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Der Phönix aus der Asche flog in ausländische Hände Viele Teile der Swissair leben mit neuen Besitzern weiter Von Julian Witschi, sda Hintergrund

Das Grounding der Swissair war ein Schock.

Viele Teile des Konzerns haben mit neuen ausländischen Besitzern aber überlebt. Die Swiss ist heute nach einem überdimensionierten Start heute im Langstreckengeschäft nicht mehr viel kleiner als die Swissair zuletzt. Im Europaverkehr haben sich Billigflieger wie Easyjet oder AirBerlin in Basel, Genf und Zürich niedergelassen und einen bedeutenden Teil des Geschäfts übernommen. Die Flotte der Swiss dagegen ist deutlich kleiner als jene der Swissair inklusive deren einstigen Regionalflug-Tochter Crossair. Die von Moritz Suter gegründete Crossair zählte vor zehn Jahren beim Grounding ihrer Mutterairline satte 84 Maschinen von Herstellern wie Boeing, Avro, Embraer und Saab. Die Swissair betrieb weitere 41 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge von Airbus. Die Swiss-Flotte umfasst heute auf der Kurz- und Mittelstrecke 36 kleinere Airbus (A319, A320 und A321) sowie 20 Avro-Maschinen, hinzu kommen 7 im Wetlease-Verfahren gemietete Flugzeuge. Das Total hat sich also von 125 auf 63 Maschinen praktisch halbiert. Dabei sollte die Crossair als neue Swiss gemäss dem Wiederaufbau- Konzept «Phoenix» je 26 Kurz- und Langstreckenflugzeuge der Swissair zusätzlich übernehmen. Weiterer Ausbau geplant Bei der Langstrecke ist die Swiss zehn Jahre später von diesem Ziel wieder nicht mehr weit entfernt, nachdem sie zwischenzeitlich wegen hoher Verluste markant abbauen musste und sich unter die Fittiche der Lufthansa rettete. Sie betreibt heute 10 A330 und 15 A340. Ab 2012 sollen neun Flugzeuge hinzukommen: Bestellt sind fünf Airbus A330 und je zwei Airbus A320 und A321. Hinzu kommen 30 CSeries-Flugzeuge von Bombardier, welche die 20 Avro-Jumbolinos ersetzen sollen. Im laufenden Sommerflugplan 2011 bedient Swiss mit 88 Flugzeugen 72 Destinationen (48 europäische und 24 interkontinentale) in 39 Ländern. Im nächsten Februar kommt Peking hinzu. Mitte 2011 zählte die Swiss 7572 Beschäftigte. Wenige Monate vor dem Grounding waren es im Fluggeschäft der SAirGroup, der SAirLines, zu welcher neben Swissair und Crossair auch die Chartergesellschaft Balair gehörte, rund 10'800 Angestellte. Neue Besitzer Die Balair wurde von der Migros-Reisetochter Hotelplan als Belair neu gegründet. Heute gehört diese der Air Berlin. Auch viele andere Teile der einstigen SAirGroup bestehen nach teils sehr harten Einschnitten weiter. So wurde die Bodenabfertigungsgesellschaft Swissport zunächst von der britischen Beteiligungsgesellschaft Candover und dann vom spanischen Baukonzern Ferrovial übernommen. Heute gehört sie der französischen Beteiligungsgesellschaft PAI Partners. Sitz blieb Opfikon ZH. In Kloten ansässig ist auch weiterhin SR Technics. Das Flugzeugwartungsunternehmen ist inzwischen im Besitz der Herrscherfamilien von Abu Dhabi und Dubai. Die SAir- Informatiktochter Atraxis wurde Ende 2001 vom texanischen IT-Konzern EDS übernommen. Die Catering-Tochter Gate Gourmet wurde zunächst von der US- Investmentgesellschaft Texas Pacific und dann von der Bank Merrill Lynch übernommen. 2009 kam die in Gategroup umfirmierte Firma an die Börse. Das Luftfrachtunternehmen Swisscargo wurde liquidiert, Infrastruktur und Angestellte wurden aber von der Swiss übernommen, welche damit das Frachtgeschäft Swissworldcargo aufbaute. Cargologic wurde an die deutsche Rhenus-Gruppe verkauft. Auch die Detailhandelskette Nuance hat sich «strategisch neu orientiert» und besteht unter dem Dach der italienischen Gruppen PAN und Stefanel weiterhin. Die Hotelkette Swissôtel lebt ebenfalls weiter. Sie ging an die Konkurrentin Raffles in Singapur und betreibt weiterhin auch ein Hotel am Bahnhof Oerlikon. Zürich blieb ein Hub Fazit: Der Flughafen Zürich ist auch nach dem Untergang der Swissair ein Hub geblieben mit zahlreichen Interkontinental- Verbindungen und Zehntausenden von direkt und indirekt davon abhängenden Arbeitsplätzen. Um diese Drehscheibe der globalen Wirtschaft und wichtigen Standortfaktor zu erhalten, hatte die öffentliche Hand 2 Milliarden Fr. in den Aufbau der Swiss investiert. Von den anderen Fluggesellschaften, an denen die Swissair beteiligt war, sind die französischen AOM, Air Liberté und Air Littoral verschwunden. Die deutsche Ferienfluggesellschaft LTU gehört inzwischen ebenfalls der Air Berlin. Die polnische LOT und die portugiesische TAP überlebten, teils dank Staatshilfen. Untergegangen ist dagegen die belgische Sabena. Deren Flugbetrieb wurde von der SN Brussels Airlines, mittlerweile Brussels Airlines, fortgeführt.

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