Der heimliche Aufsteiger

Präzisionsgüter sind für die Schweiz mittlerweile fast so wichtig wie die Pharmaindustrie. Was sich hinter dem Begriff verbirgt, wieso die Branche so gut dasteht und was das für Zürich bedeutet.

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Angela Barandun@abarandun

Sie stellen Uhren her, Hüftgelenke, Herzschrittmacher, Hörgeräte oder Marsmobil-Antriebe. Sie beschäftigen 88'000 Leute in der Schweiz und sind für 15 Prozent der gesamten Schweizer Industrieproduktion verantwortlich. Die Rede ist von der sogenannten Präzisionsgüterindustie, einem Bereich, der die Hersteller von medizintechnischen Geräten, Mess- und Kontrollinstrumenten, optischen Geräten, Prozesssteuerungsanlagen und Uhren zusammenfasst.

Hinter dieser klobigen Beschreibung versteckt sich eine wahre Erfolgsgeschichte. Die Branche hat in den letzten Jahren relativ unbemerkt, aber stetig an Bedeutung gewonnen – und belegt nun in der Rangliste des produzierenden Gewerbes Platz zwei, geschlagen nur von der Pharmaindustrie. Zwischen 2000 und 2012 konnte sie ihren Produktionsanteil um 50 Prozent steigern. Ihre Bedeutung als Arbeitgeber ist sogar noch grösser: Mit 88'000 Beschäftigten oder einem Anteil von 15 Prozent gehört sie zusammen mit dem Bereich Metallerzeugnisse (ebenfalls 15 Prozent) und vor dem Maschinenbau zu den grössten Industriezweigen.

Das ist vor allem darum beeindruckend, weil der Anteil der Industrieländer an der weltweiten Präzisionsgüterproduktion im gleichen Zeitraum deutlich gesunken ist – von 90 auf nunmehr 70 Prozent. Dadurch ist der Weltmarktanteil der Schweiz gleichzeitig von 5 auf 8 Prozent gestiegen. Das alles geht aus einer Studie hervor, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos im Auftrag der Standortmarketingagentur Greater Zurich Area und der Zürcher Handelskammer durchgeführt hat.

Hinter dem Erfolg steckt unter anderem der Fokus der Branche auf der Forschung. Sie verantwortet 14 Prozent der gesamten Forschungsaktivitäten in der Schweiz. Nur die Pharmaindustrie übertrifft das. Beide Branchen haben diesen Wert seit dem Jahr 2000 deutlich gesteigert. Für die Präzisionsgüterindustrie bedeutet das, dass sich ihr Anteil an der weltweiten Forschung in der Branche verdreifacht hat. Hinzu kommt laut den Autoren der Prognos-Studie, dass die Schweizer Firmen digitale Technik und Vernetzung besonders gut in ihre Prozesse integrieren, was ihnen dabei hilft, immer effizienter zu werden.

Der ganze Industriezweig fusst in dem wohl bekanntesten Schweizer Präzisionsgut – den Uhren. Die Uhrenindustrie hat bis heute eine zentrale Bedeutung für die Schweiz. Schaut man sich die Bedeutung der gesamten Präzisionsgüterindustrie für verschiedene Schweizer Gegenden an – Prognos unterscheidet insgesamt sieben Regionen –, liegt der Jurabogen darum, insbesondere was die Zahl der Beschäftigten betrifft, nach wie vor vorn. 22 Prozent aller Arbeitnehmer oder rund 20'000 Leute arbeiten in der Region für die Branche.

Kein Wunder, immerhin sind zwei Drittel der Uhrenindustrie im Jurabogen und in der Genferseeregion daheim. Überraschend ist vielmehr, welche Region es auf den zweiten Platz geschafft hat: Zürich, gleichauf mit der Genferseeregion. Beide versammeln 20 Prozent der Präzisionsgüter-Beschäftigten oder 18'000 Personen. Absolut gesehen schwindet die Bedeutung allerdings für die Region. Innerhalb der Industrie sind die Präzisionsgüter in Zürich nur die Nummer 3, nach dem Maschinenbau und den Metallerzeugnissen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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