Was hat die neue Schweizer Airline vor, und wie sind ihre Chancen?

Der Preiskampf in der Luft tobt. Trotzdem wollen vier Branchenkenner eine Airline gründen.

Der Euro-Airport in Basel: Von hier aus will die neue Airline dereinst starten.

Der Euro-Airport in Basel: Von hier aus will die neue Airline dereinst starten. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Die Schweiz könnte schon bald eine neue Billig-Airline erhalten. Diese werde Langstreckenflüge ab Basel anbieten, zu Preisen bis zu 30 Prozent günstiger als die Konkurrenz, wie die «Financial Times» schreibt. «Swiss Skies» heisst das Airline-Projekt. Die Macher wollen morgen Dienstag informieren. Was ist bereits bekannt über die ambitionierten Pläne? Und wie stehen die Chancen für eine solche Fluggesellschaft, nachdem die Schweiz erst gerade mit Skywork ein weiteres Grounding erlebte?

Wer steckt hinter dem Projekt?
Die neue Fluggesellschaft wird von vier Personen aus der Aviatikbranche geplant, wie die «Financial Times» schreibt. Bekannt sind bisher zwei Namen: Alvaro Oliveira und Armin Bovensiepen. Der Brasilianer Oliveira fliegt Teilzeit als Pilot für Ryanair. Bovensiepen war im Management von Air Berlin und Austrian Airlines tätig. Zuletzt arbeitete er als Verkaufschef bei Niki-Luftfahrt, heute ist er als Berater tätig. Ein Name für die mögliche Airline ist noch nicht bekannt, «Swiss Skies» ist lediglich der Projekttitel. Noch ist auch nicht klar, ob die Fluggesellschaft je abheben wird. Die Gründer sammeln erst das Startkapital von mindestens 100 Millionen Dollar. Ohne das Geld müssen die Träume von der ersten Schweizer Langstrecken-Billig-Airline bereits wieder begraben werden. Gelingt die Finanzierung sollen die ersten Flieger von «Swiss Skies» bereits Mitte nächsten Jahres abheben. Bereits morgen wollen die Verantwortlichen weiter informieren. Für diese Woche ist auch ein Investorentreffen in Basel angesagt.

Wie stehen die Chancen für das Projekt «Swiss Skies»?
Beim Aviatikportal «Aerotelegraph» gibt man der geplanten Fluggesellschaft gewisse Chancen. «Die Konzentration auf den Flughafen Basel macht Sinn», erklärt Stefan Eiselin, Chefredaktor von «Aerotelegraph». Zürich sei bereits durch die Swiss und andere grosse Airlines gut abgedeckt. Basel biete als günstiger Flughafen mit kaum Langstreckenflügen durchaus Möglichkeiten. «Ich kann mir vorstellen, dass die vielen internationalen Angestellten der Pharmaindustrie in der Region Basel eine interessante Kundschaft mit Potenzial darstellen», sagt Eiselin. Das könne für eine Grundauslastung der Flieger sorgen. Ein Grund, weshalb der Plan für eine Billigfluglinie im Langstreckenbereich gerade jetzt aufkomme, sei auch die verbesserte Technik, erklärt Aviatik-Experte Eiselin. «Die neusten Flugzeugtypen verbrauchen deutlich weniger Treibstoff.» Auch seien Start- und Landegebühren sowie Leasingraten oder der Preis für die Flugzeuge tiefer. «Hier tut sich dank technischer Entwicklung ein neuer Markt auf», ist Eiselin überzeugt. Trotzdem warnt er: «Die Gründung einer neuen Airline ist aufgrund der grossen Konkurrenz und des Kostendrucks in der Branche ein Hochrisiko-Projekt.»

Was für eine Airline soll «Swiss Skies» werden?
Die Fluggesellschaft soll vor allem vom Flughafen Basel aus Nordamerika anfliegen. Daneben will man aus verschiedenen europäischen Städten auch Destinationen in der Karibik, Asien, im Nahen Osten und Brasilien bedienen. Damit würde sich die Fluggesellschaft klar von Unternehmen wie Easyjet oder Ryanair unterschieden, die sich auf Kurz- und Mittelstrecken in Europa konzentrieren. Eine Strategie von «Swiss Skies» soll es sein, weniger bekannte Flughäfen, die in der Nähe der grossen Metropolen liegen, anzufliegen. Mit der Stadt Cincinnati nannte einer der Gründer von Swiss Skies eine mögliche US-Destination. Angeblich sei es heute mühsam von Basel aus nach Cincinnati zu fliegen. Die Stadt im US-Bundesstaat Ohio ist ein wichtiger Standort der Pharmabranche. Eine Verbindung zu Basel könnte deshalb Sinn machen. Laut einer Sprecherin des Euro-Airports, stehe der Flughafen in Basel in Kontakt mit den Swiss Skies-Verantwortlichen. Euro-Airport versucht schon länger, Airlines zu gewinnen, die gezielte Langstreckenflüge in die USA oder nach Asien anbieten wollen. «Dies würde auf eine lokale Nachfrage treffen. Die Herausforderung liegt bei der Terminalinfrastruktur», erklärt die Euro-Airport-Sprecherin.

Wie will «Swiss Skies» rentieren können?
Der Preiskampf in der Luft ist knallhart. Immer wieder gehen wegen des ruinösen Wettbewerbs Fluggesellschaften Pleite. In den letzten beiden Jahren traf es mit Air Berlin, dem britischen Billigflieger Monarch und der belgischen VLM drei bekannte Namen. Und erst vor zwei Wochen musste mit Skywork eine Schweizer Fluggesellschaft das Aus bekannt geben. Die Gründer von «Swiss Skies» orientieren sich bei ihrer Preispolitik am Geschäftsmodell anderer Billig-Airlines, wie sie verraten. Im Flugpreis ist nur der Sitzplatz inbegriffen. Zusatzgepäck sowie Verpflegung, Unterhaltungssystem und weitere Dienstleistungen im Flugzeug müssen separat bezahlt werden. Zudem wollen die angehenden Airline-Gründer nur einen Typ Flugzeug verwenden – den neuen Airbus A321neo – was die Kosten für Unterhalt reduziert. Der Flieger bietet Platz für 190 Passagiere und kann auf Distanzen von maximal 7500 Kilometern eingesetzt werden. Laut Businessplan sind für das zweite Geschäftsjahr 16 Flugzeuge vorgesehen, zwei Jahre später sollen es bereits 38 Flieger sein. Der Vergleich mit der Swiss zeigt, wie ambitiös die Pläne von «Swiss Skies» sind. Die Lufthansa-Tochter verfügt derzeit über 85 Flugzeuge. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2018, 17:32 Uhr

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