Warten auf Asyl - angespannte Lage für Migranten auf Lesbos

Lesbos, Mitte März 2018.Vor drei Monaten haben Ahmad Alobeidy, seine schwangere Frau und seine Schwester ihren Weg auf die griechische Insel gefunden, aus dem Irak, so erzählt Ahmad. Sie sind drei von Tausenden Asylsuchenden, die derzeit auf den Inseln Griechenlands festsitzen. Wie viele von ihnen leben auch Ahmad und seine Familie in einem Behelfslager ohne Duschen, ohne fließend Wasser in einem Olivenhain außerhalb des eigentlichen Lagers von Moria.Das Camp, ein ehemaliges Gefängnis, ist für 3000 Menschen ausgelegt - mehr als 5000 leben dort tatsächlich. Hinzu kommen 2000 Flüchtlinge und Migranten, die auf Lesbos außerhalb von Moria Zuflucht gesucht haben, so wie die Alobeidys. In Griechenland sind Plätze in offiziellen Flüchtlingslagern laut Vereinten Nationen äußerst knapp.Ahmad ist sunnitischer Muslim, seine Frau ist Schiitin. Er habe seine Heimat Irak verlassen, so sagt er, nachdem religiöse Anfeindungen zugenommen hätten. Was er hier auf Lesbos erlebe, stelle das Geschehen in seiner Heimat aber in den Schatten.Das Wichtigste ist, dass wir hier wegkommen. Meine Frau hat früher in Deutschland gelebt. Ich habe an die deutsche Regierung, besonders an die Kanzlerin Merkel appeliert, uns hier rauszuholen, damit wir in Frieden leben können. Deutschland soll sich der Situation der Menschen hier bewusst werden.Im März vor zwei Jahren hatte die Europäische Union mit der Türkei ein Abkommen geschlossen, um den Zustrom in die EU zu begrenzen. Migranten, die die griechischen Inseln erreichen, müssen nun zurück in die Türkei geschickt werden - es sei denn, sie erfüllen die Kritiern zur Gewährung von Asyl. Die Entscheidung der Behörden aber kann Monate dauern.Auf Lesbos demonstrieren immer wieder Flüchtlinge, Einheimische und freiwililge Helfer gegen den sogenannten Flüchtlingsdeal.Im Juni wird Ahmad sein Asylgesuch in den Athen vortragen können, in einem sogenannten Asylinterview. Bis dahin muss auch seine schwangere Frau in dem kleinen, zugigen Zelt ausharren. Hinzu kommen Spannungen, die unter den Asylsuchenden immer wieder in Gewalt umschlagen.Manche Asylsuchende berichten, dass nur Teilen der Familie ein Aufenthaltsrecht gewährt wird. Ohne die alten Eltern etwa oder die Geschwister, wollen sie aber nicht aufs Festland weiterreisen. So sehen sich viele gezwungen zu bleiben.Efi Latsoudi hat kürzlich eine Demonstrationen zur Unterstützung von Menschen wie Ahamad Alobeidy organisiert. Sie sagt, die Fremdenfeindlichkeit auf der Insel nehme zu.Wie ihre Zukunft aussieht? Werden sie in Griechenland bleiben oder werden sie abgeschoben? Dürfen sie aufs Festland reisen? Nichts ist sicher, das ist unmenschlich. Es ist unmenschlich, für eine längere Zeit unter diesen Umständen leben zu müssen.Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen kamen in den ersten drei Monaten des Jahres mehr als 4200 Asylsuchende nach Griechenland. Die Direktorin des UNHCR auf Lesbos, Astrid Castelain, findet, dass mehr Hilfe von Seiten der EU gebraucht wird, um schneller über Asylverfahren zu entscheiden - vor allem mit Blick auf jene, die zusätzlich jede Woche auf die Insel kommen. Für sie, so sagt sie, gebe es schlichtweg keinen Ort zum Bleiben.

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