Musterschülerin Credit Suisse

Die Credit Suisse löst die Hausaufgaben, die ihr der Bundesrat aufgetragen hat. Unterstützt wird sie dabei von ihren beiden Grossaktionären – dem Staatsfonds des Emirats Qatar und der saudiarabischen Olayan-Familie.

Musterschüler: Credit-Suisse-CEO Brady Dougan.

Musterschüler: Credit-Suisse-CEO Brady Dougan.

(Bild: Keystone)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Um die Kapitalbasis zu stärken, will die CS im Herbst 2013 bedingte Pflichtwandelanleihen herausgeben – auf Englisch Contingent Convertible Bonds oder kurz: Coco-Bonds.

Der Name weist darauf hin, dass diese Anleihen automatisch in Aktien gewandelt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Im Fall der Schweizer Grossbanken wäre dies ein künftiger Krisenfall. Sollte die Eigenkapitalquote einer Bank die Schwelle von 7 beziehungsweise 5 Prozent unterschreiten, würde die Wandlung ausgelöst. Damit würden die Unternehmensanleihen – die Cocos – zu Aktien. Statt mit Steuergeldern würde die Kapitalbasis der Bank mit neuem Aktienkapital gestärkt.

Die Credit Suisse beschreitet als eine der ersten Grossbanken weltweit diesen Weg. Erst die britische Lloyds und die niederländische Rabobank haben Coco-Bonds emittiert. Bei Rabo als Genossenschaft ist eine Umwandlung in Aktien allerdings nicht möglich.

Als Folge der Finanzmarktkrise verlangt die Schweiz von den beiden Grossbanken nicht nur eine höhere Eigenkapitalquote als bisher. Mit dem sogenannten Swiss Finish geht sie über die Vorgaben des internationalen Regelwerks Basel III hinaus. Sie fordert von den beiden Grossbanken eine Eigenkapitalquote von 19 Prozent – 10 Prozent müssen in Form von Aktienkapital und Reserven (Common Equity), 9 Prozent als Cocos gehalten werden.

6 Milliarden aus Nahost

Diese Vorgaben setzt die Credit Suisse jetzt demonstrativ um. Damit will sie dem Vorwurf begegnen, die Banken würden sich den neuen Regeln widersetzen – hört man hinter den Kulissen. Im Herbst 2013 will sie Coco-Bonds im Umfang von 6 Milliarden Franken ausgeben – davon 3,5 Milliarden in US-Dollars. Schon jetzt steht fest, dass die beiden Grossaktionäre aus Nahost, die Qatar Holding und die Olayan Group, diese Coco-Bonds in vollem Umfang zeichnen werden. Die Dollar-Tranche sieht eine Verzinsung von 9,5 Prozent vor, der Franken-Bond eine solche von 9 Prozent. Entsprechend lässt sich Ahmad al-Sayed, Chef des Qatar-Staatsfonds, mit den Worten zitieren: «Wir glauben, dass wir damit langfristig stabile Erträge generieren werden.»

Für die CS macht der Handel deshalb Sinn, weil sie mit den neuen Coco-Bonds das Hybridkapital ablösen kann, mit dem die beiden Grossinvestoren 2008 – auf dem Höhepunkt der Krise – der Bank unter die Arme gegriffen hatten. Damals waren Kapitalspritzen gesucht und mit einem Zins von 10 beziehungsweise 11 Prozent noch teurer als die jetzt ausgehandelten Coupons. Die CS wird also Zinsen sparen können.

Neuer Coco-Bond ist unterwegs

So lukrativ die Bedingungen auch bei den Coco-Bonds sind – ausser den beiden erwähnten Grossaktionären ist niemand zur Zeichnung zugelassen. Allerdings scheint ein weiterer Coco-Bond bei der CS bereits pfannenfertig vorzuliegen. Die Grossbank klappert Investoren in Europa und Asien ab, um sie zur Zeichnung zu gewinnen.

Die Credit Suisse ist damit zeitlich gut unterwegs, gelten doch die neuen Kapitalanforderungen erst ab 2019. Die Konkurrentin UBS mochte sich bis anhin nicht mit den Cocos anfreunden. Sie zieht es vor, Gewinne zurückzubehalten und so die Kapitalbasis zu stärken. Deshalb müssen die Aktionäre nach wie vor auf Dividenden verzichten.

Tages-Anzeiger

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