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Trotz Corona-KriseWilly Michel gibt Präsidium bei Adval Tech ab

Der Autozulieferer will am Sitz in Niederwangen Kurzarbeit einführen. Konzernchef René Rothen soll in dieser Krisensituation auch den Posten des VR-Präsidenten übernehmen.

Willy Michel macht im Verwaltungsrat Platz für einen langjährigen Weggefährten, bleibt aber Hauptaktionär von Adval Tech.
Willy Michel macht im Verwaltungsrat Platz für einen langjährigen Weggefährten, bleibt aber Hauptaktionär von Adval Tech.
Foto: Beat Mathys

Willy Michel, reich geworden mit seinen beiden Burgdorfer Medizinaltechnikunternehmen Disetronic und Ypsomed, tritt bei einer anderen Firma seines Beteiligungsgeflechts kürzer. Er gibt das Verwaltungsratspräsidium bei Adval Tech ab. Das wäre eigentlich nichts Aussergewöhnliches, ist er doch schon acht Jahre auf dem Posten und steht kurz vor seinem 73. Geburtstag. Doch der Rücktritt erfolgt mitten in der Corona-Krise, die auch den in Niederwangen ansässigen Autozulieferer hart trifft.

So betont Adval Tech in der Mitteilung vom Freitag, Michel werde sich weiterhin als Hauptaktionär für die Gruppe engagieren. Anders gesagt heisst das, Michel lässt das Unternehmen nicht fallen. Der Multiunternehmer hält rund 29 Prozent an Adval Tech. Zusammen mit dem Industriellen Michael Pieper sind es fast 51 Prozent, womit die beiden mit einem knappen Mehrheitsanteil das Sagen haben.

Auch Roland Weibel verlässt den Verwaltungsrat, dem er seit 2005 angehört. Neu ins Aufsichtsgremium gewählt werden sollen Konzernchef René Rothen sowie Jürg Schori, der operative Leiter (COO) von Willy Michels Firma Techpharma Management AG in Burgdorf. Schori wird damit quasi Michels Nachfolger und Vertreter im Verwaltungsrat. Neuer VR-Präsident wird aber nicht Schori, sondern Konzernchef Rothen. Solche Doppelmandate sind zwar umstritten, aber insbesondere in Krisen nicht unüblich.

Arbeitspensen reduziert

Die Gruppe treffe alle erforderlichen Massnahmen, um die Krise so gut wie möglich zu bewältigen und die Liquidität sicherzustellen, hiess es. Konkret bedeutet das, die Produktion an den Standorten Niederwangen und Endingen in Deutschland sowie in den beiden Werken in Ungarn wird stark heruntergefahren. In einzelnen Unternehmen, Betrieben und Abteilungen wurde Kurzarbeit eingeführt oder beantragt.

Für alle 200 Angestellten in Niederwangen wurde per 1. April um Kurzarbeit ersucht, wie die Personalchefin Valeria Poretti auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Die Arbeitspensen sollen um 40 bis 60 Prozent reduziert werden. Der Lohnausfall wird von der Arbeitslosenkasse zu 80 Prozent vergütet, sofern die Kurzarbeit bewilligt wird.

Lohnverzicht im Management

Die Teppichetage zieht mit: Der Verwaltungsrat, die Konzernleitung und die Geschäftsführer der Tochtergesellschaften werden ihre Honorare und Löhne aus Solidarität freiwillig reduzieren. Das Ausmass wird hier nicht genannt, aber die Reduktion sei «keine Bagatelle», hiess es.

Wie hoch die Dividende für die Aktionäre noch ausfällt, das soll erst im April mit der Einladung zur Generalversammlung bekannt gegeben werden. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gewinn, der mit 8,7 Millionen Franken praktisch gleich ausfiel wie im Vorjahr. Adval Tech habe sich im letzten Jahr, das für die Autoindustrie bereits Einbussen brachte, gut behauptet, schreibt das Unternehmen. Der Umsatz fiel aber um 9,7 Prozent auf 178,9 Millionen Franken. Für das laufende Jahr macht Adval Tech keine Prognose. Die Auswirkungen der Corona-Krise seien nicht abschätzbar.