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Geldblog: Risiken beim KonzernumbauWas tun mit meinen Implenia-Aktien?

Obwohl der Baukonzern mit dem angekündigten Umbau die Marge stärken kann, bleibt die tiefe Eigenkapitalquote riskant.

Nichts für schwache Nerven: Sicherheitsbedachte Anleger sollten ihre Implenia-Aktien besser verkaufen.
Nichts für schwache Nerven: Sicherheitsbedachte Anleger sollten ihre Implenia-Aktien besser verkaufen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich besitze Aktien von Implenia, deren Kurs sich seit einiger Zeit nur noch nach unten bewegt. Was raten Sie mir? Wie schätzen Sie diese Aktie ein? Leserfrage von R.M.

Der Baukonzern Implenia hat aufgrund einer seit langem enttäuschenden Geschäftsentwicklung einen riesigen Umbau des eigenen Unternehmens in die Wege geleitet. Dabei ist vorgesehen, dass sich der Konzern von Bereichen trennt, die rote Zahlen schreiben oder margenmässig uninteressant sind. Ganze Bereiche sollen abgestossen werden. Im Zuge des Generalumbaus werden Stellen gestrichen und selbst Entlassungen wurden angekündigt. Betroffen sind bis 2023 bis zu 2000 Vollzeitstellen – fast ein Fünftel des gesamten Mitarbeiterbestandes, wobei rund 750 Entlassungen erwartet werden, davon 250 in der Schweiz. Rund 1250 Stellen sollen im Rahmen der angekündigten Unternehmensteilverkäufen an neue Besitzer übergehen.

Hintergrund dieser Massnahmen ist das Ziel des Konzerns, das Geschäft auf integrierte Bau- und Immobiliendienstleistungen in der Schweiz und in Deutschland zu fokussieren. Nur der Tunnelbau und damit verbundene Infrastrukturprojekte sollen auch in anderen Märkten weitergeführt werden. Betroffen von den Umbaumassnahmen sind in erster Linie die Märkte Schweden, Norwegen, Österreich und Rumänien. Hier sollen im Bereich Tiefbau und Infrastrukturprojekte der Strassen-, Wasser-, oder Bahnbau Bereiche wie Spezialfundamente verkauft werden.

All die geplanten Restrukturierungen sollen bis 2023 Einsparungen von mehr als 50 Millionen Franken jährlich möglich machen. Das gebundene Kapital soll um rund 20 Prozent sinken. Dies hat aber kurzfristig negative Folgen, da Implenia mit rund 60 Millionen Franken Restrukturierungskosten rechnet. Auch wurden 200 Millionen Franken an Wertberichtigungen kommuniziert, welche aus Projekten stammen, die vor dem letzten Jahr gestartet wurden, so etwa in Schweden.

Im Klartext: Da darf nicht mehr viel schief gehen.

Neben den hausgemachten Problemen belastet zusätzlich die Coronakrise mit rund 50 Millionen Franken. Für Sie als Aktionär ist das Bestreben von Implenia, im fortgeführten Geschäft eine bessere Marge zu erreichen und die Kostenkontrolle auch während der laufenden Projekte besser zu führen, grundsätzlich positiv. Der Weg dahin ist aber langwierig und teuer, was von den Aktionärinnen und Aktionären erneut viel Geduld erfordert.

Im laufenden Jahr erwartet Implenia denn auch rote Zahlen und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von minus 70 Millionen Franken. Auf Basis Betriebsergebnis, Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), wäre dies ein immenser Verlust von 200 Millionen Franken. Positiv ist, dass Implenia im 2021 mit einem Betriebsergebnis von mehr als 100 Millionen Franken rechnet und der Auftragsbestand weiter hoch ist. Die nun eingeleiteten Strategieänderungen stufe ich als sinnvoll ein und ich traue es der neuen Konzernführung zu, dass sie dank der Restrukturierung die angestrebten Ziele erreichen kann.

Das eigentliche Problem sehe ich bei Implenia indes bei der Kapitaldecke. Die Eigenkapitalquote fällt gemäss Implenia in diesem Jahr auf nur noch knapp über 10 Prozent. Das ist sehr bescheiden und aus meiner Sicht problematisch. Zwar stellt der Baukonzern in Aussicht, dass die Eigenkapitalquote im Zuge der angekündigten Umbaumassnahmen und Verkäufe in den nächsten zwei Jahren wieder auf über 20 Prozent steigen wird. Dies ist aber auch nicht sehr robust und schon gar nicht garantiert.

Angesichts der dünnen Eigenkapitaldecke hätte der Konzern eigentlich Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis vornehmen sollen. Da dies nicht geschehen ist, bleibt es vorderhand bei dieser tiefen Eigenkapitalquote. Im Klartext: Da darf nicht mehr viel schief gehen.

Aus der Sicht von Privatanlegern stufe ich die Implenia-Aktien daher trotz der eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen als hoch riskant ein. Nach dem starken Kurseinbruch ist eine Erholung durchaus möglich. Wenn Sie die beträchtlichen Risiken wegen der tiefen Eigenkapitalquote aber nicht
eingehen wollen und können, müssen Sie sich von diesen Titeln wohl trennen.

2 Kommentare
    Thomas Biasio

    Mein Tipp: Sie hätten die Aktie vor dem Kurssturz verkaufen sollen.