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«Das ist für die Prämienzahler nicht tolerierbar»

Spitäler und Ärzte rechnen immer mehr «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» ab. Und diese steigen offenbar weiter.

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Die Prämienkosten im Gesundheitswesen steigen unaufhörlich: High-Tech-Operationssaal. (Symbolbild)
Die Prämienkosten im Gesundheitswesen steigen unaufhörlich: High-Tech-Operationssaal. (Symbolbild)
Anthony Anex, Keystone

Wer seine Arztrechnungen genauer prüfe, kenne die Bezeichnung «Leistungen in Abwesenheit des Patienten», heisst es im Beitrag des Nachrichtenmagazins «10vor10» vom Freitagabend. Eine Analyse des Krankenkassenverbandes Santésuisse, die der SRF-Sendung exklusiv vorliegt, zeigt auf, dass diese Leistung ungebremst wächst. Diese alleine kostete den Prämienzahler letztes Jahr rund 454 Millionen Franken.

2010 schlug dieser Punkt erst mit 200 Millionen Franken zu Buche, 2014 waren es schon rund 367 Millionen. Santésuisse-Direktorin Verena Nold erklärt: «Diese Position ist ein Selbstbedienungsladen, jeder kann darüber soviel abrechnen, wie er will – und daran verdienen, was er will.» Das sei nicht tolerierbar, vor allem nicht für die Prämienzahler.

Das Ausnützen des Tarifsystems

Unter «Leistungen in Abwesenheit» versteht man etwa Gespräche mit anderen Ärzten, Angehörigen des Patienten oder das Lesen von Berichten. Beat Niederhauser, der Stellvertreter des Preisüberwachers, spart nicht mit Kritik: «Da wird das Tarifsystem ausgenutzt.»

Zu den Kostentreibern gehörten insbesondere die Spital-Ambulatorien, berichtet «10vor10»: Sie würden diesen Posten besonders oft verrechnen. Auffallend sei, dass es viele Spitäler gäbe, die dieses viel häufiger in Rechnung stellen würden als andere. Um welche es handelt, nennt Santésuisse nicht. Mit den betreffenden Spitälern suche man das Gespräch, erklärt Direktorin Nold, warnt aber gleichzeitig: «Wenn gewisse Spitäler das Abrechnungsverhalten nicht ändern, gehen wir notfalls auch gerichtlich gegen sie vor.»

Ambulanter Sektor ist defizitär

Der Spitalverband H+ hat schriftlich Stellung genommen. Wenn jemand seine Leistungen besser erfasse, sei noch lange kein Sünder, meint der Verband. Insgesamt sei der ambulante Sektor stark defizitär. Das zeige, dass bei der Tarifierung etwas nicht stimme.

Auch das Bundesamt für Gesundheit hat sich gegenüber «10vor10» geäussert. Die Problematik der Leistungen in Abwesenheit des Patienten sei dem BAG bewusst. Ziel sei, im ersten Halbjahr 2017 einen Vorschlag in die Vernehmlassung zu geben, um die Tarmed-Tarife – das sind umfassende Einzelleistungstarife, die mehr als 4600 Positionen beinhalten – allgemein anzupassen.

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