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Comcom will alle Mobilfunkfrequenzen neu vergeben Auktion spült hunderte Millionen Franken in Bundeskasse Von Johannes Brinkmann, SDA

Im Mobilfunk werden die Karten neu gemischt: Die Eidg.

Kommunikationskommission (Comcom) will alle Mobilfunkfrequenzen neu vergeben. Damit gibt der Regulator den Startschuss für den grössten Ausbau des Mobilfunknetzes seit vielen Jahren. Vor den Sommerferien werde eine Versteigerung der Konzessionen durchgeführt, teilte die Comcom am Freitag mit. Damit schlage man mehrere Fliegen mit einer Klappe, erklärte Comcom-Präsident Marc Furrer vor den Medien in Bern: Denn einerseits liefen die heutigen Mobilfunkkonzessionen Ende 2013 beziehungsweise 2016 ab. Zudem steht nach dem Abschalten des von Fernsehsendemasten verbreiteten analogen TVs ein weiterer Frequenzbereich zur Verfügung, der für den Mobilfunk genutzt werden kann. Und es steht eine neue Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution), die viel höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglicht, vor der Türe. Mit der Versteigerung des ganzen Spektrums auf einmal könnten die Telekomanbieter eine Gesamtplanung mit allen Technologien machen, die zur Verfügung stünden. Boom bei Smartphones Es bestehe Handlungsbedarf, sagte Furrer. Denn der vom iPhone ausgelöste Boom der Alleskönnerhandys (so genannte Smartphones) führe zu einer Verdoppelung der Datenmenge im Mobilfunknetz alle acht Monate. «Wenn wir diese Kapazitäten nicht zur Verfügung stellen, kommt das Netz sehr schnell an Kapazitätsengpässe», sagte Furrer: «Das ist vielleicht der grösste Schritt für den Ausbau des Mobilnetzes, seit wir die GSM-Konzessionen vergeben haben.» Bietbeschränkungen Im Sinne der Transparenz und der Gleichbehandlung erfolge die Vergabe der Frequenzen im Rahmen einer Auktion, teilte die Comcom weiter mit. Sowohl die heutigen Netzbetreiber Orange, Sunrise, Swisscom sowie die kleine In&Phone als auch alle weiteren interessierten Firmen könnten zu gleichen Bedingungen an der Ausschreibung teilnehmen. Dabei sei - im Gegensatz zu früher - die Zahl der Konzessionen und die Frequenzausstattung nicht durch die Comcom vorgegeben, sondern grundsätzlich offen. Damit können die Telekomanbieter jene Frequenzspektren ersteigern, die sie für ihre Geschäftsmodelle bräuchten. Man habe aber auch Bietbeschränkungen eingebaut. «Es ist zu vermeiden, dass Swisscom die Filetstücke aufkauft und die anderen nur die Brosamen bekommen», sagte Furrer. Deshalb könnten die Bieter nur eine gewisse Anzahl Frequenzen erwerben. Besonders begehrt sind die alten TV-Frequenzen. Mit ihnen hat die neue Mobilfunkgeneration LTE eine grosse Reichweite und ermöglicht einen guten Empfang auch im Keller. Über 600 Millionen Fr. Mit der frühzeitigen Frequenzvergabe und einer Nutzungsdauer bis Ende 2028 könnten die Unternehmen langfristig planen. «Wenn die Unternehmen so viel Geld in die Hand nehmen, wollen sie die Infrastruktur auch eine gewisse Zeit lang brauchen können», sagte Furrer. Billig sind die Frequenzen nicht zu haben. Gehen alle Frequenzblöcke zum Mindestpreis weg, fliessen gemäss Berechnung der Nachrichtenagentur SDA über 637,55 Millionen Fr. in die Bundeskasse. Der Mindestpreis entspreche der Summe der jährlichen Frequenzgebühren und den Kosten des Vergabeverfahrens, sagte Furrer. Ziel sei nicht, möglichst viel Geld in die Bundeskasse zu spülen, sondern eine optimale Vergabe der Frequenzen. Man wolle nicht, dass die Anbieter kein Geld mehr für Investitionen in die Infrastruktur hätten. Kaufinteressenten müssten ihr Bewerbungsdossier bis zum 18. März 2011 beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) einreichen. Danach wird bis zu den Sommerferien die Auktion durchgeführt. Absprachen zwischen den Bietern sind verboten. Swisscom und Sunrise gaben bereits bekannt, an der Auktion mitmachen zu wollen. Orange will derweil die Bedingungen zuerst analysieren und später Stellung nehmen. Die beiden Swisscom- Konkurrentinnen äusserten auch Kritik unter anderem am Mindestpreis oder an der Neuvergabe aller Frequenzen auf einen Schlag.

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