Wie verkauft man ein Schloss?

Die Luxusresidenz des verstorbenen Unternehmers und Betrügers Rolf Erb steht zum Verkauf. Einen Käufer zu finden, wird schwierig.

Hier lebte Rolf Erb mit seiner Familie bis zum Tod: Das Schloss Eugensberg im Thurgau. (Video: Tamedia)
Marisa Eggli@tagesanzeiger

Es ist nicht lange her, dass hier noch Teenager die schmucke Treppe hinuntergerannt sind. Lachten und sich stritten. Doch jetzt steht alles zum Verkauf: Der leuchtende Marmor in der Eingangshalle, die antiken Möbel in den Zimmern, die Porzellantassen hinter den Vitrinen, das ganze Schloss Eugensberg. Es ist kühl wie in einem Museum, sieht aus wie ein kleines Versailles. Im Wohnzimmer ist die Tafel mit Silberbesteck gedeckt, als erwarteten die Hausherren Gäste für ein rauschendes Fest.

Doch das Schloss im Thurgauer Dorf Salenstein ist unbewohnt. Es ist herausgeputzt für die Kaufinteressenten, die bald die geschwungene Strasse hochfahren und es besichtigen werden. Das Anwesen wird seit gestern angeboten, 81 Hektaren für über 30 Millionen Franken. Es ist ein Schloss, das seinesgleichen suche, sagt zumindest der Küsnachter Makler Claude Ginesta. Er ist ein verschwiegener Mann mit nach hinten gekämmten Haaren und Erfahrung im Verkaufen von Luxusimmobilien.

Wer Schloss Eugensberg erwirbt, erhält ein Haus, das Napoleons Stiefsohn bauen liess. Dazu gehören Wälder, Seen, Ländereien, ein Bauernhof und ein Häuschen am See. Von der Terrasse aus schweift der Blick über die hügelige Landschaft, den Bodensee, über Städtchen bis nach Deutschland.

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Schloss Eugensberg ist das Haus, das Rolf Erb liebte. Hier lebte der Winterthurer Unternehmer und verurteilte Betrüger bis zu seinem Tod vor einem Jahr. Erst im letzten August haben seine Partnerin und seine Zwillingssöhne das Haus unter Zwang verlassen. Nun gehört es zur Konkursmasse des Erb-Imperiums, das 2003 zusammenbrach. Im Nachgang dazu ist Rolf Erb wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung verurteilt worden. Der Verkauf des Schlosses soll einen Bruchteil der Milliardenschulden der Erbs decken.

Den Käufer zu finden, ist Claude Ginestas Aufgabe, was keine einfache ist. Das lässt der Makler an der Medienbesichtigung durchblicken. Diese hat wohl auch den Zweck, die Bilder des Bauwerks in die Welt zu tragen. Ginestas Firma hat den Anlass organisiert, mit Vorträgen, weshalb der Thurgau besonders attraktiv zum Leben sei. So schwärmt Wirtschaftsförderer Peter Koch von der Nähe zum Flughafen, «in 30 Minuten ist man von Frauenfeld mit dem Zug dort», und von den tiefen Steuern im Thurgau. «Es gibt noch die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung.» Man fragt sich jedoch, ob Käufer nicht lieber einen Helikopterlandeplatz hätten statt einer guten Zugverbindung.

Schwierige Zeit für Oligarchen

Gesucht wird der Käufer oder die Käuferin international. Eine Versteigerung von Eugensberg gibt es nicht, weil das Anwesen so flexibler verkauft werden kann. Gefallen könnte das Schloss mit den goldenen Wasserhähnen, Stuckdecken und Kronleuchtern einem Oligarchen aus Russland. Doch die Russinnen und Russen würden die Schweiz zurzeit eher verlassen, als sich hier niederzulassen, sagt Ginesta. Sie spürten den Druck aus Amerika auch hierzulande. Und für vermögende Katarer sei die Schweiz steuerlich einfach zu unattraktiv.

Reiche Ausländer, die ausserhalb Europas wohnen, müssten ihren Wohnsitz sowieso in die Schweiz verlegen, sonst lässt die Lex Koller keinen Kauf von Eugensberg zu. Mit einer Ausnahme: Sie halten sich das Haus als Firmenschlösschen und laden wie einst die Familie Erb zu Empfängen ins Thurgau. Als Ferienhaus, Zweitresidenz oder einfach als Kapitalanlage dürften sie das Haus nicht erstehen. Das verbietet der Kanton Thurgau.

Haus als Trophäe

Als Käufer stellt sich Ginesta jemanden vor, der Eugensberg als «Trophäenobjekt» haben will. Jemand, der seinen Geschäftspartnern und Bekannten gerne sagt: «Ich wohne auf Schloss Eugensberg.» Und damit ein bewunderndes Nicken erntet.

Vermögend muss der künftige Besitzer oder die Besitzerin sein: um das Haus zu kaufen, es zu renovieren und zu unterhalten. Zwar hat es Rolf Erb einst aufwendig saniert, doch das war vor über 25 Jahren. Für die Pflege des Umschwungs und des Hauses sei rund 1 Million Franken im Jahr nötig, schätzt Ginesta. Momentan sorgt sich ein Gärtner um das Anwesen. Zu den besten Zeiten der Erbs arbeiteten zehn Angestellte für das Haus. Trotz allem ist Ginesta zuversichtlich, einen Käufer zu finden. Es gebe bereits eine Liste von Interessenten, sagt er. Für den Verkauf rechnet er «mit ein bis zwei Jahren».

Während der Besichtigung sind die Medien nur in den prunkvollen Räumen erwünscht. Überall stehen Ginesta-Mitarbeiter und wachen über die Wertsachen in den Vitrinen. Die Zimmer, in denen die Familie Erb gelebt hat, bleiben geschlossen. Ebenfalls unzugänglich ist ein Aussichtspunkt in der Nähe des Schlosses. Dort steht eine Ruine, die man nicht mehr betreten sollte. Rolf Erb ging gerne dorthin, trank einen Aperitif und sah zu, wie die Sonne über dem Bodensee unterging.

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