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Demonstranten verstopfen den Zürcher Hauptbahnhof

2000 protestierende Bauarbeiter haben sich heute zum Mittagessen in die Haupthalle gesetzt – laut SBB ohne Bewilligung. Danach zogen sie durch die Innenstadt.

tif/hub
2000 hungrige Arbeiter: Am Dienstagmittag, 10. November 2015, haben sich die demonstrierenden Bauarbeiter zum Mittagessen in der Haupthalle des Zürcher Bahnhofs versammelt.
2000 hungrige Arbeiter: Am Dienstagmittag, 10. November 2015, haben sich die demonstrierenden Bauarbeiter zum Mittagessen in der Haupthalle des Zürcher Bahnhofs versammelt.
Unia
Unzufrieden: Schon am frühen Morgen versammelten sich die Bauarbeiter für ihren Protestzug zum Zürcher Helvetiaplatz.
Unzufrieden: Schon am frühen Morgen versammelten sich die Bauarbeiter für ihren Protestzug zum Zürcher Helvetiaplatz.
Nick Soland, Keystone
Die Mitglieder der Gewerkschaft Unia haben am 10. November 2015 zum Arbeitsstopp aufgerufen. In der Stadt Zürich stehen über 100 Baustellen still.
Die Mitglieder der Gewerkschaft Unia haben am 10. November 2015 zum Arbeitsstopp aufgerufen. In der Stadt Zürich stehen über 100 Baustellen still.
Nick Soland, Keystone
Solidarität unter den Bauarbeitern: Sie haben ihre Arbeit niedergelegt und fordern von den Arbeitgebern den Erhalt der Rente mit 60 und besseren Schutz bei Schlechtwetter und Lohndumping.
Solidarität unter den Bauarbeitern: Sie haben ihre Arbeit niedergelegt und fordern von den Arbeitgebern den Erhalt der Rente mit 60 und besseren Schutz bei Schlechtwetter und Lohndumping.
Nick Soland, Keystone
Protest auf der Strasse: Wenn die Baumeister nicht zur Lösung der Probleme auf dem Bau bereit sind, drohen die Arbeiter mit weiteren Kämpfen – und mit Streiks im nächsten Jahr.
Protest auf der Strasse: Wenn die Baumeister nicht zur Lösung der Probleme auf dem Bau bereit sind, drohen die Arbeiter mit weiteren Kämpfen – und mit Streiks im nächsten Jahr.
Nick Soland, Keystone
Schweizweite Aktion: Am Montag, 9. November 2015, haben sich die Bauarbeiter in Bellinzona vor dem Hauptsitz der SSIC, Societa' Svizzera Impresari Costruttori, zum Protest versammelt. Am 11. November 2015 sind Aktionen in der Romandie geplant.
Schweizweite Aktion: Am Montag, 9. November 2015, haben sich die Bauarbeiter in Bellinzona vor dem Hauptsitz der SSIC, Societa' Svizzera Impresari Costruttori, zum Protest versammelt. Am 11. November 2015 sind Aktionen in der Romandie geplant.
Ti-Press/Carlo Reguzzi, Keystone
Direkte Forderungen: Vertreter der Gewerkschaft Unia und der OCST (christlich-soziale Organisation des Kantons Tessin) werden von Nicola Bagnovini, Direktor Societa' Svizzera Impresari Costruttori (SSIC, Mitte) empfangen.
Direkte Forderungen: Vertreter der Gewerkschaft Unia und der OCST (christlich-soziale Organisation des Kantons Tessin) werden von Nicola Bagnovini, Direktor Societa' Svizzera Impresari Costruttori (SSIC, Mitte) empfangen.
Ti-Press/Carlo Reguzzi, Keystone
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Am Zürcher Hauptbahnhof wird es ja ohnehin oft ziemlich eng – dazu braucht es keinen ausgewachsenen Demonstrationsumzug, der sich dort einnistet. Genau das aber ist heute Dienstagmittag passiert. Rund 2000 Bauarbeiter haben es sich auf Einladung der Gewerkschaft Unia mitten in der Haupthalle gemütlich gemacht. Sie haben unter der neuen Anzeigetafel Tische und Bänke aufgestellt und dann gemeinsam zu Mittag gegessen.

Weniger gemütlich war das für viele Zugpassagiere, die sich zwischen 12 und 14 Uhr durch den so entstandenen Flaschenhals an den Gleisköpfen zwängen mussten. Die Aktion war laut SBB zwar nicht bewilligt, man habe aber bewusst nicht eingegriffen. In den Zügen wurden die Reisenden vor der Ankunft in Zürich per Durchsage angewiesen, den Bahnhof nach Möglichkeit über die hinteren Ausgänge zu verlassen.

«Also laut genug sind sie ja»

Die Demonstranten hatten sich schon am frühen Montagmorgen in Zürich zu einem Protestumzug versammelt. Weitere Bauarbeiter waren aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz mit dem Car zum Hauptbahnhof gefahren. Sie fordern einen neuen Gesamtarbeitsvertrag, eine Rente mit 60 und mehr Schutz gegen Schlechtwetter und Lohndumping. In einer Medienmitteilung werfen die Gewerkschaften Unia und Syna dem Baumeisterverband vor, die Probleme in der Baubranche nicht ernst zu nehmen und Lösungen zu blockieren.

Ob die Botschaft ankam? «Also laut genug sind sie ja», meinte eine Frau anerkennend, als der Protestzug zwischen 14 und 15 Uhr lärmend, pfeifend und trommelnd vom Hauptbahnhof zum Central und weiter Richtung Helvetiaplatz zog. Die Trams mussten warten und die Autos stauten sich, bis sich der rund hundert Meter lange Tatzelwurm vorbeigewälzt hatte. Bei McDonald’s und Starbucks hoben die Jungen ihre Smartphones in die Luft und hielten das Spektakel für die Nachwelt fest. Und ein älterer Herr interessierte sich in erster Linie dafür, woher diese Demonstrierenden wohl immer so viele Pfeifen und Transparente haben.

Arbeitsstörende Massnahme statt Streik

Die Bauarbeiter haben heute nicht nur in Zürich, sondern in der ganzen Deutschschweiz ihre Arbeit niedergelegt. Insgesamt dürften rund 300 Baustellen stillstehen, sagte Unia-Sprecher Mischa von Arb auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. 100 davon liegen im Grossraum Zürich, wie beispielsweise jene bei der Europaallee. Total hätten rund 3000 Bauarbeiter aus der gesamten Deutschschweiz ihre Arbeit ruhen lassen.

Obwohl die Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift «Wir streiken» mitführten, wollen die Gewerkschaften nicht von Streik sprechen. Die Bauarbeiter bezögen Überzeit, um an den Protesten teilzunehmen, erklärt Kurt Regotz, Verhandlungsleiter Bau von der Gewerkschaft Syna. Es handle sich aber durchaus um eine arbeitsstörende Massnahme.

Erst am Montag hatten angeblich 3000 Bauarbeiter im Tessin ihre Arbeit auf den Baustellen ruhen lassen. Der Protesttag der Gewerkschaften Unia und Syna in Bellinzona war der Auftakt einer Reihe von Protesten in der Schweiz im Arbeitskampf um den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche, der Landesmantelvertrag genannt wird. Nach den heutigen Aktionen in der Deutschschweiz sind morgen Mittwoch weitere Demonstrationen in der Westschweiz geplant.

Fronten verhärtet

Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. Die Baumeister wollen den bisherigen Landesmantelvertrag (LMV) verlängern. Für Unia und Syna dagegen kommen nur Verhandlungen über einen neuen LMV infrage – und dies zusammen im Paket mit der Lohnrunde, der Finanzierung des Rentenalters 60 sowie Massnahmen gegen Lohndumping und für besseren Gesundheitsschutz.

Der Baumeisterverband verweigert inhaltliche Verhandlungen über den Landesmantelvertrag wegen der Fachstelle «Risikoanalyse» der Gewerkschaft Unia. Diese Fachstelle prüft für Baufirmen, ob deren Subunternehmen Lohndumping begehen. Die Baumeister argumentieren, diese einseitige Überprüfung sei nicht zulässig.

Unia und Syna werfen den Baumeistern derweil Verhandlungsverweigerung vor. Kommt es bis Ende Jahr nicht zu einer Einigung, droht ein vertragsloser Zustand. Einen solchen wollen gemäss eigenen Angaben beide Seiten verhindern. Die nächsten Verhandlungen soll es Ende November geben. Dort wollen die Baumeister aber nur über die Löhne für 2016 und den frühzeitigen Altersrücktritt sprechen – nicht aber über den Landesmantelvertrag.

(SDA)

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