Der gefallene Ex-Enron-Chef arbeitet an seinem Comeback

Jeffrey Skilling sass für seine Rolle in der grössten Pleite der US-Geschichte zwölf Jahre im Gefängnis. Seit kurzem ist er frei und wohl bald zurück im Geschäft.

Bald wieder im Geschäft: Jeffrey Skilling nach der Urteilsverkündung im Jahr 2006.

Bald wieder im Geschäft: Jeffrey Skilling nach der Urteilsverkündung im Jahr 2006.

(Bild: Reuters Tim Johnson)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Besonders häufig werden Manager nicht zur Verantwortung gezogen, wenn ihre Unternehmen einen Schaden anrichten. Für Jeffrey Skilling gilt das nicht. Der einstige Chef des US-Energiekonzerns Enron wurde zur 24 Jahren Haft verurteilt. Mehr als die Hälfte davon sass er ab. Zu Beginn des Jahres kam er frei. Schon wenige Wochen später wurde er als Manager einer texanischen Firma eingetragen, wie der «Telegraph» berichtet. Das Unternehmen trägt den kryptischen Namen JKLS1990.

Der heute 65 Jahre alte Skilling ist eine der zentralen Personen im Enron-Skandal, eine der grössten Pleiten der Wirtschaftsgeschichte – mit tatkräftiger Unterstützung der US-Regierung. Das Unternehmen revolutionierte in den 90er-Jahren den liberalisierten Energiehandel. Gas und Strom können wie Aktien gekauft und verkauft werden. Die Enron-Händler werden zu Superstars. Wie bei Top-Bankern schiessen ihre Boni in die Höhe. Die Enron-Aktie gewinnt rasant an Wert. Erst später zeigte sich: Die Erfolgsgeschichte war ein grosser Bluff. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2000 traf Enron hart.

Die «guten Jungs» von Enron

Enron-Chef Skilling und Firmengründer Ken Lay steckten sich hohe Ziele. Sie wollten aus dem grössten Energiekonzern nichts anderes als das grösste Unternehmen der Welt machen. Anfang 2001, als sich die Schlinge um Enron schon fast zugezogen hatte, zeigte sich Skilling noch wenig einsichtig. «Wir sind die guten Jungs, wir sind auf der Seite der Engel», so der Manager in einem TV-Interview.

Skilling trat im August 2001 als Chef bei Enron ab. Wenige Monate später ging die Firma in Konkurs. Die Bilanz war massiv frisiert worden. Aus Verlusten wurden Gewinne. Die Masche war einfach: Über 2000 Tochterfirmen machte der Konzern faktisch Geschäfte mit sich selber. Die Konsequenzen waren einschneidend. Tausende verloren ihre Jobs. 60 Milliarden Dollar Firmenwert verpufften, genauso wie Pensionskassenvermögen im Umfang von 2 Milliarden Dollar. Die Pleite wirft Schockwellen durch die USA. Die Buchprüferfirma Arthur Andersen wird für das Versagen bei Enron mitverantwortlich gemacht. Die Firma überlebt den Enron-Skandal nicht. Er führt auch zu strengeren Buchhaltungsregeln. Börsengehandelte Unternehmen dürfen sich nicht mehr von der gleichen Firma die Bücher prüfen und auch noch beraten lassen.

Strenge Regeln für Wiedereinstieg

Skilling und Lay wurden 2004 festgenommen. Zwei Jahre später wurden sie schuldig gesprochen. Lay starb 64-jährig, sechs Wochen nach dem Ende des Prozesses. Skilling wehrte sich gegen den Schuldspruch. 2013 wurde die Haftstrafe um 10 auf 14 Jahre reduziert. Auch unter der Bedingung, dass Skilling 40 Millionen Dollar aus seinem Vermögen für die Wiedergutmachung der Opfer einsetzt. Dabei ging er offenbar auch die Verpflichtung ein, dass er nicht mehr als Manager bei einer börsengehandelten Firma arbeiten kann.

Anders als in der Schweiz werden in den USA gescheiterte Manager nicht stigmatisiert. Im Gegenteil: Comebacks werden gefeiert. Schon seit einigen Wochen spekulieren US-Medien daher bereits darüber, wie Skilling seine Karriere neu lancieren könnte. Skilling sei noch jung und in der Energiebranche bestens vernetzt, da könne er schon noch einiges bewegen, sagen ehemalige Weggefährten dem «Telegraph».

Es sollen Treffen mit ehemaligen Enron-Kollegen stattgefunden haben. Er wolle mit ihnen Investment-Vehikel aufsetzen, mit denen in Jungfirmen investiert werden kann, schrieb das «Wall Street Journal» kürzlich. Dabei könnte es sich um Start-ups aus dem Bereich Kryptowährungen handeln. Was er aber tatsächlich mit dem Unternehmen JKLS1990 vorhat, bleibt noch offen.

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