind ein Kandidat auf einen Platz in der Finalrunde. Insofern ist das Remis aus Wacker-Sicht möglicherweise nicht der Rückschlag, für den man es halten könnte.

Berner Zeitung

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