Zusatzversicherungen: So sparen Sie richtig

Braucht es diese Zusätze zum Grundangebot? Nein! Und wer die Kasse wechseln will, muss früh planen.

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Die finanzielle Belastung durch Krankenkassen steigt Jahr für Jahr. Wer bei den Prämien sparen will, hat nur begrenzte Möglichkeiten. Neben dem Wechsel in eine günstigere Grundversicherung bleiben die Zusatzversicherungen. Doch hier lohnt es sich in vielen ­Fällen, die bezahlten Versicherungs­leistungen genau zu prüfen. Folgende Übersicht hilft, wichtige Kostentreiber zu beseitigen:

Privat und Halbprivat: Sie gelten als die «grossen Zusatzversicherungen». Gross sind nicht zuletzt die Prämien. Dabei geht es um das Luxusbedürfnis, den Arzt frei wählen zu können und das Zimmer nicht mit vielen Patienten teilen zu müssen. «Es gibt viele Leute, die sich verschaukelt vorkommen, weil sie ein Leben lang hohe Prämien bezahlten und im Alter nicht davon profitieren», sagt Stefan Thurnherr, Krankenkassenexperte vom Vermögenszentrum. Denn vielfach müssen Rentner aufgrund ihres knappen Budgets vermehrt Privat- und Halbprivatversicherungen kündigen. Dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wenn es aufgrund von Altersgebrechen häufiger zu Klinikaufenthalten kommt. Wie andere Experten auch empfiehlt Thurnherr, anstelle von Privat oder Halbprivat ein Flex-Modell zu wählen, das bis zu 30 Prozent günstiger sei. Bei diesem Modell könne der Patient bei ­jedem Spitaleintritt entscheiden, ob er von den Vorteilen einer Privatversicherung profitieren wolle. Dies zum Preis eines etwas höheren Selbstbehalts.

Und was Spitäler sowie Versicherungen nicht gerne hören: Die Nachteile bei einem kompletten Verzicht auf Privat und Halbprivat sind heute gering. Die Spitäler senken seit Jahren die Bettenzahl je Zimmer, um mehr Flexibilität zu erhalten – maximal zwei Betten sind heute Standard. In Privatspitälern gibt es auch bei der freien Arztwahl keine grossen Unterschiede mehr. Wer die üppigere Menüauswahl eines Privatversicherten vermisst, kann meist vergleichsweise günstig ein Upgrade buchen.

Beitrag an Brille: Es gibt eine Gruppe von Zusatzversicherungen mit einer Leistungslimite von wenigen Hundert Franken. Auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Ein Beispiel dafür sind Beiträge an Brillen von vielleicht 200 Franken alle drei Jahre. Oder auch die Zahnversicherung für Erwachsene. Wer darauf verzichtet, spart jährlich rund 150 Franken und finanziert sich die Zahnarztbesuche selber meist günstiger, wie Ruedi Ursenbacher, Experte bei Fairsicherungsberatung, vorrechnet.

Vergünstigtes Fitnessabo: Die Gutschrift ans Fitnessabo mag verlockend erscheinen. Doch der Versicherte finanziert diese mit zusätzlichen Prämien ­ohnehin selber. Ohne solche Zusatzversicherung ist er günstiger unterwegs.

Tod oder Invalidität durch Unfall: Thurnherr rät von solchen Zusätzen ab: «Das ausbezahlte Kapital reicht nicht, um eine Familie finanziell abzusichern.» Und Krankheit sei nicht inbegriffen, obwohl diese 15-mal häufiger zu Invalidität führe als ein Unfall.

Schweizweite Deckung: Dieser Zusatz soll sicherstellen, dass Versicherte bei Behandlungen in der ganzen Schweiz keine zusätzlichen Kosten übernehmen müssen. Doch er ist oft überflüssig. Bei einem Notfall sind Zusatzkosten ohnehin kein Thema – egal, ob Unfall oder Krankheit. Nur bei geplanten Eingriffen spielt die Option «Allgemein ganze Schweiz» eine Rolle. Wer medizinische Leistungen jenseits der Kantonsgrenze bevorzugt, sollte dies nicht gleich verwerfen. Wenn die Gesundheitskosten ausserhalb des Wohnkantons teurer sind, zahlt sich dieser Zusatz aus. «Wer aber im Kanton Zürich lebt, braucht ihn nicht, da in allen Bereichen eine hervorragende medizinische Versorgung zur Verfügung steht», meint Thurnherr.

Alternative Heilmethoden: Seit kurzer Zeit übernimmt die Grundversicherung Kosten für Akupunktur, anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin, Homöopathie und Heilpflanzentherapie. Mit dem Verzicht auf die Zusatzversicherung für alternative Heilmethoden lassen sich im Monat 20 bis 70 Franken sparen. Der Aufpreis hat allerdings auch einige Vorteile, die es abzuwägen gilt: So zahlt die Krankenkasse nicht nur die Behandlung durch Schulmediziner, sondern auch durch eine Vielzahl von Heilpraktikern. «Zudem gibt es eine breitere Auswahl an Behandlungsmethoden», ergänzt Ursen­bacher. Teilweise sei auch eine Behandlung ohne Arztzeugnis möglich. Die Vielfalt an alternativen Versicherungsangeboten ist gross. Es lohnt sich, die Pakete verschiedener Anbieter anzuschauen.

Das «kleine Taggeld»: Erwerbs­tätige wie auch Hausfrauen erhalten bei Arbeitsunfähigkeit ein kleines Taggeld. «Die Entschädigung von 10 bis 15 Franken am Tag wird selten ausbezahlt, zudem reicht das Geld nicht weit», sagt Ruedi Ursenbacher und rät davon ab. Wie bei anderen Zusätzen gilt auch hier die Faustregel: Je tiefer die Prämie, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Leistung je beansprucht wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2018, 19:11 Uhr

Besser auf zwei Kassen verteilen

Die Familie Meier wollte im vergangenen Herbst nach einem erneuten kräftigen Prämienanstieg zu einer günstigeren Krankenkasse wechseln. Doch beim Prämienvergleich im Oktober stellte sie fest, dass bei der Zusatzversicherung die Kündigungsfrist bereits abgelaufen war. Und nur für die Grundversicherung einen neuen Vertrag abzuschliessen, kam für die Familie Meier nicht infrage, da sie lieber alle Leistungen über die gleiche Krankenkasse abrechnen möchte.

So wie in diesem fiktiven Beispiel ­bevorzugt es die grosse Mehrheit der Versicherten, nur mit einer Krankenkasse einen Vertrag für das gesamte ­Paket abzuschliessen. Wer leichter Geld sparen will, entscheidet sich für die ­andere Lösung und wechselt nur mit der Grundversicherung zu einer anderen Kasse. Insbesondere für Familien lohnt es sich, jährlich Prämien der Grund­versicherung zu vergleichen und bei grösseren Differenzen umzusteigen. Der einzige kleine Nachteil eines solchen Splittings: Es kann vorkommen, dass der Versicherte eine Rechnung an zwei Krankenkassen schicken muss.

Da die Prämien von Zusatzversicherungen selten ändern, gilt hier in der Regel eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten. Bei Groupe Mutuel und Assura sind es sogar sechs Monate, wie Stephan M. Wirz von der Maklerzentrum Schweiz AG sagt. Ein Wechsel in eine andere Zusatzversicherung ist zudem mit Formalitäten verknüpft, die weitere vier bis sechs Wochen dauern können. Wer auf Ende Jahr seine Zusatzversicherung wechseln will, muss sich deshalb je nach Versicherung jetzt schon darum kümmern. Wirz kritisiert zudem die Hürde, die mit unterschiedlichen Fristen den Kassenwechsel erschwert: «So entsteht der Eindruck, als stünde hinter der ­späten Publikation der Prämien die politische Absicht, Versicherte von einem Wechsel abzuhalten.» (ki)

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