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SommerserieWenn Jets die Schallgrenze durchbrechen

Er hat die Schallgrenze schon viele Male durchbrochen: Berufsmilitärpilot Cyril Johner. Überschallflüge erzeugen ein lautes Phänomen: den Überschallknall.

Cyril Johner, Berufsmilitärpilot und Major im Generalstab (auf dem Militärflugplatz Emmen), hat schon oft die Schallgrenze durchbrochen.
Cyril Johner, Berufsmilitärpilot und Major im Generalstab (auf dem Militärflugplatz Emmen), hat schon oft die Schallgrenze durchbrochen.
Foto: Hans Peter Roth

Explosion? Ein lauter Donnerknall lässt Scheiben erzittern. Der prüfende Blick nach oben schafft bei gutem Wetter sofort Gewissheit: Keine Explosion; es ist ein Überschallknall. Ein weisser Kondensstreifen durchzieht den Himmel, gezeichnet von einem sehr schnell fliegenden Jet. Bei genauem Hinschauen ist das Flugzeug in grosser Höhe von blossem Auge erkennbar.

Es ist schon eine bedeutende Strecke über den Betrachter hinweggeflogen. Der F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe fliegt im Rahmen einer Luftpolizei- oder Luftkampfmission mit Überschallgeschwindigkeit. Dessen Überschallknall ist per Definition «die hörbare Auswirkung der Stosswelle», die auftritt, wenn ein Flugzeug schneller fliegt, als sich Schallwellen ausbreiten können – eben in «Überschall».

«Überschallflüge sind für die Pilotenausbildung wichtig, da sich im Überschallflug physikalische Grössen verändern», erklärt Cyril Johner. Der Berufsmilitärpilot meint damit zum Beispiel, dass man bei solch hohen Geschwindigkeiten Radien (Bögen) weniger eng fliegen kann oder dass die Reichweite von Lenkwaffen vergrössert wird.

Laut, aber ungefährlich

«Weiter muss die Luftwaffe jederzeit Überschall fliegen können», ergänzt der Major im Generalstab: «Denn im kleinen Schweizer Luftraum sind die Vorwarnzeiten entsprechend kurz.» Das heisst: «Wenn Schweizer Kampfjets ein Flugzeug im Schweizer Luftraum rechtzeitig einholen wollen, müssen sie Überschall fliegen können.»

Immerhin fliegt die Luftwaffe pro Jahr 20 bis 40 solcher «Hot Missions», wie diese Einsätze genannt werden. Sie erfolgen zur Begleitung von Flugzeugen, die absichtlich oder versehentlich die Lufthoheit verletzen, die Luftverkehrsregeln missachten oder in Not sind. Durch Übungs- und Testflüge oder eben «Hot Missions» ausgelöste Überschallknalle können die Bevölkerung gehörig erschrecken.

2800 Flugstunden

Jeder Überschallflug benötigt eine Bewilligung der Operationszentrale der Luftwaffe, betont Johner: «Zudem sind Überschallflüge im Trainingsbetrieb nur in bestimmten Gebieten und ab einer Höhe von 11'000 Metern zulässig.» Seit seiner Brevetierung 2009 ist er in die Fliegerstaffel 11 in Meiringen eingeteilt und hat mittlerweile rund 2800 militärische Flugstunden absolviert.

Ein F/A-18 der Schweizer Luftwaffe durchbricht die Schallgrenze und erzeugt dabei eine Stosswelle. Diese komprimiert die Luft und ist auch optisch sichtbar.
Ein F/A-18 der Schweizer Luftwaffe durchbricht die Schallgrenze und erzeugt dabei eine Stosswelle. Diese komprimiert die Luft und ist auch optisch sichtbar.
Foto: PD

Der Flugplatz Meiringen im engen Oberhasli mit seinen besonderen meteorologischen Bedingungen sei eine Herausforderung für sich, sagt der 37-Jährige, «vor allem bei der Landung, mit einem im Instrumentenflug vorausgehenden 11 Grad steilen Anflugwinkel». Die Schallgrenze hat Cyril Johner, der seit Frühling 2017 auch das «PC-7 TEAM» leitet, schon viele Male durchbrochen. «Im F/A-18 merkt man davon, abgesehen von einem akustischen Signal, nicht viel.»

«Der Flugplatz Meiringen im engen Oberhasli mit seinen besonderen meteorologischen Bedingungen ist eine Herausforderung für sich.»

Militärpilot Cyril Johner

Überschallflüge – im Juli und August wird darauf zu Trainingszwecken über Naherholungsgebieten sowie im Winter bei erhöhter Lawinengefahr übrigens verzichtet* – gehörten «zum Syllabus eines angehenden Militärpiloten und sind für jeden Piloten etwas Spezielles», so Cyril Johner weiter: «Gefeiert werden diese aber nicht.»

Auch nach elf Jahren ist seine Faszination am Fliegen «an der Grenze der Aerodynamik, an der sportlichen Herausforderung sowie der Kameradschaft und Teamarbeit» ungebrochen. So wird der Berufsmilitärpilot wohl noch manche Flugstunde zum Schutz des Luftraums über dem Berner Oberland absolvieren.

*Seit 5. Juli hat der Flugplatz Meiringen-Unterbach wieder Sommerpause. Vom 2. bis 29. August bleibt der Flugplatz in Unterbach für diverse Unterhalts- und Bauarbeiten ganz gesperrt.