Was die ARA nicht klärt

Aarwangen

Auch im Auslauf der Abwasserreinigungsanlage der Zala AG in Aarwangen wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gemessen. Die biologische Belastung aber sank.

Gegen Mikrostoffe kann sie kaum etwas ausrichten: Die Anlage des Zusammenschlusses der Abwasserregion Langetental in Aarwangen.

Gegen Mikrostoffe kann sie kaum etwas ausrichten: Die Anlage des Zusammenschlusses der Abwasserregion Langetental in Aarwangen.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Dass Kläranlagen aus verschmutztem Abwasser nicht gänzlich unbelastetes Trink­wasser machen können: Logisch. Mikroverunreinigungen werden die Überbleibsel von organischen Chemikalien im Wasser genannt, die auch moderne Kläranlagen nicht gänzlich rausfiltern können. Dazu, die Belastung solcher Mikroverunreinigungen im Abwasser zu reduzieren, werden viele ARA schweizweit bis Ende 2040 nachgerüstet.

Auch in der Region Oberaargau läuft eine Regionalstudie zur Abwasserentsorgung. Grund dafür ist die Vorgabe, welche die ARA Herzogenbuchsee erhalten hat: Sie muss dafür sorgen, dass weniger Mi­krostoffe in die Önz gelangen. Das bedeutet entweder den Bau einer zusätzlichen Anlage oder der Anschluss an eine andere ARA.

Die Regionalstudie klärt im Oberaargau die Ausgangslage für die gesamte Region, betroffen sind also auch die ARA Wangen-Wiedlisbach, Eymatte und eventuell auch Murg. Nach einer ersten Phase 2017 geht es nun heuer darum, die Lösungsansätze weiter auszuarbeiten. Ergebnisse sind noch keine bekannt.

Belastetes Abwasser

Auch Pflanzenschutzmittel fallen unter den Oberbegriff Mikroverunreinigungen. Wie viel davon in Schweizer Gewässern schwimmt, lässt sich nur er­ahnen. Teilweise Antworten liefert das Monitoring des Berner Pflanzenschutzprojekts, das im vergangenen Jahr zwei Bäche und den Auslauf dreier ARA sehr genau überwachte (siehe Box).

Nachdem das kantonale Gewässer- und Bodenschutzlabor zu Beginn des Monats die Ergebnisse veröffentlicht hat, ist klar, wie es um die Abwässer in der Region – zwischen Eriswil, Berken und Schwarzhäusern – steht. Oder zumindest, wie es um sie stand, als zwischen März und Oktober letzten Jahres Proben genommen wurden. Es handelt sich dabei um das Einzugsgebiet des Zu­sammenschlusses der Abwasserregion Langetental (Zala AG).

Nebst den ARA Ins und Lyss schneidet jene in Aarwangen mit Blick auf chemische Belastungen besser ab. Während in den anderen beiden Anlagen 21 respektive 10 Stoffe in kritischer Konzentration gemessen wurden, zählten die Probensammler im Ausfluss in der Eymatt gegen die Aare hin deren 7: Überreste von Insektiziden wie Chlorpyrifos, Diazinon, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam sowie vom Unkrautbekämpfungsmittel Diuron oder vom Herbizid Nicosulfuron.

Fische sind kaum tangiert

Errechnet hat das kantonale Labor, wie es den Bewohnern der Fliessgewässer in Abhängigkeit von der Konzentration der be­lastenden Stoffen geht, denen sie ausgesetzt sind: Algen und Wirbellose sind demnach in der Eymatte mässig bis stark belastet, Fische hingegen kaum bis gar nicht.

Dazu passt, dass die durchschnittliche biologische Belastung der Zala-Anlage 2017 deutlich gesunken ist: Sie lag, ver­glichen mit den Werten der letzten vier Jahre, 7 bis 21 Prozent tiefer, gibt die Zala AG in ihrem Jahresbericht an. Der Rückgang des Materials beobachtet man in Aarwangen seit Herbst 2016. Noch gibt es keine Erklärung dafür. Um zu klären, wo diese sogenannten Frachten herkommen, führt man heuer an einigen Stellen Messungen durch. Es ist eben doch noch vieles unklar rund um die Gewässerverschmutzung.

Langenthaler Tagblatt

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