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Energiekonzern BKW steigt einWird unser Gas bald günstiger?

Der Gasmarkt soll geöffnet werden. Hunderttausende würden davon allerdings nicht profitieren.

Wer mit Gas kochen will, soll in Zukunft auswählen können, woher er den Rohstoff beziehen will.
Wer mit Gas kochen will, soll in Zukunft auswählen können, woher er den Rohstoff beziehen will.
Foto: Valerii Vtoryhin (Getty Images)

Die gute Nachricht: Der Energieversorger BKW will seinen Kunden neben Strom neu auch Gas anbieten. Die schlechte Nachricht: Von dieser Belebung der Konkurrenz im Energiemarkt werden der Hausbesitzer mit einer Gasheizung im Keller und die Mieterin, die gern mit Gas kocht, nicht profitieren können.

Denn wie im Strommarkt, wo die Marktöffnung schon früher kam, wiederholt sich im Gasmarkt das Gleiche: Kleinkunden können sich nicht den günstigsten Lieferanten aussuchen und werden preislich benachteiligt. Das nennt sich Teilmarktöffnung.

Um was es hier geht, hat die Wettbewerbskommission (Weko) dieses Frühjahr in einem Bericht zu einem neuen Gasversorgungsgesetz skizziert. Gibt es nur eine Teilmarktöffnung, was auf Druck der Energieversorger im Gesetzesentwurf vorgeschlagen wird, würden kleineren Gewerbe- und Haushaltskunden «die heutigen hohen Margen im Bereich der Erdgaslieferung weiterhin in Rechnung gestellt». Dies verursache bei den Betroffenen eine «jährliche Mehrbelastung im mittleren zweistelligen Millionenbereich». Die Weko spricht von 360’000 Endkundinnen und Endkunden, die keine Möglichkeit hätten, ihren Erdgaslieferanten frei zu wählen. Sie unterstünden weiterhin dem Versorgungsmonopol des für sie zuständigen Gasnetzbetreibers.

Benachteiligte Kunden müssen darauf hoffen, dass die Weko aufgrund einer Klage einschreiten kann.

Die benachteiligten Kunden müssen darauf hoffen, dass die Weko aufgrund einer Klage einschreiten kann. Das passierte erstmals in der Zentralschweiz: Die EWL Energie Wasser Luzern Holding und die Erdgas Zentralschweiz AG hatten einer Drittlieferantin die Durchleitung zur Belieferung von Kunden in der Stadt Luzern verweigert. Die Weko ist zum Ergebnis gekommen, dass die beiden Firmen ihre marktbeherrschende Stellung beim Transport und bei der Verteilung von Erdgas missbraucht hatten. Wohl um einer happigen Busse zu entgehen, haben die beiden Anbieter eine «einvernehmliche Regelung» abgeschlossen, wie letzte Woche bekannt wurde. Laut Weko-Direktor Patrik Ducrey sind weitere Klagen aus anderen Landesgegenden hängig, die nach Zentralschweizer Art gelöst werden könnten.

Liechtenstein zeigt, wie es geht

Für die Endkundinnen und Endkunden bedeuten solche Entscheide, dass sie profitieren können, wenn sie wollen. Allerdings müssten sie zuerst einen neuen Lieferanten finden und dann die Durchleitung verlangen. Patrik Ducrey schliesst nicht aus, dass die bisherigen Gaslieferanten die Preise senken und einen «Wettbewerbspreis» bieten, um solche Drittlieferungen zu vermeiden.

Was Wettbewerb bewirken kann, zeigt das Beispiel Liechtenstein. Die gesetzliche Verankerung des Rechts auf Netzzugang zur Belieferung aller Endkundinnen und Endkunden führte laut Weko dazu, dass die Preise im Zeitraum von Oktober 2014 bis September 2018 bei den Endverbrauchern um 40 Prozent gesunken sind.

Neben der BKW sind auch andere Energiefirmen offenbar am Gasmarkt interessiert. Der Energiekonzern Alpiq ist in der Schweiz noch nicht auf dem Gasmarkt tätig. Auf Anfrage erklärt ein Sprecher, dass man den Einstieg prüfen werde, sobald mit der Schaffung des Gasversorgungsgesetzes die Rahmenbedingungen verbessert würden. Allerdings hätte Alpiq im positiven Fall nur Industrie- und Grosskunden im Visier.