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Corona und der Schweizer Fussball«Wir haben es nicht mehr selber in der Hand»

Die Massnahmen des Kantons Bern schrecken den Schweizer Fussball auf. Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, ist irritiert. Und trotzdem weiter optimistisch für die Saison.

Claudius Schäfer reagierte mit Unverständnis auf den Entscheid der Berner Regierung. Er sagt: «Die Clubs werden durch die Massnahme vor grosse Probleme gestellt.»
Claudius Schäfer reagierte mit Unverständnis auf den Entscheid der Berner Regierung. Er sagt: «Die Clubs werden durch die Massnahme vor grosse Probleme gestellt
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Claudius Schäfer, am Sonntag verkündete der Bundesrat, die Grossveranstaltungen seien von den neuen Corona-Massnahmen nicht betroffen. Kurze Zeit später setzte der Kanton Bern die maximale Anzahl Zuschauer auf 1000 hinab.

Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt. In einer Pressekonferenz mit der Bundespräsidentin und dem Dossier-verantwortlichen Bundesrat wird gesagt, dass man auf Stufe Bund keine sofortigen Handlungsbedarf sehe, weil die Schutzkonzepte der Clubs gut umgesetzt würden. Da ist es sehr erstaunlich, dass zwei Stunden später der Kanton Bern mit einer völlig anderen Haltung vorprescht.

Wie war Ihre Reaktion?

Es gibt ein Unverständnis für die Kurzfristigkeit. Und dafür, dass die Verantwortlichen der Clubs erst knapp vor der Veröffentlichung der Medienmitteilung informiert wurden. Das ist wenig partnerschaftlich. Die Clubs werden durch die Massnahme schliesslich vor grosse Probleme gestellt.

Was kann die Liga jetzt tun?

Wenn es um die Kantone geht, sind die Clubs am Hebel. Sie sind im Austausch mit Kantonen, sie müssen die Bewilligungen für die Spiele einholen. Wir als Liga verantworten das übergeordnete Schutzkonzept. Wir waren vor allem vor dem Entscheid des Bundesrats zur Öffnung stark involviert.

Das heisst: Die Liga ist machtlos?

Der Entscheid kam schnell und überraschend. Die Clubs waren in einem konstruktiven Dialog mit den Kantonen, haben ihre Sicherheitskonzepte sehr gut umgesetzt. Wir als Liga können jetzt nicht plötzlich Einfluss nehmen auf einen kantonalen Entscheid. Wir wünschen uns aber, dass der Kanton Bern den Clubs einen Perspektive aufzeigt. Die Clubs müssen wissen, unter welchen Umständen sie wieder mehr als 1000 Leute ins Stadion lassen dürfen. In Bern gibt es das Ampelsystem mit klaren Parametern. Aufgrund dieser wurde jetzt die Reduktion anscheinend beschlossen. Also müsste klar sein, wann wieder mehr Leute zugelassen sind.

Die Berner Proficlubs haben sich in einem offenen Brief kritisch gegen den Kanton geäussert.

Das begrüsse ich sehr. Sie haben klar Position bezogen.

Wohin führt der Weg? Derzeit ist vieles unklar. Der CEO der Swiss Football League schaut dennoch optimistisch Richtung Zukunft.
Wohin führt der Weg? Derzeit ist vieles unklar. Der CEO der Swiss Football League schaut dennoch optimistisch Richtung Zukunft.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Sie sagten immer, dass Sie keinen Flickenteppich möchten. Jetzt haben Sie einen.

Es war immer möglich, dass es einen Flickenteppich gibt. Wir leben im Föderalismus. Da gibt es ein Risiko, dass an dem einen Standort plötzlich nicht mehr die gleichen Voraussetzungen gelten wie am anderen.

Nun drohen Wettbewerbsverzerrungen.

2020 ist ein ausserordentliches Jahr. Wir haben weiterhin eine sehr angespannte Situation. Das Bewusstsein, dass ein solcher Fall wie in Bern eintreten kann, war immer da. Wir mussten damit rechnen. Das Problem besteht nicht nur in der Schweiz, sondern im Fussball weltweit. In Deutschland wird in manchen Stadien vor Zuschauern gespielt, in manchen nicht. Und plötzlich gibt es Änderungen. Wir würden gerne gleich lange Spiesse haben. Aber wir haben es schliesslich nicht mehr selbst in der Hand.

Und jetzt?

Wir gehen jetzt davon aus, dass die Clubs im Dezember die Bundesdarlehen beantragen können. Die Verordnung zum Covid19-Gesetz ist in der Ausarbeitung und muss noch vor den Bundesrat. Da geht es um Nuancen. Wenn die Clubs Hilfe beantragen können, schafft das kurz- und mittelfristig Liquidität und wird Konkurse verhindern. Wir haben mit zehn Jahren eine relativ lange Rückzahlungsfrist, was gut ist. Die Darlehen sind für viele Clubs ein erstes wichtigstes Instrument zur Sicherung der Existenz.

Und sonst? Probiert man einfach das Beste?

Wir probieren nicht. Wir haben in der vergangenen Saison bereits viele Erfahrungen sammeln können, gerade was die Quarantäne-Massnahmen oder Spielverschiebungen betrifft. Im Fall des FC Basel, dessen Spieler in Quarantäne sind, laufen Abklärungen mit dem Kantonsarzt. Die Kommunikationswege sind klar, die Mechanismen funktionieren. Und: Wir haben eine gewisse Flexibilität im Spielplan, auch wenn wir auf das Entgegenkommen der Uefa angewiesen sind. Das hilft uns.

10 Kommentare
    Felix Müller

    Nachtrag: Bald kann man die Stadien für zusätzliche Feldbetten nutzen. Ein selbst herbeigeführter Business-Case.