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Ackermann: Finanzbranche vor unruhigem Jahrzehnt

Frankfurt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht die Finanzbranche vor einem «unruhigen Jahrzehnt».

Wer immer noch glaube, die Branche könne zum Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, «sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen», mahnte Ackermann am Montag bei der «Euro Finance Week» in Frankfurt. Die Schuldenkrise in Europa zwinge die Banken zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Forderungen nach einer Zerschlagung grosser Banken erteilte der Chef des grössten deutschen Geldinstituts jedoch ebenso eine Absage wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Weidmann erinnerte daran, dass mit Lehman Brothers im Herbst 2008 eine reine Investmentbank «Brandbeschleuniger» der Krise gewesen sei. Eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken sei zudem schwerer umzusetzen, als das die aktuelle Protestwelle gegen die Finanzbranche Glauben mache. Es gebe wirkungsvollere Massnahmen, um Banken und das Finanzsystem insgesamt krisenfester zu machen, befand Weidmann und nannte höhere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen. Zudem plädierte er für zusätzliche Auflagen für systemrelevante Akteure - «egal ob es sich um eine Geschäfts- oder Investmentbank oder eine Versicherung handelt». Ackermann warnte davor, Europas Banken zu viele Fesseln anzulegen: «Dabei verlieren wir die Wettbewerbsfähigkeit.» Allerdings müssten Banken durchaus ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. Staatsanleihen hätten ihren Status als risikofreie Anlage verloren haben, Schwellenländer würden wichtiger. Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sprach sich trotz der Euro- Schuldenkrise dafür aus, Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken zunächst weiterhin als risikolos einzustufen. «Der Ansatz der Nullgewichtung von Staatsanleihen muss mittelfristig überdacht werden, aber nicht jetzt, nicht mitten in der Krise», sagte Asmussen, der zum 1. Januar 2012 ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll, um deren Chefökonom zu werden. «Viele Banken haben immer noch zu viele Problemaktiva in ihren Bilanzen», sagte Asmussen. Damit meine er ausdrücklich nicht Staatsanleihen: «Man kann niemandem einen Vorwurf machen, der Staatsanleihen aus den Euro-Ländern gekauft hat.» Ackermann rechnet als Folge der Krise mit einer Bereinigung der Branche. «Die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden oder sich mit anderen zusammentun, ist in unserer Branche grösser denn je», sagte der Deutsche-Bank-Chef.

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