Das bringt 5G den Nutzern

Vom Homeoffice auf dem Land bis zu Hologramm-Konzerten – wie wir vom blitzschnellen Mobilfunk profitieren.

Aktuell sind in der Schweiz vier 5G-fähige Smartphones erhältlich. Was bringt uns 5G? Foto: Keystone

Aktuell sind in der Schweiz vier 5G-fähige Smartphones erhältlich. Was bringt uns 5G? Foto: Keystone

(Bild: iStock)

Jon Mettler@jonmettler

Eine Zahl und ein Grossbuchstabe beherrschen derzeit die Plakatwerbung in den Bahnhöfen und im Freien: 5G. Die zwei grössten Schweizer Telecombetreiber Swisscom und Sunrise buhlen mit breit angelegten Kampagnen um die fünfte Mobilfunkgeneration. Der Wettstreit um private Kunden nimmt zuweilen verbissene Züge an. Swisscom und Sunrise behaupten von sich, als erste Anbieter 5G in der Schweiz lanciert zu haben.

Aktuell sind hierzulande vier 5G-fähige Smartphones erhältlich. Sunrise deckt bereits 173 Orte mit dem schnelleren Mobilfunknetz ab. Swisscom plant, bis Ende Jahr 90 Prozent der Bevölkerung mit 5G zu erschliessen. Trotz des erbitterten Konkurrenzkampfs ziehen Branchenkenner wie Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland eine ernüchternde erste Bilanz.

Für eine Mehrheit der Nutzer biete 5G bislang noch keine bedeutende Vorteile. Es seien noch keine Anwendungen in Sicht, welche die Möglichkeiten der neuen Technologie voll ausschöpfen, sagt Beyeler: «Ich sehe mit 5G keine konkreten Dienstleistungen für Privatkunden, die nicht auch mit dem aktuellen Standard 4G möglich sind.» In erster Linie werde die Industrie von 5G profitieren. Internet der Dinge lautet das Stichwort, also untereinander verbundene Geräte und Sensoren.

Turbo auf dem Smartphone

Tatsächlich ist sich die Telecomindustrie selbst uneins, was aus Sicht der privaten Anwender die Treiber für 5G sein könnten. Als marktreif gilt die Technologie erst ab dem kommenden Jahr. Unbestritten ist indes der praktische Nutzen. 5G erlaubt bis zu 100-mal höhere Übertragungsraten und auch kürzere Reaktionszeiten der Signale als die vierte Mobilfunkgeneration.


Esoterik-Shootingstar zu 5G: «Da wird man gegrillt»In der Esoterikszene ist 5G umstritten. Das Medium Christina von Dreien macht mit Videos gegen die neue Technologie Stimmung. (Abo+)


Ein weiterer Vorteil von 5G sind die höheren Kapazitäten der Sendemasten, wodurch viel mehr Menschen als heute gleichzeitig und ohne Verzögerungen auf das Netz zugreifen können. Dies ist in Stosszeiten oder bei grossen Menschenmassen wie bei einem Fussballspiel wichtig.

Aber auch das Nutzerverhalten macht den Wechsel auf 5G nötig: Im Schweizer Mobilfunk verdoppelt sich jedes Jahr das auf Smartphones empfangene Datenvolumen.

Homeoffice auf dem Land

Die höheren Geschwindigkeiten von 5G machen die Technologie interessant für Standorte, wo sich der Aufbau von Festnetz-Internet nicht lohnt oder die Bandbreite ungenügend ist. Profitieren können etwa Bewohner von ländlichen Gebieten, deren Anschluss ans Internet übers traditionelle Kupferkabel langsam ist. Sunrise bezeichnet in diesem Zusammenhang 5G als «Glasfaser durch die Luft». Arbeiten von zu Hause aus würde somit auch auf dem Land möglich. Im aargauischen Unterkulm haben im April erste Privatkunden der Nummer zwei im Schweizer Markt die entsprechenden Geräte für den Internetanschluss via 5G in Betrieb genommen.

Übersetzungen in Echtzeit

Die kürzeren Reaktionszeiten der Mobilfunksignale eröffnen ebenfalls neue Anwendungsmöglichkeiten für Private. Beispiel Tourismus: 5G erlaubt es, mit einem Smartphone Gespräche in Echtzeit zu übersetzen. Dies könnte auf Reisen im Ausland sehr praktisch sein. Der US-Halbleiterhersteller Qualcomm und der chinesische Computerproduzent Lenovo prüfen derzeit zusammen die Machbarkeit eines solchen Produkts.

Reise in die Vergangenheit

Beispiel Schulunterricht: Matthias Jungen, zuständig für 5G-Innovationen bei Swisscom, denkt laut über Anwendungen mit erweiterter Realität nach: «Beim Ausflug nach Augusta Raurica, einer Siedlung aus römischer Zeit, laufen die Schüler mit ihrer Augmented-Reality-Brille durch die Ruinen und sehen, was da früher passiert ist.»

Die römische Siedlung Augusta Raurica könnte mit Augmented-Reality-Brillen besucht werden. Foto: Nicole Pont

Eine grafische Überlagerung verbinde die Überreste der Gebäude mit dem Wissen der Archäologen und zeige, «wie die Bewohner hier gelebt haben, wie sie sich vergnügt und womit sie sich tagsüber beschäftigt haben». Es handle sich jedoch um eine Idee, es gebe keine konkreten Pläne mit Augusta Raurica, präzisiert das Unternehmen.

Popstars als Hologramme

In welche Richtung die Reise wirklich gehen könnte, zeigt Südkorea. Das technologiebegeisterte Land hat als weltweit erstes überhaupt den neuen Mobilfunkstandard aufgeschaltet. Die Verän­de­rungen kommen dort offenbar zuerst bei den Privatkunden an – anders als hier­zu­lande, wo zunächst die Indus­trie auf 5G aufspringen dürfte.

Im Hologramm-Theater des Anbieters Korea Telecom in der Hauptstadt Seoul erhalten die Besu­cher bereits heute einen Vorge­schmack davon, wie das Konzert­er­lebnis der Zukunft aussehen könnte. So gibt es dort vorpro­du­zierte virtuelle Konzerte der äusserst beliebten Korea-Pop-Gruppen zu sehen.

K-Pop-Bands wie «Tomorrow X Together» könnten in Zukunft auch virtuell auftreten. Foto: Keystone

Konkurrent SK Telecom geht nun einen Schritt weiter. Er entwickelt ein neuartiges Gerät, mit dem die Fans dank 5G auch in den eigenen vier Wänden virtuelle Konzerte ihrer Lieblingsmusiker streamen können. Die Überlegungen gehen sogar so weit, dass es Verabredungen mit den holografischen Stars geben soll.

Bereits auf dem Markt ist die Holobox von SK Telecom. Dabei handelt es sich um einen 36 Zentimeter hohen Zylinder, auf den die virtuelle Assistentin Wendy projiziert wird. Ob die Schweizer Jugendlichen Luca Hänni oder Lo & Leduc als Hologramme erleben wollen, muss sich aber erst noch weisen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt