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Letzter Bundesliga-SpieltagWerder rettet sich mit 6:1-Sieg, Embolo mit Vorlage und Tor

Die Bremer retten sich mit einem Kantersieg und Schützenhilfe von Union Berlin in die Relegation. Düsseldorf ist neben Paderborn der zweite Absteiger.

Werder Bremen – 1. FC Köln 6:1 Jubel bei Bremens Nicolas Füllkrug: Die Norddeutschen verhindern mit einer Parforce-Leistung den ersten Bundesliga-Abstieg seit 40 Jahren.
Werder Bremen – 1. FC Köln 6:1 Jubel bei Bremens Nicolas Füllkrug: Die Norddeutschen verhindern mit einer Parforce-Leistung den ersten Bundesliga-Abstieg seit 40 Jahren.
Foto: Keystone
Union Berlin – Fortuna Düsseldorf 3:0 Bedanken können sich die Bremer auch bei Urs Fischers Team: Die Berliner leisten Schützenhilfe und schlagen Düsseldorf, das damit neben Paderborn der zweite Absteiger dieser Saison ist.
Union Berlin – Fortuna Düsseldorf 3:0 Bedanken können sich die Bremer auch bei Urs Fischers Team: Die Berliner leisten Schützenhilfe und schlagen Düsseldorf, das damit neben Paderborn der zweite Absteiger dieser Saison ist.
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FC Augsburg – RB Leipzig 1:2 Doppelpack zum Abschied: Timo Werner schiesst Leipzig in seinem letzten Spiel für die Ostdeutschen zum Sieg gegen Augsburg.
FC Augsburg – RB Leipzig 1:2 Doppelpack zum Abschied: Timo Werner schiesst Leipzig in seinem letzten Spiel für die Ostdeutschen zum Sieg gegen Augsburg.
Foto: Keystone
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Mit einem weiteren Wunder von der Weser hat Werder Bremen den ersten Abstieg seit 40 Jahren erst einmal abgewendet. Die Bremer gewannen am Samstag gegen den 1. FC Köln in der Höhe nahezu sensationell mit 6:1 und kletterten am letzten Spieltag der Bundesliga doch noch auf den Relegationsplatz, weil der direkte Konkurrent Fortuna Düsseldorf parallel 0:3 bei Union Berlin verlor. Im 1900. Erstliga-Spiel der Club-Geschichte trafen Yuya Osako (22. Minute, 58.), Milot Rashica (27.), Niclas Füllkrug (29.), Davy Klaassen (55.) und Josh Sargent (68.) für die Norddeutschen, die nun in der Relegation entweder auf den 1. FC Heidenheim oder den Hamburger SV treffen.

Für die Bremer war es erst der zweite Heimsieg in dieser Saison. Der völlig enttäuschende 1. FC Köln gewann damit kein Spiel seit dem Neustart nach der Corona-Pause. Für die Rheinländer traf lediglich Dominick Drexler (62.).

Fischers Union stürzt die Fortuna ins Elend

Mutlos, kraftlos – Zweitligist! Fortuna Düsseldorf muss nach einem masslos enttäuschenden Bundesliga-Final den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Die Mannschaft von Trainer Uwe Rösler verspielte beim 1. FC Union Berlin ihre bessere Ausgangslage im Vergleich zu Werder Bremen und rutschte durch das 0:3 doch noch auf den 17. Tabellenplatz ab.

Der frühere Bremer Anthony Ujah (26. Minute), Christian Gentner (54.) und Suleiman Abdullahi (89.) erzielten am Samstag in Stadion An der Alten Försterei die Tore für die Eisernen, die nach dem bereits gesicherten Klassenverbleib einen versöhnlichen Saisonausklang feierten und nach Punkten sogar noch zu Lokalrivale Hertha BSC aufschlossen.

Kramaric demütigt Dortmund

Als die Hoffenheimer im Mittelkreis tanzten und lauthals Europacup-Lieder anstimmten, waren die Dortmunder schon längst in der Kabine verschwunden. Das peinliche 0:4 zum Saisonabschluss verhagelte allen Beteiligten mächtig die Stimmung. Nur eine Woche nach dem imponierenden Auftritt beim 2:0 im Spitzenspiel bei RB Leipzig bezog das Team von Lucien Favre eine denkwürdige Niederlage, die neue Zweifel an der Charakterstärke des Teams schüren dürfte. «Vielleicht haben wir einfach manchmal die falsche Mentalität», klagte der Schweizer Goalie Roman Bürki im ersten Frust bei Sky.

Der erste Hoffenheimer überhaupt, dem vier Tore in einem Bundesligaspiel gelangen: Andrej Kramaric.
Der erste Hoffenheimer überhaupt, dem vier Tore in einem Bundesligaspiel gelangen: Andrej Kramaric.
Foto: Getty Images

Zum Leidwesen der Borussen lief Andrej Kramaric zu grosser Form auf. Mit seinen vier Treffern besiegte der Kroate den Revierclub fast im Alleingang. Damit gelang seinem Team noch der Sprung auf Tabellenrang sechs, der den direkten Weg in die Europa League ebnete. Die ungeliebten Qualifikationsspiele bleiben den Kraichgauern erspart. «Es ist ein wunderbares Gefühl. Schliesslich passiert einem das ja nicht so häufig», schwärmte Kramaric, dem als ersten Hoffenheimer Profi in einem Bundesliga-Spiel ein Viererpack gelang.

Leverkusen verpasst Champions League

Trotz der eigenen Pflichterfüllung hat Bayer Leverkusen den erneuten Last-Minute-Einzug in die Champions League verpasst und reist nun mit einer gehörigen Portion Frust zum Cupfinal gegen den FC Bayern München. Zwar gewann die Werkself zum Saison-Abschluss mit 1:0 gegen den bereits geretteten FSV Mainz 05, wegen des gleichzeitigen 2:1-Siegs von Borussia Mönchengladbach gegen Hertha BSC reichte dies aber nicht. Im Vorjahr hatte Leverkusen Gladbach noch am letzten Spieltag den begehrten vierten Rang entrissen. Mainz beendet die Spielzeit auf Rang 13 und geht in seine zwölfte Bundesliga-Saison in Folge.

Kurios: Nach dem Sieg durch das frühe Tor von Kevin Volland (2.) haben die Leverkusener in dieser Saison fünf Punkte mehr geholt als in der erfolgreich abgeschlossenen letzten Spielzeit. Eine Chance auf ein Champions-League-Ticket besteht noch: Ein Titel-Gewinn beim Europa-League-Finalturnier im August mit dem Endspiel im benachbarten Köln würde die Qualifikation für die Königsklasse bedeuten.

Klatsche für Schalke

Die schwächste Rückrunde seiner Vereinsgeschichte hat der FC Schalke 04 mit einer Klatsche beim SC Freiburg beendet. Mitten im Ärger um die zusätzlich belastende Tönnies-Affäre verloren die Königsblauen am Samstag beim effizienten Gastgeber deutlich mit 0:4. Während rund 1000 Anhänger rund um die Schalke-Arena mit einem Protest ihren Unmut kundtaten, baute die Mannschaft von Trainer David Wagner im Breisgau ihre Pleiten-Serie auf 16 Spiele ohne Sieg aus. Mit immensen Problemen und wütenden Fans muss Schalke nun in die Sommerpause gehen.

Der deutsche Nationalstürmer Luca Waldschmidt (20./57. Minute), Jonathan Schmid (38.) und Lucas Höfler (46.) erzielten die Treffer für die Freiburger, die sich mit einer ganz anderen Stimmungslage in den Urlaub verabschieden. Obwohl die Chance auf die Europa League dahin war, dürfen sich die Badener von Trainer Christian Streich über den achten Tabellenplatz als Lohn für eine erneut starke Saison freuen.

Meister gibt sich keine Blösse

Der deutsche Meister Bayern München hat die Bundesliga-Saison mit der herausragenden Bilanz von 100 Toren sowie neun Siegen in neun Geisterspielen beendet. Beim 4:0-Erfolg beim VfL Wolfsburg verpasste der Club den eigenen Bundesliga-Rekord aus dem Jahr 1972 um nur einen Treffer. Damals schoss der Rekordmeister mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Co. 101 Tore in nur einer Saison. Am Samstag brachten die Treffer von Kingsley Coman (4. Minute), Michaël Cuisance (37.), Torschützenkönig Robert Lewandowski (72./Foulelfmeter) und Thomas Müller (79.) diese Bestmarke ins Wanken. Wolfsburgs Kapitän Josuha Guilavogui sah nach seinem Foul vor dem Elfmeter die Gelb-Rote Karte (72.).

Während diese Partie für den Serienmeister nicht viel mehr als ein Warm-up vor dem DFB-Pokalendspiel in einer Woche gegen Bayer Leverkusen war, hatte die Niederlage für die Wolfsburger gravierende Konsequenzen. Denn da der Rivale 1899 Hoffenheim parallel überraschend bei Borussia Dortmund gewann und den VfL dadurch noch vom sechsten Tabellenplatz verdrängte, verpasste die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner den direkten Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Stattdessen müssen die «Wölfe» nun im September die ungeliebten Qualifikationsspiele bestreiten – und das, nachdem sie im August erst einmal die Europa-League-Saison 2019/20 beenden.

Bayern-Captain Manuel Neuer stemmt die Schale: die Münchner feiern ihren 30. Bundesliga-Titel.
Bayern-Captain Manuel Neuer stemmt die Schale: die Münchner feiern ihren 30. Bundesliga-Titel.
Foto: Getty Images

Nach dem Spiel wurden die Münchner für ihren 30. Titel geehrt. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie war es eine schlichte Ehrung, die sonst üblichen Weissbierduschen fielen aus Hygienegründen aus. Die Wolfsburger Spieler standen Spalier, als die Bayern-Profis und Trainer Hansi-Flick in den Mittelkreis kamen. Dort war ein Podest mit der Meisterschale aufgebaut. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gratulierte nicht nur den Bayern, bevor sich Neuer die Schale nahm.

Embolo ist Matchwinner bei Gladbach-Sieg

Borussia Mönchengladbach ist zum dritten Mal nach 2015 und 2016 in der Champions League dabei. Am Samstag setzte sich das Team von Trainer Marco Rose mit 2:1 gegen Hertha BSC im Fernduell mit Bayer Leverkusen durch und beendet die Saison als Tabellen-Vierter. Damit sicherte sich der fünfmalige deutsche Meister gerade in Corona-Zeiten eine wichtige Finanzspritze. Im Vergleich zur deutlich weniger lukrativen Europa League, in die Leverkusen nach dem 1:0 gegen Mainz nun muss, bringt allein der Start in der Königsklasse rund 20 Millionen Euro mehr.

Tor zum 2:0 – Embolo ebnet Gladbach den Weg zum Sieg und den Einzug in die Champions League.
Video: ARD Sportschau

Allerdings machte es die Borussia lange unnötig spannend. Gegen die harmlosen Gäste hätten die Gladbacher das Spiel bereits in der ersten Halbzeit entscheiden können. Der Einzige, der vor der Pause gegen das Team von Trainer Bruno Labbadia traf, war aber Jonas Hofmann (7. Minute). Für die Gladbacher Erlösung sorgte dann der Schweizer Nationalspieler Breel Embolo (78.) nach Vorarbeit von Hofmann. Vedad Ibisevics Treffer für Berlin (90.+1) kam zu spät. Gladbachs Patrick Herrmann musste vorzeitig verletzt vom Feld.

Doppelpack zum Abschied

Timo Werner hat sich mit einem Doppelpack aus der Bundesliga verabschiedet und RB Leipzig den dritten Tabellenplatz gesichert. Der Stürmer erzielte in seiner letzten Partie vor dem Wechsel nach Chelsea beide Tore zum 2:1 der Sachsen beim FC Augsburg am Samstag. Nach den Saisontreffern 27 (27. Minute) und 28 (80.) wurde Werner ausgewechselt und umarmte alle Teamkollegen und Betreuer auf der Bank. Der Ausnahme-Angreifer egalisierte darüber hinaus mit 17 Auswärtstoren in einer Saison den Bundesliga-Rekord von Jupp Heynckes aus der Saison 1973/74.

Die Augsburger konnten die erste Heimniederlage gegen RB in der Liga nicht verhindern. Das Tor von Ruben Vargas zum zwischenzeitlichen 1:1 (72.) reichte den Gastgebern, die vor einer Woche den Klassenverbleib perfekt gemacht hatten, nicht. Sie beendeten die Spielzeit auf dem 15. Platz und damit gerade so oberhalb der Abstiegszone.

Arbeitssieg gegen Absteiger

Eintracht Frankfurt hat sich beim Abschied des SC Paderborn aus der Bundesliga zu einem mühevollen Arbeitssieg gequält. Die Hessen gewannen am Samstag mit 3:2 und beendeten die Corona-Spielzeit 2019/20 mit 45 Punkten als Tabellenneunter. Sebastian Rode in der 9. Minute, André Silva (32.) und Bas Dost (52.) erzielten die Frankfurter Tore. Für den Absteiger, der in 34 Partien nur vier Siege feierte und mit 20 Zählern abgeschlagen Letzter wurde, trafen Mohamed Dräger (55.) und Sven Michel (75.).

Wegen des Einbruchs in der zweiten Halbzeit verzichtete Frankfurts Trainer Adi Hütter in der Schlussphase darauf, dem Urgestein Marco Russ noch einen Kurzeinsatz zu schenken. Der 34-Jährige, der 22 Jahre lang für die Hessen am Ball war, beendet seine Laufbahn mit 353 Pflichtspieleinsätzen für die Hessen und wird künftig in der Analyse für seinen Herzensverein arbeiten.

Resultate: Borussia Dortmund - Hoffenheim 0:4. Bayer Leverkusen - Mainz 05 1:0. Borussia Mönchengladbach - Hertha Berlin 2:1. Wolfsburg - Bayern München 0:4. Eintracht Frankfurt - Paderborn 3:2. Werder Bremen - 1. FC Köln 6:1. SC Freiburg - Schalke 04 4:0. Augsburg - RB Leipzig 1:2. Union Berlin - Fortuna Düsseldorf 3:0.

Rangliste: 1. Bayern München 82. 2. Borussia Dortmund 69. 3. RB Leipzig 66. 4. Borussia Mönchengladbach 65. 5. Bayer Leverkusen 63. 6. Hoffenheim 52. 7. Wolfsburg 49. 8. SC Freiburg 48. 9. Eintracht Frankfurt 45. 10. Hertha Berlin 41. 11. Union Berlin 41. 12. Schalke 04 39. 13. Mainz 05 37. 14. 1. FC Köln 36. 15. Augsburg 36. 16. Werder Bremen 31. 17. Fortuna Düsseldorf 30. 18. Paderborn 20.

dpa/erh

1 Kommentar
    Urs Brühwiler

    Werder hat diese Saison nicht viel getroffen und ausgerechnet Köln lässt sich im letzten Spiel 6 einschenken, damit der Erzfeind Düsseldorf absteigen muss. Leichtes Gschmäckle hat das schon.